Siebenmal Nummer 1

Das gab es selten! Bei der am Freitag in Budapest beginnenden Weltmeisterschaft werden bei den Männern alle sieben Führende im IJF-Ranking auf die Tatami steigen – mit Sanshiro Murao (bis 90 Kilo) ist aber nur ein Japaner unter ihnen. Die sechs anderen kommen aus fünf weiteren Ländern (AZE/2, FRA, KOR, TJK und IJF). Können die Japaner nach Abu Dhabi 2024, mit „nur“ vier Goldenen die „schlechteste“ WM seit zwölf Jahren, zulegen oder hält der Abwärtstrend weiter an? Wir blicken auf die vielen und vielfältigen WM-Favoriten bei den Männern.

2013 in Rio gab es viermal Gold für die Töchter und Söhne Nippons, 2024 in Abu Dhabi wieder – dazwischen waren es immer mindestens fünf, dreimal (2015, 2017 und 2018) sogar acht von 14 möglichen WM-Triumphen. In der ewigen Statistik liegt Japan (157 Titel) überlegen vor den Franzosen (56) und Südkorea (29) voran (Österreich ist mit viermal WM-Gold 20.), seit 2011 in Paris ist Japan immer Erster in der Medaillenbilanz – vor 14 Jahren in Bercy gab es fünfmal Gold, siebenmal Silber und fünfmal Bronze, aber Frankreich (6/0/1) hatte einen Titel mehr (siehe Statistik ganz unten). Aber wie sieht es heuer aus? Uta und Hifumi Abe könnten sich zum fünften Mal (zum vierten Mal am selben Tag) die WM-Krone aufsetzen. Aber die Konkurrenz ist für die Mutterland-Judoka vielleicht so stark wie noch nie. Denn fünf Olympiasieger von Paris – nur Yeldos Smetov (KAZ/bis 60 kg) und Teddy Riner (FRA/über 100 Kilo) fehlen – und alle aktuell Führenden im IJF-Ranking sind in Ungarns Metropole dabei. Wir blicken auf die Liste der Medaillenkandidaten und versprechen schon heute: es wird eine tolle Weltmeisterschaft!

Bis 60 Kilo (mit 7 Judoka aus den Top Ten): Es geht am Freitag gleich hochkarätig los! Smetov fehlt zwar, aber sein Olympia-Finalgegner von Paris, Luka Mkheidze (FRA), ist als Weltranglisten-Erster topgesetzt. Auch die Olympia-Dritten Ryuju Nagayama (JPN) und Spaniens Judo-Star Francisco Garrigos (auch Weltmeister 2023 und dreifacher Europameister) rechnen sich Chancen aus. Außenseiter ist sicher Michel Augusto (BRA/3). Österreich ist in dieser Gewichtsklasse durch Daniel Leutgeb (LZ Multikraft Wels) vertreten.

Bis 66 Kilo (7): Abgesehen davon, dass die Abe-Sisters wieder gemeinsam über WM-Gold jubeln könnten und der Titel in dieser Klasse sicher über den zweimaligen Olympiasieger Hifumi Abe (aktuell nur Nummer 5 im Ranking) führt, sind wohl Nurali Emomali (TJK/aktuell Nr. 1 im Ranking) und Takeshi Takeoka (JPN) auf den Titel aus. Aber auch Gusman Kyrgyzbayev (KAZ/Olympia-Dritter 2024) und Panamerika-Meister Ronald Lima rechnen sich Chancen aus. Der 20-jährige Brasilianer hat heuer den Grand Prix in Linz, übrigens mit Siegen über zwei Japaner, gewonnen und ersetzt seinen um fünf Jahre älteren Bruder William Lima (Olympia-Zweiter in Paris), der in Budapest ebenso fehlt wie Ex-Europameister und Galaxy-Legionär Denis Vieru (MDA). In dieser Kategorie ist kein ÖJV-Judoka am Start.

Bis 73 Kilo (8): Absoluter Favorit ist Paris-Olympiasieger Hidayat Heydarov (AZE), den vor allem Asien-Meister Shakram Ahadov (UZB) und Vize-Weltmeister Tatsuki Ishihara (JPN) herausfordern werden. Aber da sind noch einige andere, die im Kampf um die Medaillen ein Wörtchen mitreden wollen, etwa Makhmadbek Makhmadbekov (UAE/Zweiter der Asienspiele), der 33-jährige Lasha Shavdatuashvili (GEO/Olympiasieger 2012 in London, Zweiter in Tokio 2021, Dritter in Rio 2016), Joan-Benjamin Gaba (FRA/sensationell Olympia-Zweiter in Paris), die Ex-Weltmeister Nils Stump (SUI) und Manuel Lombardo (ITA) und dessen Landsmann Giovanni Esposito, der im März den Grand Prix in Linz gewann. Und, wenn er eine ähnliche Leistung wie bei seinem fünften Platz in Linz auf die Matte bringt, auch Samuel Gassner (UJZ Mühlviertel).

