Sam: „Je t´aime Paris“

Er ist, sprichwörtlich, noch auf den letzten Waggon in den Zug nach Paris gesprungen. Olympia ist für Samuel Gaßner Neuland, aber die Metropole an der Seine ist es für den 23-jährigen Oberösterreicher bei weitem nicht. „Je t´aime Paris“, sagt der Leichtgewichtler des UJZ Mühlviertel schon länger – seine große Liebe lebt nämlich in der Stadt der Liebe, heißt Coralie, und ist selbst ein Talent im französischen Judo-Team. Und „Sam“, wie der einstige Zweite der Europäischen Olympischen Jugendspiele (2017) genannt wird, schlug gleich zwei Fliegen auf einen Streich. Er startet quasi mit einer „Wild Card“ im Mixed-Bewerb und darf auch im Einzel bis 73 Kilo auf die Matte. Lesen Sie heute den vierten Teil der Serie „Unsere 6 in Paris“ …

Der Sohn einer Mühlviertlerin und eines Ägypters wurde vom legendären und unvergessenen Ernst Hofer entdeckt. Mit seiner EYOF-Silbermedaille 2017 in Györ trat der damals 16-Jährige erstmals ins Rampenlicht. Er entwickelte sich konsequent weiter und arbeitete sich bis 73 Kilo an die nationale Spitze. Seit 23. Mai lebte die Hoffnung, vom ÖJV bzw. von der IJF als sechster Judoka für den Mixed-Bewerb nominiert zu werden, obwohl er als Nummer 77 der Welt eigentlich die Qualifikation fürs Einzel nicht erreicht hatte. Aber der Erstrundensieg von Aaron Fara bei der WM in Abu Dhabi, der dem 100-Kilo-Mann das Fix-Ticket für Paris und dem ÖJV die Teilnahme am Mixed-Bewerb bescherte, öffnete die Chance für „Sam“. Er oder sein 73-Kilo-Teamkollege Lukas Reiter sollte für Paris nominiert werden. Man entschied sich für Gaßner. „Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht, dass ich heuer schon bei Olympia dabei sein kann“, gesteht der Judoka.. „Samuel ist für uns ein Mann der Zukunft. Er hat eine sehr gute Technik und ein unglaubliches Gespür für Kampf-Situationen“, lobt ÖJV-Sportdirektor Markus Moser.

Ein erstes Ausrufezeichen in der allgemeinen Klasse gelang Gaßner bei seinem WM-Debüt in Taschkent 2022. Im Mixed-Team-Bewerb überraschte er den usbekischen Lokalmatador Obidkhon Nomanov, einen mehrfachen Grand-Slam-Medaillengewinner, und feierte einen souveränen Ippon-Sieg. Zu Jahresbeginn 2024 zeigte Samuel mit seinem Sieg bei den European Open in Warschau auf. Bei den restlichen sieben Starts gelang kein zählbares Ergebnis mehr – von der erfolgreichen Olympia-Qualifikation mal abgesehen. „In Paris kann ich eigentlich nur gewinnen. Ich bin krasser Außenseiter, keiner hat mich am Zettel.“ Vielleicht gelingt Samuel die nächste Überraschung, wie damals vor zwei Jahren gegen Nomanov. Freundin Coralie wird auf jeden Fall auf der Tribüne Daumen drücken.

Zur Person

SAMUEL GASSNER, Gewichtsklasse: Leichtgewicht, – 73 kg (29. Juli). Alter: 23 Jahre, Verein: UJZ Mühlviertel/OÖ, Wohnort: Ottensheim/OÖ, Mutter Sabine ist Mühlviertlerin, Vater Mumu Ägypter, 1 EM-Teilnahme und 2 WM-Teilnahmen, bisherige Olympia-Teilnahmen: 0. Graduierung: 1. Dan; Sportliche Erfolge: aktuelle Nr. 77 im IJF-Ranking, Sieger der Warschau European Open 2024, Rang 5 Junioren-WM Marrakesch 2019, Platz 5 Jugend-EM Sarajevo 2018, Silber bei den Europäischen Olympischen Jugendspielen (EYOF) Györ 2017, Kampfbilanz 2024: 15 Kämpfe, 9 Siege (davon 6 mit Ippon, 2 x 2 Waza-ari, 1 Waza-ari), 6 Niederlagen ( 3 I, 3 W).
Foto: Samuel GASSNER (weißer Judogi) - der jüngste rutschte als letzter Judoka ins Olympia-Team - @Judo Austria / Oliver Sellner

Ähnliche Beiträge

  • Corina Korner neue ÖJV-Generalsekretärin

    Seit heute, Montag, arbeitet im ÖJV-Büro eine neue Generalsekretärin. Mag. Corina Korner löst den bisherigen Administrations-Chef im Judoverband, Paul Fiala, ab. „Damit geht ein Lebenstraum für mich in Erfüllung“, sagt die 34-jährige Obfrau von Vienna Samurai, die als Stellvertretende Presse- und Kampfrichterreferentin auch für den Wiener Landesverband tätig ist. Generationswechsel im Österreichischen Judoverband – der…

  • Legende Willi Suck feiert seinen 80er

    Statistisch, urkundlich ist er es schon seit 22. Juli – aber erst, wenn man einen solchen Anlass gebührend feiert, ist es gewissermaßen auch amtlich. Willi Suck, eine Legende des Wiener Judosports, ist 80 Jahre! An diesem Wochenende lud der rüstige Judoka Freunde zum Anstoßen ein. Darunter Ehrenpräsident KR Ernst Graft (im Bild oben links) und…

  • Sabsi über Judo, Berge, Fliegen und den Virus

    Zweimal Europameisterin, zweimal WM-Dritte, und jetzt peilt sie als erste ÖJV-Judoka ihre vierte Olympia-Teilnahme an – Sabrina Filzmoser (im Bild bei einem Mediengespräch in Tokio vor der WM 2019), von allen liebevoll „Sabsi“ genannt, ist ein Vorbild. Nicht nur im Judo, nicht nur im Sport, sondern auch und vor allem als Mensch. Die Welserin, die…

  • Trauer um Maurer

    Wiens Judosport trägt Schwarz. Denn Thomas Maurer, der mehr durch die TV-Serie „Das Geschäft mit der Liebe“ bekannt wurde als durch seine Judo-Erfolge, ist tot. Der ehemalige Judoka von WAT Stadlau und WAT Leopoldstadt (heute Vienna Samurai) starb nach langer, schwerer Krankheit im Alter von nur 62 Jahren. Seine beste Judo-Zeit hatte er anfangs der…

  • Unsere Top-Hoffnung

    Eine olympische Medaille, in Silber, hat sie schon – jetzt will Michaela Polleres in Paris ein weiteres Edelmetall. „Am liebsten in Gold“, lacht die 27-jährige Ternitzerin, die bei der Eröffnungsfeier am 26. Juli, gemeinsam mit dem Kanuten Felix Oschmautz, die rot-weiß-rote Fahne tragen wird. Polleres ist die einzige im ÖJV-Team, die schon olympische Erfahrung hat…

  • „Roland hat Chancen“

    Von 28. August bis 8. September wird Paris wieder olympisch – die Paralympics stehen an, auch im Judo. Leider ohne österreichische Judoka, aber mit einem rot-weiß-roten Kampfrichter. Roland Poiger wird in der Champ-de-Mars-Arena von 5. bis 7. September im Einsatz sein. Der Burgenländer hat noch ein Ziel: die „echten“ Olympischen Spiele in vier Jahren in…