Der Bär ist nicht los

Grand Slam in Paris, da ist sicher der Bär los! Doch nicht, wenn es um Superstar Teddy Riner geht. Denn der 2,05-Meter-Riese, der schon fünf Olympiasiege (davon drei im Einzel) erkämpft hat, fehlt. Der 36-Jährige hat – wie unsere Michaela Polleres – nach den Spielen von Paris 2024 eine anderthalbjährige Pause eingelegt, ist erst seit Dezember wieder im Training. Und dennoch werden die 15.000 in der Accor-Arena von Bercy ihrem Hero zujubeln, wenn sie ihn als Zuschauer in der Halle erkennen …

Der 140 Kilo wiegende Schwergewichtler, der im September 2007, also vor 18 Jahren, als 18-Järhiger in Rio de Janeiro den ersten seiner insgesamt elf WM-Titel geholt hatte, machte sich in den letzten Jahren sehr rar. Er verzichtete sogar auf WM-Teilnahmen, obwohl es in diesen um die Olympia-Qualifikation ging. „Ich muss mit meinem Körper gut haushalten, bin nicht mehr der Jüngste“, hat der Superstar Journalisten der französischen Sport-Tageszeitung „L´Equipe“ in die Notizblöcke diktiert. Und: „Noch gibt es ja keine Punkte für das Olympia-Ranking“. Offenbar will sich Teddy in seinem „Wohnzimmer“ nicht blamieren wie 2020, als er beim Pariser Grand Slam-Turnier gegen den Japaner Kokoro Kageura verlor. Erstmals nach zehn Jahren, seit der WM 2010 in Tokio, und erstmals nach 154 Siegen in Serie. Fast scheint es so, dass Riner mit der Halle in Bercy eine Hass-Liebe verbindet. Und seine drei Einzel-Olympiasiege holte der Franzose anderswo. 2012 in London, 2016 in Rio de Janeiro und 2024 in einer anderen Pariser Halle, dem eigens für Olympia erbauten Champ de Mars neben dem Eiffelturm.

Der französische Journalist Marc Ventouillac, der jahrelang bei der „L´Equipe“ arbeitete, weiß: „Teddy ist der absolute Hero in Frankreich. Er wird von den Fans geliebt, und selbst Staatspräsident Emmanuel Macron kam 2024 bei den Spielen in die Halle, um Riner persönlich zu gratulieren. Er will noch einmal zu den Spielen und 2028 in Los Angeles wieder Gold gewinnen.“

Frankreichs erster Judo-Weltmeister der Geschichte, Jean-Luc Rouge, der 1975 in der Wiener Stadthalle ein legendäres Finale gewonnen hatte, schwärmt von Riner. „Als David Douillet zwei Olympiasiege feierte, dachten wir alle: Das ist nicht zu toppen. Teddy hat uns eines Besseren belehrt.“

Weil am Wochenende über 500 Judoka aus 81 Nationen beim ersten Grand Slam-Turnier des Jahres antreten, beginnen die Vorrunden an beiden Tagen schon um 8 Uhr. Samstag Frauen 48, 52, 57 und 63 Kilo, Männer 60, 66 und 73 kg (Samuel Gaßner startet gegen Arun Kumar/IND und bekäme dann Tatsuki Ishihara(JPN); Sonntag Frauen 70 (Polleres), bis und über 78 kg, Männer 81 (Fasching), 90 (Scharfetter), bis und über 100 Kilo (Movli Borchashvilli, Hegyi). Die Finalblöcke starten jeweils um 17 Uhr und dauern rund zweieinhalb Stunden. Die Halle ist an beiden Tagen ausverkauft.

Foto: Hero, Judo-Gott - aber Teddy RINER schaut in Paris nur zu ... @IJF / Gabi Juan

Ähnliche Beiträge

  • „Lulu´s“ neue Heimat

    Sie ist gebürtige Britin. War für ihr Land Unter-23-Europameisterin 2018 und holte ein Jahr davor Bronze bei der Junioren-WM. Doch irgendwann lernte Lubjana Piovesana einen Vorarlberger kennen und lieben und wechselte ins „Ländle“. Ihrem „König“ Laurin Böhler sei Dank, dass er die talentierte Judokämpferin nach Österreich holte. Seit anderthalb Jahren ist die 27-Jährige nun Österreicherin…

  • 10 Jahre! Claudia – die Unvergessene

    Am Mittwoch (31. März) jährt sich zum zehnten Mal jener Tag, an dem Österreichs erste Frau, die ein olympisches Judo-Finale erreicht hatte, für immer von uns ging. Claudia Heill – die Unvergessene. Wir haben Claudias Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nummer 71) besucht, ein Kerzlein angezündet und wollen heute der erfolgreichen Sportlerin, die nur…

  • Unsere Top-Hoffnung

    Eine olympische Medaille, in Silber, hat sie schon – jetzt will Michaela Polleres in Paris ein weiteres Edelmetall. „Am liebsten in Gold“, lacht die 27-jährige Ternitzerin, die bei der Eröffnungsfeier am 26. Juli, gemeinsam mit dem Kanuten Felix Oschmautz, die rot-weiß-rote Fahne tragen wird. Polleres ist die einzige im ÖJV-Team, die schon olympische Erfahrung hat…

  • „Ich glaube an die Chance“

    Eine der sechs Wiener Judoka, die von Freitag bis Sonntag in der Linzer Tips-Arena beim „Upper Austria Grand Prix“ (Vorrunden ab 10 Uhr, Finalblöcke ab 17 Uhr) um Punkte für die Olympia-Qualifikation kämpfen werden, ist Magda Krssakova (JC Sirvan) in der Klasse bis 63 Kilo. Für die Vize-Europameisterin von 2020, die am vergangenen Sonntag 30…

  • Pacher: „War selbst überrascht“

    Völlig überraschend hat Johannes „Jo“ Pacher am Donnerstag in Neapel die Goldmedaille bei der Universiade gewonnen. Im Interview mit „judo-vienna.at“ gibt der 23-jährige Wiener zu: „Ich war selbst überrascht.“ Mit diesem Triumph hat sich Pacher für die WM Ende August in Tokio qualifiziert, auch Olympia ein Jahr später in Japans Hauptstadt ist nun ein Thema….

  • Faras wichtigster Sieg

    Nachdem er bis 100 Kilo den Italiener Gennaro Pirelli mit seinem gefürchteten Ausheber auf die Matte gedonnert hatte, strahlte er übers ganze Gesicht, obwohl er seinen nächsten Kampf bei der WM in Abu Dhabi verlor – aber mit diesem Erfolg über den Grand Slam-Sieger von Duschanbe 2024 war seine eigene Olympia-Qualifikation und die anderer fix….