Ersatz Bernd WM-Siebenter

Kein (Faschings-)Scherz, sondern Realität – der Wiener Bernd Fasching, eigentlich nur als Ersatz für Shamil Borchasvhvili bis 81 Kilo für die WM in Abu Dhabi nominiert, wurde am Dienstag WM-Siebenter! Der 20-Jährige feierte drei Siege und war der einzige rot-weiß-rote Lichtblick des dritten WM-Tages. Im Viertelfinale und in der Trostrunde war der Erfolgsrun aber zu Ende. Schließlich war Platz 7 für den jungen Judoka bei seinem WM-Debüt im Einzel aber ein Riesenerfolg! Alle anderen ÖJV-Judoka schieden leider aus.

Der „Mister Bundesliga“ des Vorjahres feierte zunächst drei Siege – über Valentin Houinato (BEN / Ippon], Georgi Gramatikov (BUL) und gegen den starken, als Nummer 3 gesetzten Brasilianer (Vierter im IJF-Ranking) Guilherme Schimidt (jeweils mit zwei Waza-ari) – damit erreichte er das Viertelfinale. Dort musste sich der Fünfte der Unter-23-EM 2023 aber Dimitri Gochilaidze (GEO) und in der Trostrunde dem Usbeken Sharofiddin Boltabojew jeweils mit Waza-ari beugen. „Ich kann zufrieden sein – das ist meine erste Platzierung in der Allgemeinen Klasse, und gleich bei der WM“, freute sich der Galaxy-Judoka galaktisch. Auch sein Klubtrainer Thomas Haasmann feuerte von der Tribüne aus seinen Schützling, wie die gesamte Mannschaft, an. „Sensationell, er ist ja erst 20“, meinte der sichtlich gezeichnete Coach nachher. Es ist übrigens die erste WM-Platzierung für einen Galaxy-Judoka seit elf Jahren, seit Rang 7 für Marcel Ott 2013 in Rio.

Für die anderen ÖJV-Starter am Dienstag lief es leider nicht nach Wunsch. Bis 63 Kilo verlor Lubjana Piovesana (LZ Hohenems) ihren Auftaktkampf gegen Jisu Kim (KOR) mit Ippon und schied ebenso aus wie die Wienerin Magdalena Krssakova (JC Sirvan), die nach einem Ippon-Sieg über Caroline Delgado Frances von den Kapverden in Runde 2 der Portugiesin Barbara Timo ebenso vorzeitig unterlag. Bis 81 Kilo gelang Shamils Bruder Wachid Borchashvili (LZ Multikraft Wels) zunächst ein Ippon-Sieg über Pawel Dryzmal (CZE), danach aber war gegen den starken Türken Vedar Albayrak, mit dem auch sein Bruder stets zu kämpfen hat, Endstation – die „rote Karte“ nach dem dritten Shido beendete alle Medaillenträume von Wachid und dem ÖJV-Team. Das nun auf Michaela Polleres am Mittwoch (bis 70 kg) hoffen muss – die Wimpassingerin hat aber alles andere als ein leichtes Los. Sollte sie die erste Runde überstehen, würde in der zweiten wohl mit Giovanna Scoccimarro (GER) die Vize-Weltmeisterin warten. Aber Michi hat schon andere Kaliber bezwungen …

