Marathon ins Glück!

Zwei Weltmeister holten am dritten Tag der Judo-Bewerbe ihre erste Olympia-Medaille – und die gleich in Gold! Die Kanadierin Christa Deguchi bis 57 Kilo und Hidayat Heydarov (AZE) bis 73 Kilo. Samuel Gaßner (UJZ Mühlviertel) feierte einen Blitzsieg, ehe er dem späteren Fünften Akil Gjakova (KOS) mit Ippon unterlag und ausschied. Am Dienstag greifen mit Lubjana Piovesana (bis 63) und Wachid Borchashvili (bis 81 kg) zwei ÖJV-Hoffnungen ein.

Es war ein Marathon ins Glück für den 27-jährigen Aserbaidschaner, dessen Vordringen ins Finale der Männerklasse bis 73 Kilo erwartbar war. Dass aber sein Gegner im Kampf um Gold einer sein würde, der zwar heuer bei der EM in Zagreb Bronze holte, aber auf der World Tour noch nie in einem Finale stand, war die nächste Sensation dieser Spiele in der Champ-de-Mars-Arena. Sein Name: Joan Benjamin Gaba, 23 Jahre, nur die Nummer 35 der Welt. Aber der von 8.000 Fans angefeuerte Shooting-Star räumte vier Gegner weg, darunter mit Lasha Shavdatuashvili (GEO) einen Olympiasieger (2012) und mit Soichi Hashimoto (JPN) einen Ex-Weltmeister (2017). Und auch im Goldkampf verlangte der junge Franzose seinem favorisierten Gegner alles ab, zwang ihn in den Golden Score, der 5:24 weitere Minuten, also 9:24 insgesamt, dauerte. Beide hatten zwei Shidos, beide waren völlig fertig, doch dann packte Heydarov einen Beinwurf (Ko-uchi-gari) aus, warf Gaba Ippon und krönte sich nach diesem Marathon erstmals zum Olympiasieger …

… wie bei den Frauen bis 57 Kilo die Kanadierin Deguchi. Die zweifache Weltmeisterin, die vor zwei Monaten bei der WM das Finale gegen Mimi Huh noch verlor, revanchierte sich für die Niederlage von Abu Dhabi mit ihrem Finalsieg über die Koreanerin. Auch die 28-Jährige musste gegen die Nummer 1 der Welt in den Golden Score, auch da hatten beide zwei Shidos, ehe ihre Gegnerin die „rote Karte“ sah. Damit auch wieder kein Gold für Gastgeber Frankreich, denn Sarah Leonie Cysique holte ebenso „nur“ Bronze wie die beiden Japaner, Haruka Funakubo und Hashimoto. Daher ergibt sich nach drei Tagen, dass zwar Japan (2/0/3) im Medaillenspiegel weiter führt, dahinter aber Kasachstan (1/0/1) sowie Aserbaidschan, Kanada und Usbekistan mit je einmal Gold lauern. Frankreich (0/2/3) ist weiter ohne Gold, aber die Stars der „Grande Nation“ kommen noch.

Auch ein Österreicher stieg am Montag auf die olympische Tatami. Und Samuel Gaßner, der Oberösterreicher des UJZ Mühlviertel, konnte durchaus überzeugen. In Runde 1 hielt er den Syrer Hasan Bayan nach nur 42 Sekunden mit Ippon fest. Und das, obwohl er eigentlich nicht fürs Einzel qualifiziert war und als vom ÖJV genannter „sechster Mann“ für das Mixed automatisch auch so startberechtigt war. In der zweiten Runde war aber gegen den zweifachen Europameister (2021 und 2023) Akil Gjakova, der später Fünfter wurde, Endstation. Der Kosovare konterte nach 2:21 Minuten einen Ansatz des bis dahin zumindest ebenbürtigen Gaßner mit Ippon. Aber Samuel hat sich bei Gott nichts vorzuwerfen – er gab ein tolles Olympia-Debüt, auch zur Freude seiner Pariser Freundin Coralie, die ihn nach dem Ausscheiden auch gleich tröstete. „ich war gegen Gjakova gut eingestellt, auch gar nicht so nervös. Aber ich habe bei meiner Aktion einen Fehler gemacht und er hat das eiskalt ausgenutzt“, war Gaßner enttäuscht. Aber: „Ich werde die nächsten vier Jahre alles dafür geben, dass ich 2028 in Los Angeles eine Medaille hole.“

Am Dienstag steigen gleich zwei ÖJV-Judoka auf die Matte. Lubjana Piovesana (LZ Hohenems) trifft zum Auftakt in der Klasse bis 63 Kilo auf die Kasachin Esmigul Kuyulova, der von seinem „Familienrat“ dem Olympiadritten Shamil vorgezogene Wachid Borchashvili (LZ Multikraft Wels) sollte in der Klasse bis 81 Kilo mit dem Afghanen Mohammad Samim Faizada keine Probleme haben – danach aber würde Tato Grigalashvili warten, der als erster Georgier in Abu Dhabi zum dritten Mal Weltmeister wurde und unbedingt seine erste Olympia-Medaille holen will. Aber, wenn alles optimal läuft, sind durchaus rot-weiß-rote Chancen – eher für „Lulu“ – vorhanden!

Ein anderes Thema beschäftigt die Judo-Fans wohl nicht nur in Österreich: Wo kann man Judo im Fernsehen oder Internet sehen? Während der ORF am Sonntag das Drama um Uta Abe und das 50. japanische Judo-Olympiagold der Geschichte ihres Bruders Hifumi Abe geflissentlich überging, zeigte man am Montag Gaßner und das Männer-Finale zumindest zeitversetzt. „JudoTV“ ist zwar „live“ dabei, aber nicht im Bild. Man sieht nur den Live-Stand der Kämpfe, die Kampforder und Ergebnisse. Da man aber keine Rechte erworben hat (wird wohl auch zu teuer sein), sehen die Judo-Fans nichts. Da sollte sich die IJF, die dank Präsident Marius Vizer sehr medienaffin ist, für die nächsten Spiele etwas überlegen. Es kann nicht sein, dass es Livestreams vom Masters über die World Tour bis zu jedem „Pimperlturnier“ gibt, aber bei Olympia die Mattscheibe regiert. Auf „Discovery“ kann man ein Monats-Abo für 3,99 Euro kaufen (danach kündigen!). Der Link dazu:

https://www.discoveryplus.com/at/video/olympics/dplus-sport-dplus-sport-sport/judo-7094023

Foto: Der entscheidende Moment: Gjakova kontert Gassner (blau) - @IJF Media / Emanuele Di Feliciantonio

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