Faras wichtigster Sieg

Nachdem er bis 100 Kilo den Italiener Gennaro Pirelli mit seinem gefürchteten Ausheber auf die Matte gedonnert hatte, strahlte er übers ganze Gesicht, obwohl er seinen nächsten Kampf bei der WM in Abu Dhabi verlor – aber mit diesem Erfolg über den Grand Slam-Sieger von Duschanbe 2024 war seine eigene Olympia-Qualifikation und die anderer fix. Aaron Fara war sozusagen der „Dosenöffner“ dafür, dass jetzt sechs ÖJV-Judoka in Paris dabei sind. Sein wichtigster Sieg – lernen Sie im letzten Teil der Serie „Unsere 6 in Paris“ den Niederösterreicher besser kennen.

Selten, dass man einen Judoka nach dem WM-Ausscheiden in der zweiten Runde so fröhlich und übers ganze Gesicht grinsend gesehen hat. Aber Aaron hatte in Abu Dhabi allen Grund dazu. Mit dem Sieg über Pirelli holte er die nötigen Punkte für die Fix-Qualifikation, ermöglichte damit auch Katharina Tanzer den Platz in der Europa-Quote und sicherte Österreich zudem den Startplatz im olympischen Mixed-Bewerb. Drei Fliegen auf einen Schlag!

Dabei wollte der 27-Jährige aus Bad Erlach bei Wiener Neustadt vor etwa anderthalb Jahren den Judogi wegen chronischer Erfolgslosigkeit schon an den Nagel hängen. Er sprach damals darüber mit ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch – da er aber für die nächsten Turniere bereits genannt und die Flüge schon gebucht waren, nahm er diese noch mit. Und siehe da: Plötzlich lief alles wie geschmiert: Der 1,93-m-Hüne lieferte auch auf der World-Tour ab, und wie! Der vermeintliche Aussteiger gewann neun seiner nächsten zehn Kämpfe, holte Silber in Taschkent und Gold in Antalya. Die einzige Niederlage fügte ihm Varlam Liparteliani (GEO), seines Zeichens Olympia-Zweiter von Rio und dreifacher Europameister, zu. „Dass Aaron Judo kann, wussten wir schon immer. Mit einem Schlag stimmte plötzlich auch die nötige Einstellung und der Fokus“, staunte die Cheftrainerin.

Im Olympia-Jahr wartet Fara noch auf ein zählbares Erfolgserlebnis. Der Niederösterreicher, 2023 Grand-Slam-Sieger und Senkrechtstarter, verletzte sich ausgerechnet beim Heim-Grand-Prix in Linz am Knie und musste sich Ende April einer Meniskus-Operation unterziehen. „Abhaken, weitermachen, positiv bleiben“, ist seine Devise. Ganze drei Turniere und insgesamt nur sechs Kämpfe hat Fara heuer bestritten. „Aber für Überraschungen bin ich immer gut, auch bei Olympia“, hofft der Wimpassinger Judoka, der intern als Stimmungskanone bekannt ist. „Meine Ansprüche sind im letzten Jahr gestiegen. Ich traue mir seit Antalya absolute Spitzenleistungen zu.“ Warum nicht auch auf der olympischen Tatami in der Pariser Champ-de-Mars-Arena? …

Zur Person

AARON FARA, Gewichtsklasse: Halb-Schwergewicht, – 100 kg (1. August). Alter: 27 Jahre (geboren am 21. Juni 1997), Verein: JC Sparkasse Wimpassing/NÖ, Wohnort: Bad Erlach (NÖ), 6 EM-, 5 WM-Teilnahmen, bisherige Olympia-Teilnahmen: 0. Graduierung: 2. Dan; Sportliche Erfolge: Nummer 21 im IJF-Ranking, Grand-Slam-Sieger (Antalya 2023), dazu 2-facher Grand-Slam-Medaillengewinner (Silber Taschkent 2023, Bronze Abu Dhabi 2023), Junioren-Europameister Malaga 2016, Kampfbilanz 2024: 6 Kämpfe, 3 Siege (davon 2 mit Ippon, 1 x 2 Waza-ari), 3 Niederlagen ( 3 Ippon).

Ende der Serie

Foto: Spektakuläres Judo - das ist Aaron Fara (weißer Judogi) - @Judo Austria / Oliver Sellner

Ähnliche Beiträge

  • Michis fünfter Knopf ging endlich auf

    Die dritte Judo-Dame, die für Österreich in Tokio um eine Medaille kämpfen wird (am 28. Jul), ist Michaela Polleres. Die 23-jährige Niederösterreicherin vom JC Wimpassing wird die einzige ÖJV-Athletin sein, die im Nippon Budokan gesetzt sein wird (als Nummer 5 in der Klasse bis 70 Kilo). Und die als WM-Fünfte von 2019 und frischgebackene WM-Dritte…

  • Menschen im Judo

    Ulla Haider In unserer Serie „Menschen im Judo“ stellen wir heute Ulla Haider, die Generalsekretärin des Judo-Landesverbandes Wien vor. Seit nunmehr schon 12 Jahren ist die gebürtige Niederösterreicherin im Verband tätig, bei der 60-Jahr-Feier im November im Wiener Rathaus wurde unsere „gute Fee“ verdientermaßen mit dem Ehrenring des JLV Wien ausgezeichnet. Anlass genug, Ulla Haider…

  • Spätstarter Shamil als unser Glücksbringer?

    Erst mit neun, als andere Kinder in seinem Alter schon ihre ersten Turniere gewannen, hat er mit Judo begonnen. Als Kind mit der Familie von Tschetschenien nach Österreich geflüchtet und in Wels ansässig geworden. Erst seit August 2017 österreichischer Staatsbürger – und jetzt soll Shamil Borchashvili bei den Olympischen Spielen in Tokio in der Klasse…

  • Menschen im Judo

    Magda Krssakova In unserem heutigen Beitrag in der Rubrik „Menschen im Judo“ beschäftigen wir uns mit einer aufstrebenden Judoka aus Wien – mit Magdalena Krssakova. Die 23-Jährige vom JC Sirvan sprang beim ersten Turnier des neuen Jahres, dem Grand Prix in Tunis, als Dritte in der Klasse bis 63 Kilo aufs Podest. Am Wochenende reist…

  • |

    Trauer um Gerhard

    Österreichs Judo-Familie trauert um Gerhard Jungwirth. Der Salzburger, der vor gut fünf Jahrzehnten erfolgreicher Nationalteam-Judoka war und später fast 30 Jahre als Kampfrichter diente, verstarb Freitag im Alter von 72 Jahren. Da rücken andere Dinge natürlich in den Hintergrund. Etwa, dass der Wiener Landesverband Freitag Abend seine Generalversammlung abgehalten hat. Der allseits beliebte Gerhard, geboren…

  • Der Teddy, den alle purzeln sehen wollen

    Da kämpfen etliche Weltklasse-Judoka (zu denen wir im letzten Teil der Serie „Unser Team für Tokio“ auch den Wiener Stephan Hegyi vom SC Hakoah zählen wollen) um die Medaillen, doch alles spricht nur über einen Mann – über den Franzosen Teddy Riner, den zweimaligen Olympiasieger und 10-fachen Weltmeister, der im Schwergewicht der absolute Star ist….