Vor 10 Jahren: Triumph bei der Heim-EM

Heute vor zehn Jahren, am 22. April 2010, feierte Österreichs Judosport am Eröffnungstag der Heim-EM im Wiener Dusika-Stadion einen sportlichen Triumph! Zwei Silbermedaillen durch Ludwig Paischer und Sabrina Filzmoser und Bronze durch Andi Mitterfellner. Sogar die „Krone“ widmet diesem Ereignis heute einen großen Beitrag (siehe Bild). In Zeiten, wo wir nicht Judo auf der Matte ausüben dürfen, sind solche Erinnerungen wie Balsam auf die Wunden …

Kinder, wie die Zeit vergeht! Ich – Joe Langer – erinnere mich noch gut an diese Heim-EM. Als EM-Pressechef war ich ja unmittelbar in die Organisation eingebunden. Ich hatte mir damals zwei Wochen Urlaub genommen und einen anderen Kollegen ersucht, für die „Kronen Zeitung“ die aktuelle Berichterstattung vorzunehmen, weil mir das zuviel geworden wäre. Drei Wochen vor der EM haben wir erfahren, dass der russische Präsident Wladimir Putin nach Wien kommen würde. Samstag zu den schweren Kategorien und Sonntag zum damals erstmals bei einer EM ausgetragenen Teambewerb. Putin war auf dem Weg von Moskau nach Mailand, wo er sich Montag Früh mit dem damaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi treffen wollte. Mit im Putin-Flieger 150 Journalisten, die natürlich auch alle in die Dusika-Halle kommen wollten. Nicht, weil sie Judo sehen wollten, sondern nur, um die Rede ihres Präsidenten zu verfolgen und darüber zu berichten.

Aber der Reihe nach. Am Donnerstag, dem besagten 22. April 2020, waren die leichten Gewichtsklassen an der Reihe – Frauen bis 48, 52 und 57 Kilo, Männer bis 60 und 66 Kilo. Und in diesen fünf Klassen gab es gleich drei Medaillen für Österreich! Paischer musste sich ebenso erst im Finale bis 60 Kilo dem Franzosen Sofiane Milous geschlagen geben wie Filzmoser der Rumänin Corina Stefan. Zu „Lupo“ und „Sabsi“ gesellte sich noch ein dritter Medaillen-Gewinner: der Steirer Andi Mitterfellner, der mit einem tollen Kampf um Bronze bis 66 Kilo noch aufs Podest sprang. Die EM war sportlich gerettet …

Samstag Mittag kam dann Putin. Während alle Zuschauer beim Eingang schlimmer gefilzt wurden als jeder beim Security-Check am Flughafen, gingen die 150 russischen Putin-Begleiter mit dem Presse-Attache der Botschaft in Wien bei einem Hintereingang in die Halle und wurden von mir auf die für sie reservierten Plätze verwiesen. Unter den 150 waren auch Reporter von insgesamt 15 russischen TV-Stationen dabei, einigen davon wiesen wir einen Platz beim Rednerpult zu. Das Bild des Tages war die Begrüßung Putins durch Karl Schranz, der ja den Präsidenten vom Skifahren am Arlberg her kannte und der sich für die Olympia-Bewerbung von Sotschi eingesetzt hatte. Ich erinnere mich noch gut. Den Presse-Attache habe ich um so ein Foto gebeten, der leitete meine Bitte an den nächsten weiter, der wieder an den nächsten, bis die Bitte die Sekretärin Putins erreichte. Genauso, wie eine Flaschenpost, ging die Anweisung zurück. „Herr Schranz möge aufstehen und sich dem Herrn Präsidenten zeigen“, sagte der Presse-Attache. Ich ging zu Schranz und bat ihn: „Karl, wenn der Putin kommt, steh bitte auf.“ Schranz zierte sich, wollte sich nicht wichtig machen. Schließlich aber klappte alles – und das Bild mit den beiden war dann in allen Medien …

Die Sicherheitsmaßnahmen waren enorm. Auf dem Dach der Dusika-Halle waren fünf Scharfschützen postiert – für alle Fälle. In der Garage des Stadion-Centers waren Heckenschützen der WEGA mit Blick zum Hintereingang in Stellung. Über dem Stadion kreisten drei Hubschrauber übereinander. Der unterste mit Infrarot-Kameras für Schusswaffen bzw. Munition, der mittlere vom ÖAMTC und oben noch ein Polizei-Hubschrauber. Als am Sonntag Putin noch in der Halle war, setzte sich ein Konvoi von sechs schwarzen Limousinen, verfolgt von einem Hubschrauber, Richtung Tangente in Bewegung. Ich fragte einen Sicherheits-Beamten, wieso der Konvoi ohne Putin fährt. „Täuschen und tarnen“ bekam ich als Antwort. Putin fuhr erst fünf Minuten später in einem zweiten Konvoi.

Zehn Jahre, die wie im Flug vergangen sind. Seit einer EM, die sportlich super war und durch Putins Anwesenheit noch aufgewertet wurde. Der russische Präsident wäre sicher auch zur WM 2021 nach Wien gekommen. Doch leider, wie wir wissen, wurde diese WM Österreich durch die IJF entzogen und an Taschkent vergeben. In Zeiten der Corona-Krise sind die Usbeken aber nicht zu beneiden. Denn die WM soll vom Herbst auf das Frühjahr 2021 vorverlegt werden, damit die Ergebnisse noch in die Olympia-Qualifikation einbezogen werden. Und – Stand heute – in Wahrheit weiß noch niemand, ob das angesichts der Probleme mit dem Virus auch tatsächlich möglich sein wird. Was bleibt, sind die Erinnerungen an eine besondere EM in Wien …

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