Menschen im Judo

Leopold Korner

Der 15. November gilt in den Bundesländern Wien und Niederösterreich als „Leopolditag“. Nicht nur deshalb für uns Anlass genug, DEN Leopold im Wiener Judo vorzustellen – Leopold Korner, 55. Und dieses Porträt passt zu diesem Tag. Schon sein Vater hieß Leopold, der Junior wurde Zeit seines Lebens einfach nur „Mini“ genannt, und „sein“ Klub residiert – richtig! – in der Wiener Leopoldstadt. „Mini“ führt seit fast 30 Jahren, seit dem Tod der unvergessenen Edith Felsinger, den WAT Leopoldstadt, der heute cafe+co Vienna Samurai heißt. Und zum zweiten Mal in Folge die Qualifikation für das Final Four in der Judo-Bundesliga schaffte. Damit aber nicht genug: der sozial engagierte Verein heimste zuletzt auch zwei nicht unbedeutende Preise für besonderes Engagement ein.

„Mini“ – gratuliere zum Aufstieg ins Final Four. Was war dafür entscheidend?

Leopold Korner: „Entscheidend war, dass Titelverteidiger Flachgau zu Saisonbeginn die Lage unterschätzt hat und wir in der zweiten Runde in Strasswalchen auch gewinnen konnten. Dazu die für uns günstige Auslosung, dass wir Vöcklabruck in der letzten Runde daheim hatten. Dennoch war es ein Zittern bis zum Schluss. Aber ich bin glücklich, dass wir es wieder geschafft haben.“

Wie im Vorjahr – was haben, glaubst du, deine Kämpfer aus dem ersten Final Four gelernt?

„Sicher viel. 2012 haben wir im Semifinale gegen Galaxy beim 5:9 Nerven gezeigt. Heuer haben wir einige echte Siegkämpfer gehabt. Wie etwa Christian Zachar, der in dieser Saison zum Mister Bundesliga wurde. Und natürlich unseren über 100-Kilo-Mann Janusz Wojnarowicz, der – wenn er da war – auch alles gewonnen hat. Aber auch einen Christian Stadlbauer darf man nicht vergessen, der jederzeit für Überraschungen gut ist, und die Jungen, die sich immer besser in die Mannschaft integrieren.“

Jetzt geht´s beim Final Four im Semifinale gegen den Rekordmeister UJZ Mühlviertel. Ein Sieg wäre doch eine Sensation, oder? Wer gewinnt denn das Final Four?

„Mein Siegertipp ist gar nicht dabei – das wäre Flachgau gewesen. Okay, wir sind gegen Mühlviertel sicher krasser Außenseiter, aber das ist auch wiederum unsere Chance. In der Liga haben wir daheim knapp 6:8 verloren, da hat Zacher zum Beispiel Peter Scharinger geschlagen und auch Daniel Allerstorfer hatte gegen unseren Janusz keine Chance. Diese Punkte brauchen wir, und dazu noch andere. Ich denke, dass das Final Four heuer ausgeglichener ist. Entscheidend wird sein, bei welchem Verein die Legionäre jeweils alle vier Punkte machen können.“

Die Liga ist die eine Schiene, aber euer Klub ist ja auch auf vielen anderen Gebieten sehr aktiv …

„Ja. Wir sind im Damenbereich sicher Wiens Nummer 1 und auch österreichweit ganz stark. Mit Hilde Drexler haben wir eine Olympia-Starterin von London 2012 in unseren Reihen. Mit Hupo Rohrauer haben wir einen international erfahrenen und ausgezeichneten Trainer. Auch unsere zweite Mannschaft hat sich schon gut entwickelt, ich hoffe, dass die Jungen nachdrängen.“

Und da sind dann noch die sozialen Projekte – ein Vergleich mit dem Fußball-Kultklub St. Pauli ist nicht von der Hand zu weisen …

„Wir haben aber auf unserem Klub-Logo keinen Totenkopf (lacht). Nein, dank meiner Tochter Corina, die mir eine große Hilfe ist, ist es uns auch gelungen, heuer zwei Preise zu gewinnen. Zum einen bei den „Sportstars der Stadt Wien“ für das beste „Gender-Projekt“, also die Förderung des Frauensports. Und zum anderen beim „Preis der Wiener Vielfalt“, dem Verein der Wiener Wirtschaft, für unser Engagement Frauen und Immigration. Da haben wir einige sehr gute Beispiele: Narges Mohseni etwa, wo der Vater aus Persien kommt, oder auch die aus der Türkei stammende Rukiye Özerdem. Da hat sich Corina sehr bemüht, ihr bei der Integration zu helfen.“

So etwas gefällt auch Sponsoren, oder?

„Wir sind unseren Sponsoren sehr dankbar. Ohne Gerald Steger von cafe+co hätten wir das Final Four sicher nicht erreicht, weil wir uns die Legionäre nicht hätten leisten können. Aber wir danken auch den Firmen Wojnar, Ströck, Klimesch und LGV für die Unterstützung. Wir geben unser Bestmögliches zurück.

Du hast ja auch ein bissl den Ruf eines „Heferls“ – andererseits steckst du ja deine ganze Freizeit ins Judo. Denkst du dir manchmal: Warum tu ich mir das an?

„Wahrscheinlich braucht der Sport auch solche Typen wie ich einer bin. Dass ich manchmal auszucke, okay. Ich ärgere mich dann eh über mich selbst und die, die mich dazu verleiten. Ich will mich besser in den Griff kriegen und mich nimmer provozieren lassen. Aber Emotionen gehören dazu – ich bin keinem persönlich böse. Und dass ich als Bankangestellter meine Freizeit fürs Judo opfere, naja, das ist halt so. Aber ohne unser Team im Klub, allen voran Corina, könnte ich das eh nicht machen.“

Du warst dreimal Senioren-Weltmeister – bist du noch aktiv?

„Ich habe beim Masters 1998 in Ottawa, 2001 in Scottsdale und 2004 in Wien Gold gemacht – das waren auch meine größten Erfolge. Seit 2009 mache ich aber nichts mehr auf der Matte. Ich muss auch ein bissl auf meine Gesundheit schauen.“

Und deine Wünsche für das kommende Jahr 2014?

„Gesundheit. Sportliche Erfolge – und mehr Anerkennung des Judosports in der Öffentlichkeit. Bei uns wird ehrlich gearbeitet und ehrenamtlich. Bei uns gibt es weder Doping noch eine Wettmafia. Gemeinsam fürs Judo arbeiten und da sein – dann bin ich zufrieden.“

Interview: Joe Langer

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