Sayonara – Teil 15

ÖJV-Sportdirektor Markus Moser – ein waschechter Stadlauer – Foto: JL

Seit bald sechs Jahren arbeitet er für den ÖJV, seit 2017 als Sportdirektor – der waschechte Stadlauer Markus Moser, 29 Jahre jung, ist das wichtige Bindeglied zwischen Mannschaft und Vorstand. Aus dem einstigen Sunnyboy ist ein hart arbeitender Betreuer geworden. Deshalb haben wir ihn für den Teil 15 unserer Serie „Sayonara“ zum Interview gebeten.

DER JUNGE HERR DIREKTOR – Als es 2007 in Rauris eine Judo-Sommeschule gab und gleichzeitig die neue ÖJV-Ausrüstung ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking vorgestellt wurde, saß ich im selben Zug wie einige Judoka im Nebenabteil. Es war ein bissl laut, und einer tat sich besonders hervor. Sein Name: Markus Moser. Der mittlerweile etwas „ergraute“ Blondschopf war damals gerade 16, war erfolgreicher Nachwuchs-Judoka, und sollte zehn Jahre später eine Funktion übernehmen, die sehr wichtig ist: nämlich die des ÖJV-Sportdirektors. Heute ist Markus 29 und einer der wichtigsten Männer im Judoverband. „Ich sehe meine Funktion als Administrator zwischen der Mannschaft und den Trainern einerseits sowie dem Vorstand des ÖJV, wo ich den Vizepräsidenten Sport unterstellt bin.“ Seit 2017 macht Markus den Job, zuvor war er ab Anfang 2014 Sportkoordinator. „Ich hab von 2011 bis 2013 in Köln mein Masters abgeschlossen, dann kam die ÖJV-Ausschreibung und letztendlich haben sie mich genommen“, erzählt Moser.

Er hat keine Hemmungen und zeigt keine Nervosität, wenn er zum Beispiel bei Judo-Pressekonferenzen live im Fernsehen die Moderation leitet; er zeigt auch keinen Genierer bei internen Besprechungen mit seinen Kaderleuten, er hat eine Meinung und geht einen Weg, den er sich zuvor gut überlegt hat. Markus ist einfach einer, zu dem jeder mit jedem Problem kommen kann. Egal, von welcher Seite. Sozusagen ein Diplomat am Rande der Matte.

Markus Moser steht aber nicht gerne in der Öffentlichkeit. Nicht, weil er vielleicht dafür zu schüchtern wäre, ganz im Gegenteil. „Es müssen immer die Sportler im Vordergrund stehen“, sagt er. Dass es zu gewissen Themen verschiedene Meinungen gibt, findet er gut. „Aber am Ende darf es nur in eine gemeinsame Richtung gehen. Mit einer Energie.“ Immerhin war Markus auch wesentlich an der Kündigung von ÖJV-Damentrainer Marko Spittka beteiligt, „weil ich gesehen habe, dass es intern nicht mehr diesen einen Weg, diese eine Energie gegeben hat. Und deshalb war Handlungsbedarf.“ Für die WM in Tokio hat er Spittkas Job „geerbt“, aber Moser blickt auch schon in die Zukunft: „Wir haben eine Handoll Kandidaten für die Nachfolge. Es muss eine Persönlichkeit sein, die sich schnell und gut in unser Team integrieren kann. Denn bis zu Olympia sind es nicht einmal mehr elf Monate.“

Steigt Markus Moser eigentlich noch auf die Matte? „Ich war letzten Samstag in Tokio mit Lupo Paischer beim Training, habe ein Randori gemacht“, lacht er. Sein erster Japan-Trip war damals, als er noch einer der „jungen Wilden“ war. „Zwischen dem 22. Bezirk in Wien, Donaustadt, und dem 22. Bezirk von Tokio, Arakawa, gibt es einen Kulturaustausch. Und da durfte ich damals nach Japan.“ Er hat noch heute Kontakt zu den japanischen Judoka, die er in dieser Zeit kennen gelernt hat. In Wien kommt er nur noch selten dazu, im Verein zu trainieren. „Aber wenn sich´s doch mal ausgeht, macht das richtig Spaß. Ich bin durch und durch ein Stadlauer, bin seit 1995 im Verein.“ Damals war der kleine Markus gerade mal sechs Jahre alt.