Bis 81 Kilo (mit allen 10 Top Ten!): Eine so genannte „Mörder-Klasse“ – mit dem Weltranglisten-Ersten Joonhwan Lee (KOR/Olympia-Dritter 2024 und zweifacher Asien-Meister) und Paris-Olympiasieger Takanori Nagase (JPN), mit dem starken Russen Timur Arbuzov (IJF), der heuer in Podgorica Europameister wurde, mit Georgiens erstem dreifachen Weltmeister Tato Grigalashvili, der in seinem Heimatland zum absoluten Star mutierte. Nicht zu vergessen die Ex-Weltmeister Matthias Casse (BEL) und Somon Makhmadbekov (TJK) und der als Nummer 3 gesetzte Kanadier Francois Gauthier-Drapeau. In diesem Klassefeld sollen sich auch zwei Österreicher behaupten. Der Welser Shamil Borchashvili, der in Budapest sein Comeback nach 14 Monaten geben wird, und dem Wiener Bernd Fasching (Galaxy Tigers), der 2024 in Abu Dhabi als Ersatz für Shamil auf den ausgezeichneten siebenten Platz kam. Alles Gute euch beiden – die Latte liegt hoch!

Bis 90 Kilo (mit den ersten 9 der Top Ten): Gegen Murao werden vor allem der Georgier Lasha Bekauri (zweifacher Olympiasieger, je dreimal Welt- und Europameister) und Rafael Macedo (BRA/Ex-Weltmeister und zweifacher Panamerika-Meister) ankämpfen. In Paris hat Bekauri im Olympia-Finale den Japaner besiegt. Österreich ist in dieser Klasse mit Thomas Scharfetter (ESV Sanjindo Bischofshofen) dabei.

Bis 100 Kilo (8): Die Nummer 1 im Ranking, Zelym Kotsoiev (Olympiasieger, zweimal Weltmeister) trifft auf den Georgier Ilia Sulamanidze (zweimal Olympia-Zweiter, Ex-Weltmeister) und Matvey Kanikovskiy (IJF/Olympia-Dritter). Hinter diesen Top 3 wollen aber noch andere im Medaillenkampf mitmischen, etwa Dzhafar Kostoev (UAE/Asien-Meister 2022), der starke Schweizer Daniel Eich und mit Jorge Fonseca (POR) ein ehemaliger Weltmeister. Für Österreich startet Laurin Böhler (LZ Hohenems).

Über 100 Kilo (8): In Abwesenheit von Superstar Riner (wäre als Nummer 7 der Welt gesetzt) könnte ein anderer Top-Judoka ins Rampenlicht treten: Inal Tasoev (IJF), zweifacher Welt- und dreifacher Europameister, ist als Weltranglisten-Führender Favorit, aber mit Temur Rakhimov (TJK/Olympia-Dritter) und Minjong Kim (KOR), dem Olympia-Zweiten von Paris, gibt es weitere Titelanwärter. Aber auch im Schwergewicht kratzen einige andere Judo-Größen am Podest – vor allem Guram Tushishvili (GEO/hat einen kompletten Olympia-Medaillensatz und war Weltmeister), Ushangi Kokauri (AZE), Tamerlan Bashaev (IJF) und natürlich der Tscheche Lukas Krpalek (zweimal Olympiasieger, zweimal Weltmeister, dreimal Europameister). Für Österreich steigt Movli Borchashvilli (Galaxy Judo Tigers) auf die Tatami.

Spannende Kämpfe sind also programmiert – auch im Mixed-Bewerb, der am Ende der WM (20. Juni) ausgetragen wird. Seit der Premiere 2018 in Baku waren immer Japan und Frankreich im Finale. Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen, wo sich die Franzosen zweimal (2021 und 2024) durchsetzten, hat es bei Weltmeisterschaften nur Triumphe der Söhne und Töchter Nippons gegeben.

WM-Medaillen Japan (seit 2013): 2013 in Rio 4/1/4 – 2014 in Chelyabinsk 5/2/4 – 1015 in Kazan 8/4/5 – 2017 in Budapest 8/4/1 – 2019 in Tokio 5/6/5 – 2021 in Budapest 6/4/2 – 2022 in Taschkent 6/4/3 – 2023 in Doha 6/2/4 und 2024 in Abu Dhabi 4/2/4.

MORGEN: Shamil BORCHASHVILI – das Comeback des „Olympia-Verweigerers“

Foto: In Budapest könnte es zum Duell des zweifachen Olympiasiegers Hifumi ABE (JPN/weißer Judogi) mit dem Weltranglisten-Ersten Nurali EMOMALI (TJK) kommen - @IJF / Gabriela Sabau

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