Karunas Tausendsassa

Der bevorstehende Grand Prix in Linz (6. bis 8. März) ist zwar Österreichs bedeutendstes Judo-Event, aber das Preisgeld-Turnier der SU Karuna Wien am kommenden Wochenende das mit 1087 Startern aus 165 Vereinen und 19 Ländern das bestbesetzte – über tausend auf der Matte, und ein Tausendsassa daneben! Henrik Schwam ist der Organisator und erzählt, wie es dazu kam. Übrigens wird mit diesem Turnier die renovierte Kurt Kucera-Halle in Wien-Favoriten wiedereröffnet.

Das Turnier hatte es schon in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends sechsmal gegeben. 2023 in Ostrava wurde Karuna-Obmann Schwam inspiriert, es wiederzubeleben. So fanden 2024 und 2025 schon zwei weitere Ausgaben statt, heuer ist es das neunte Turnier, bei dem es übrigens Preisgeld für die erfolgreichsten Vereine gibt. Gekämpft wird in vier Altersgruppen – Samstag die Unter 18 und Unter 21, Sonntag die Unter 16 und Unter 14. Mehr als 1000 Judoka auf fünf bzw. sechs Matten gleichzeitig. „Zeltweg hat zwar noch mehr Starter, aber auch sieben Altersklassen – wir nur vier“, sagt Schwam, der in der Organisation von ÖJV-Generalsekretärin Corina Korner unterstützt wird. „Corina ist ein Schatz“, freut sich Henrik über die Mithilfe der mit der Grand Prix-Vorbereitung für Linz ohnedies schon gestressten Obfrau von Vienna Samurai.

Mittlerweile ist das eigentlich private Vereinsturnier international so begehrt, dass Schwam vorige Woche die Nennung beenden musste. Angesagt haben sich neben den heimischen Talenten in den vier Altersgruppen auch die ungarische Unter-14- und Unter-16-Nationalmannschaft, das Schweizer Nachwuchs-Nationalteam mit Cheftrainer Bruno Tsafack, der bayerische, Landeskader, und viele mehr. Immerhin zwei IJF-A- und sechs IJF-B-Kampfrichter werden, neben anderen, für die Einhaltung der Regeln sorgen – und auch hier kann und wird sich Korner einbringen. Schwam: „Ich bin Corina dankbar, dass sie sich um die Referees kümmert.“

Die Sport-Union Karuna – ein vor allem im Nachwuchsbereich sehr erfolgreicher Wiener Verein. Mit Aushängeschild Yann Ornik, der erst kürzlich in Linz österreichischer Unter-23-Meister bis 60 Kilo wurde und in zwei Wochen beim Grand Prix ebenda seine erste große internationale Erfahrung sammeln darf. Er wird auch beim Karuna-Turnier auf die Tatami steigen, hingegen muss Vardges Ghazaryan noch zuschauen. Der mittlerweile aus der Unter-18 herausgefallene Schwergewichtler trainiert zwar schon, spürt aber noch zuweilen seine Schulter, die er sich vor anderthalb Jahren bei der Kadetten-WM in Lima schwer verletzt hatte. Schwam: „Ein Antreten schon jetzt wäre zu früh. So eine Verletzung muss gut auskuriert sein.“

Worte eines Tausendsassas … warum, Henrik, tust du dir so ein Turnier an? „Weil es sonst keiner macht – und Österreich braucht etwas Gutes für seinen Judo-Nachwuchs!“ Seine Tage vor, während und nach dem Turnier (es gibt noch ein Trainingslager bis Dienstag) sind vollgespickt mit diesem Ereignis. „Gestern war´s halb zwei, vorgestern drei in der Nacht, dass ich ins Bett kam.“ Sozusagen, „1000 und eine Nacht“ …. Ja, solche Judo-Narren braucht das Land. Die Judoka werden es ihm auf der Matte mit ihren Leistungen danken – die übrigens von allen Judo-Fans auch im Live-Stream bewundert werden können …

Foto: Yann ORNIK (blauer Judogi) ist das Karuna-Aushängeschild - auch Österreichs Unter-23-Meister startet in Wien - @Judo Austria / Oliver Sellner

Ähnliche Beiträge

  • Tokio 1964: Platz 6 bei der Olympia-Premiere

    In einer Woche werden mit einem Jahr Verspätung die pandemiegeplagten Olympischen Spiele 2020 in Tokio eröffnet, schon tags darauf beginnen im Nippon Budokan die Judobewerbe. Mit sechs ÖJV-Judoka, die allesamt ein Ziel haben: eine Medaille! Es wäre die erste seit Silber 2008 in Peking durch Ludwig Paischer. Und nach zweimal Gold für Peter Seisenbacher (1984…

  • Wir gratulieren zum 80-er

    Heute feiert unser langjähriger Präsident und heutiger Ehrenpräsident Ernst Raser seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren ihm dazu recht herzlich und wünschen ihm weiterhin viel Gesundheit und Erfolg. Ernst Raser war 11 Jahre Präsident des Landesverbandes und gilt als „Vater des Damen-Judo-Wunders„. Von 1973 bis 1991 war er Nationaltrainer des Damen-Teams und von 1973 bis 1976…

  • Um Nachwuchs-Titel – Neue Judo App

    Die erste österreichweite Meisterschaft im Jahr 2021 findet am kommenden Wochenende in Oberwart statt. Am Samstag messen sich die Unter-18-Jährigen, am Sonntag die Unter 21-Judoka. Und im Rahmen der Titelkämpfe wird erstmals die neue Judo App zur Anwendung kommen, die für Judoka, Funktionäre und Vereine erhebliche Erleichterungen mit sich bringen wird. Zum Sportlichen: In der…

  • Ein Leckerbissen zur frühen Morgenstund´

    An diesem Wochenende gibt es einen echten Judo-Leckerbissen im Internet – die „All Japan National Judo Championships“ werden auch hierzulande im Livestream (auf Youtube) zu sehen sein. Zwar sind Super-Asse wie die Abe-Geschwister oder Shohei Ono nicht dabei, aber unter den rund 250 genannten Judoka sind absolute Kapazunder. Sicher auch interessant für die Wiener Judo-Familie…

  • Verliebt in Wien

    Vor 50 Jahren hat er sich in der Wiener Stadthalle als erster Franzose überhaupt zum Judo-Weltmeister gekürt – Jean-Luc Rouge, mittlerweile 76 Jahre jung, erinnert sich gern an Österreich. Mehr noch! „Ich bin verliebt in diese Stadt“, sagt der 1,90 Meter große spätere IJF-Funktionär. „Weil ich in Wien sogar dreimal Weltmeister wurde!“ Darüber und über…

  • Judo, ein Jungbrunnen

    Andere Leute würden in seinem Alter längst im Schaukelstuhl sitzen und ihren Ruhestand genießen. Nicht so Ing. Heinz Huber, der noch mit 80 Jahren aktiv auf der Matte steht und Kinder und Jugendliche unterrichtet. In Wien ist er kein Unbekannter, er ist bei den meisten Veranstaltungen des Landesverbandes dabei und viele heutige Judoka waren seine…