Eigentlich ist es auch für Markus Moser sehr schade, dass es für Michaela Polleres, die am Donnerstag mit Platz 5 in der Klasse bis 70 Kilo eine starke Leistung geboten hatte, nicht zu einer Medaille gereicht hat. Denn der junge Herr Direktor hätte sich diesen Erfolg redlich verdient – aber er hätte ihn mit Sicherheit nicht an seine Fahnen geheftet ….

… meint Euer Joe Langer – Sayonara!

MORGEN: Tokio und Olympia

Ähnliche Beiträge

  • Lignano-„Invasion“

    Am Wochenende vor der EM der „Großen“ in Tiflis (GEO) messen noch einmal die Junior(innen) die Kräfte – beim Unter -21-Europacup in Lignano wird es eine rot-weiß-rote „Invasion“ geben. Nicht weniger als 37 ÖJV-Judoka wurden für das Turnier an der italienischen Adria-Küste genannt. Mit sechs Wienern, darunter Leonie Bayr, die zuletzt beim Europacup in Posen…

  • WM-Ziel ist eine Medaille

    Wie eigentlich immer hat ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch auch für die am Sonntag in Abu Dhabi beginnende WM „eine Medaille“ als Ziel ausgegeben. Diese könnte am ehesten Michaela Polleres bis 70 Kilo holen. Die Wimpassingerin, Olympia-Zweite von Tokio 2021, hat aber ein schweres Los erwischt. Als erste rot-weiß-rote Athletin ist am Sonntag Katharina Tanzer (SU Noricum…

  • Judo-Botschafter

    Seit gut einem Jahrzehnt ist die „IJF Judo Gala“ ein fixer Bestandteil jeder Weltmeisterschaft. Auch hier in Baku fand diese am Dienstag Abend im feudalen „Zugulba Saray“ statt. Und dabei durfte die Prominenz nicht fehlen. Drei Judo-Legenden wurden zu Ehrnmitgliedern ernannt, darunter der Deutsche Klaus Glahn, dazu trommelten mit Musik-Star Al Bano und Deutschlands Rekord-Nationalspieler…

  • Sayonara – Teil 3

    Heute, im dritten Teil unserer Serie „Sayonara“, schauen wir auf die ewige WM-Statistik. Und da ist Österreich mit 4 x Gold, 2 x Silber und 8 x Bronze auf Rang 18 gut vertreten. Und Japan? Allein 145 x Gold, dazu 91 x Silber und 103 x Bronze – 339 (!) Medaillen insgesamt … ÖSTERREICH IM…

  • | |

    Kata-Kader bereit

    Beim ersten Training des Wiener Kata-Kaders nach der Sommerpause stand die Vorbereitung auf die Landesmeisterschaft am kommenden Wochenende im Fokus. Die Paare erhielten individuelles Einzelcoaching, um gezielt an Techniken und Details zu arbeiten. Zum Abschluss präsentierte jedes Paar seine gesamte Kata und ist damit gut auf den bevorstehenden Wettkampf vorbereitet. Sportdirektor Ali Reismann war als…

  • WM der Superlativen

    Sieben der 14 Olympia-Champions von Paris, elf Weltranglisten-Erste, 111 Judoka aus den Top Ten – die am Freitag in Budapest beginnende WM könnte eine der Superlativen werden. Ungewöhnlich im nacholympischen Jahr, zudem beginnt der Qualifikations-Zyklus für die Spiele 2028 erst im nächsten Jahr. Als erster der zehn ÖJV-Judoka tritt am Eröffnungstag Daniel Leutgeb (LZ Multikraft…