Indes ging auch am dritten Tag das Favoritensterben weiter. Zwar erreichte bei den Männern bis 81 Kilo Titelverteidiger Tato Grigalashvili (GEO) das Finale, dafür aber purzelten die Ex-Weltmeister Sagi Muki (ISR) und Matthias Casse (BEL) aus dem Goldrennen. Bis 63 Kilo der Frauen musste sich die französische Olympiasiegerin und sechsfache Weltmeisterin Clarisse Agbegnenou im Viertelfinale der Kanadierin Catherine Beauchemin-Pinard mit Waza-ari geschlagen geben und gewann letztlich „nur“ Bronze. Aber auch die Bezwingerin der französischen Jung-Mama erreichte nicht den Endkampf, wurde gar nur Fünfte. Also wieder eine neue Weltmeisterin – wie in allen Gewichtsklassen an den beiden ersten Tagen! Diese WM ist eine der Gold-Premieren – Giorgi Shardalashvili (GEO / bis 60 Kilo) ist mit 20 Jahren (wie Fasching!) der jüngste, und mit Hidayat Heydarov (AZE / bis 73 Kilo) holte einer den Titel, der erst vor wenigen Wochen in Zagreb seinen vierten Europameistertitel einheimste. Drei Titelverteidiger der WM 2023 in Doha mussten den Judogi mit der roten Schrift des regierenden Weltmeisters wieder ausziehen. Francisco Garrigos (ESP) verlor in der ersten Runde bis 60 Kilo, Nils Stump (SUI) war bis 73 Kilo aber auch mit Bronze sehr zufrieden, und die Kanadierin Christa Deguchi verlor das Finale bis 57 Kilo. Und den drei anderen Kategorien fehlten die absoluten (japanischen) Superstars: Naohisa Takato (bis 60 Kilo) sowie die Gold-Sisters Uta (bis 52 Kilo) und Hifumi Abe (bis 66). Da waren neue Weltmeister ja quasi zwangsläufig. Einer dieser Premieren-Champions kämpfte auch schon in Österreichs Bundesliga: Heydarov krönte sich nach vier EM-Titeln in der Mubadala-Arena selbst, ist jetzt auch ein heißer Kandidat auf Olympia-Gold in Paris.

Auch ein Österreicher hat da seinen Anteil: Taro Netzer, ehemaliger ÖJV-Sportdirektor, ist Analyst für den aserbaidschanischen Judoverband, jubelte mit Heydarov, der nach seinem Triumph bitterlich weinte. „Er hat sich das schwer erarbeitet, aber auch redlich verdient“, freute sich Taro mit seinem Schützling. Netzer ist ja auch in anderen Bereichen sportwissenschaftlich aktiv. So kam er praktisch direkt von einer UEFA-Schulung der EM-Schiedsrichter nach Abu Dhabi. „Ich war heuer nach zwölf Jahren erstmals wieder bei einer Judo-EM“, erzählt der 51-jährige Tiroler. Dass Österreicher:innen im internationalen Judo eine derartige Bedeutung haben, mache ihn stolz. So ist ja auch Sabrina Filzmoser in Abu Dhabi – die zweifache WM-Dritte (2005 und 2010) ist Athleten-Vertreterin in der IJF-Exekutive. Und genießt auch nach ihrer aktiven Karriere großes Ansehen der Judo-Familie. Selbst die prominentesten Japaner verbeugen sich höflich vor der bald 44-jährigen Welserin …

Zurück zum dritten WM-Tag, übrigens wieder (wie der erste) ohne japanische Finalbeteiligung: Die neue Weltmeisterin bis 63 Kilo heißt Joanne van Lieshout – die Niederländerin, die heuer auch das Grand Prix-Turnier in Linz für sich entscheiden konnte, gewann im Finale gegen Angelika Szymanska (POL) mit Waza-ari für einen Konter. Nach zwei Junioren-WM-Titeln nun der erste in der Allgemeinen Klasse für die 21-jährige Holländerin. Bei den Männern bis 81 Kilo lieferten einander Grigalashvili und Überraschungsmann Timur Arbuzov (AIN) ein spannendes, ausgeglichenes Finale, das der Georgier wenige Sekunden vor dem Ende mit Waza-ari für Ura-Nage gewann. Der erste erfolgreiche Titelverteidiger im achten Finale dieser WM! Und Grigalashvili ist damit der erste Georgier, der dreimal Judo-Weltmeister wurde. Daraus ergibt sich folgender Medaillenstand nach drei Tagen: Georgien (2/0/1) vor Japan (1/2/2) und Italien (1/1/0). In der Nationenwertung, in der auch fünfte und siebente Plätzte zählen, scheint Österreich unter 107 teilnehmenden Ländern dank Fasching auf dem 26. Platz auf.

Am Mittwoch beginnen die Vorrunden um 9 Uhr, der Finalblock startet, wie immer, um 16 Uhr (MESZ).

Foto oben: Bernd FASCHING obenauf - das war der Debütant bei der WM dreimal - am Ende Rang 7 - @Judo Austria / GEPA-Pictures
ÖJV-Fans beim der JUdo-WM 2024 in Abu Dhabi
So feuerten die Teamkollegen samt Sportdirektor Markus MOSER (im Vordergrund) Bernd FASCHING an – @joe

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