Der Kreis soll sich schließen

Die WM in Abu Dhabi steht aus rot-weiß-roter Sicht weiterhin unter keinem guten Stern. Weil am Mittwoch auch die Olympia-Zweite Michaela Polleres (bis 70 Kilo) in der dritten Runde ausschied, bleibt vor dem Schlusstag der Einzelbewerbe der siebente Platz des Wieners Bernd Fasching (bis 81 Kilo) der bisher einzige zählbare ÖJV-Ergebnis. Ein toller Erfolg für den erst 20-jährigen Galaxy-Judoka, dem viele eine große Zukunft im Judo zutrauen. Auch sein Klubtrainer Thomas Haasmann, der Bernd zu den nächsten Olympischen Spielen 2028 nach Los Angeles bringen will. Zunächst geht es aber am Donnerstag im Emirat noch um wichtige Punkte in der Olympia-Qualifikation für die Spiele in Paris. Daumen drücken heißt es ganz besonders für Aaron Fara in der Klasse bis 100 Kilo!

Siegen oder Fliegen – das ist die Judo-Philosophie des 26-jährigen Wimpassingers, der sich seit dem Vorjahr Grand Slam-Sieger (in Antalya) nennen darf. Der 1,93 Meter große Modellathlet, der immer zu Späßen aufgelegt ist, hat aber heuer noch nicht angeschrieben, ist daher derzeit „nur“ über die Kontinental-Quote für die Paris qualifiziert. „Wir wollen natürlich, dass Aaron wieder in die Gruppe der direkt Qualifizierten kommt. Dazu braucht es aber eine gute WM mit wohl mindestens zwei bis drei Siegen“, sagt ÖJV-Präsident Dr. Martin Poiger. Doch die Auslosung ist ein Hammer für Aaron: Mit Gennaro Pirelli (ITA) wartet der Grand Slam-Sieger von Duschanbe 2024, danach ginge es gegen den topgesetzten Kanadier Shady Elnahas. Warum alle Fara besonders die Daumen drücken? Weil ein Erfolg bei der WM nicht nur sein persönlicher wäre, sondern auch – wenn er wieder in die „Top-Gruppe“ für Paris käme – für das ganze Team. Dann könnte nämlich die Steirerin Katharina Tanzer (bis 48 Kilo) in die Europa-Quotenplätze rutschen und Österreich in Paris auch im Mixed-Bewerb an den Start gehen. Übrigens sind am letzten Tag der Einzelbewerbe in Abu Dhabi auch Maria Höllwart (ESV Sanjindo / über 78 kg), Laurin Böhler (LZ Hohenems / bis 100 kg) und Faschings Klubkollege Movli Borchashvilli (Allianz Kukla Galaxy Tigers / über 100 Kilo) im Einsatz. Freitag geht es noch im Mixed-Bewerb gegen die starken Koreaner.

Zurück zu Fasching: In der Bundesliga hat er heuer in drei Runden schon zweimal verloren, aber in Abu Dhabi präsentierte sich Bernd in Top-Form! Nach drei Siegen, darunter gegen die Nummer 4 der Welt (Guilhermo Schimidt aus Brasilien) und zwei Niederlagen Platz sieben. Und, wie ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch anmerkte: „Da wäre sogar noch mehr drin gewesen!“ Auf der Tribüne feuerten ihn seine Teamkollegen und Sportdirektor Markus Moser (schon ohne Stimme) an, und selbst sein Klubtrainer war ins Emirat gekommen, coachte ihn auch von der Tribüne aus. „Bernd ist für mich eine neue Motivation“, sagt sein 62-jähriger Trainer, der schon mehrmals das Handtuch werfen wollte. „Ich will ihn zu den Spielen 2028 bringen, dann schließt sich 44 Jahre nach meinem Olympia-Auftritt in Los Angeles der Kreis“, sagt Haasmann. Das wäre auch für Fasching der Traum – aber bis 81 oder 90 Kilo? „Dieses Mal hatte ich keine Probleme beim Gewicht machen – die Punkte in der 81er sind schon was wert“, lacht Bernd, der einem möglichen Viertelfinalsieg nachtrauert. „Gegen den Georgier hätte ich eigentlich gewinnen müssen. Danach in der Trostrunde hatte ich keine Chance mehr, die Pause zwischen den Kämpfen war zu kurz und ich hatte in den Fingern keine Kraft mehr zum Zugreifen!“ In seinem ersten Jahr im A-Kader schon Fünfter beim Grand Prix in Linz und Siebenter bei der WM – eine tolle Bilanz. „Ja, ich hätte es selbst nicht erwartet, dass es so schnell und gut geht. Aber ich muss am Boden bleiben und weiter hart an mir arbeiten“, ist sich der Wiener bewusst. Hart arbeitet er übrigens schon seit sechs Jahren im ÖLSZ Südstadt unter Toni Summer, der auch Vizepräsident im Wiener Verband ist und den Werdegang seines Schützlings wesentlich mitgestaltet hat. „Ohne zweimal tägliches Training wäre ein solcher Erfolg nicht möglich“, weiß der Olympiastarter von Barcelona 1992.

Fasching wow, der Rest leider eher mau – bei Polleres merkte man schon im ersten Kampf – nach einem Freilos – gegen Hilde Jager (NED), dass sie nicht ihren besten Tag haben würde. Ohne Wertung ging es in den Golden Score, dort wurde zunächst ein für die Niederösterreicherin gegebenes Waza-ari zurückgenommen, nach zweieinhalb Minuten der Overtime aber dann doch die Entscheidung zugunsten der Wimpassingerin. Alle rechneten mit einer Neuauflage des letztjährigen Semifinalduells mit der Deutschen Giovanna Scoccimarro, das Michi damals in Doha verloren hatte. Doch, erstens kommt es anders und zweitens. als man denkt – denn Scoccimarro schied gegen die bisher bei Großereignissen noch medaillenlose Belgierin Gabriella Willems aus, die dann auch Polleres mit einem Waza-ari für einen Beinfeger (De-ashi-barai) stoppte. Somit wir wieder bei der letzten Hoffnung Fara sind – die Daumen tun schon weh vor lauter Drücken …

Die drei Titel des vierten Wettkampftages gingen bei den Frauen bis 70 Kilo an Margaux Pinot, die gegen ihre französische Landsfrau Marie Eve Gahie (Weltmeisterin 2019) ihr erstes WM-Gold holte, und an die Deutsche Anna Marie Wagner bis 78 Kilo, die ihren zweiten WM-Titel nach Budapest 2021 feiern durfte. Auch bei den Männern gab es, der Tradition dieser WM entsprechend, einen neuen Weltmeister und das zweite Gold für Japan: Goki Tajima gewann die Klasse bis 90 Kilo, übrigens auch gegen einen Ex-Weltmeister: Nemanja Majdov aus Serbien. Vor dem Schlusstag der Einzelbewerbe ergibt sich (nach 11 Kategorien) folgender Medaillenstand: Japan (2/2/3) vor Georgien (2/0/1) und Italien (1/2/0). Kirgistan machte bei den Männern bis 90 Kilo mit Bronze die erste Medaille in der WM-Geschichte. Österreich ist (dank Platz 7 für Fasching) in der Nationenwertung (107 telnehmende Länder) nun auf Platz 33 zu finden.

Foto: Bernd FASCHING (blau) in der Trostrunde gegen den Usbeken Bolzabojew - @IJF / Tamara Kulumbegashvili

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