Die Gegnerinnen nur „runterknechten“

Im vierten Teil unserer Serie „Unser Team für Tokio“ stellen wir heute Bernadette Graf vor. Eine waschechte Tirolerin, wie schon der Titel beweist. Eine erfolgreiche noch dazu. Immerhin stand sie schon viermal (und zusätzlich einmal im Mixed-Bewerb) als Dritte auf einem EM-Podest, war bei Olympia 2016 in Rio im „kleinen Finale“ um Bronze, das sie gegen die Britin Sally Conway knapp verlor. Und sie ist – neben Sabrina Filzmoser – die einzige im sechsköpfigen ÖJV-Aufgebt, die schon Olympia-Luft geschnuppert hat. Nach Platz 5 in Rio will sie in Tokio ihre erste olympische Medaille. Wie das gelingen soll: „Die Gegnerinnen runterknechten“ …

Unser Team für Tokio – heute: Bernadette GRAF

Bernadette Graf ist eine erfahrene Judokämpferin. Nach dreimal EM-Bronze in Serie (2013 bis 2015) in der Klasse bis 70 Kilo musste sie eine Kategorie höher gehen. „Es war nicht mehr möglich, die 70 Kilo auf die Waage zu bringen“, sagt die noch 28-Jährige, die am kommenden Freitag 29 wird. Die Juniorinnen-Weltmeisterin von 2011 musste ihre Technik umstellen. „Bis 78 Kilo sind die Gegnerinnen größer. Du musst sie einfach runterknechten.“ Der Wechsel wurde nach Olympia 2016 (da war sie noch Zweite bis 70 Kilo beim Masters) bis 2017 (gleich mit einem Sieg bis 78 Kilo beim Grand Prix in Hohhot) vollzogen. Sie hat sich gut eingelebt in der neuen Klasse, aber nach dem Grand Slam im Februar 2020 in Düsseldorf (Rang 7) kamen die Probleme. Langwierige Knieverletzung, dazu eine Corona-Erkrankung, Verzicht auf die EM in Prag im vergangenen November und heuer im Jänner auf das Masters in Doha, Comeback Ende März mit Rang 5 beim Grand Slam in Tiflis und drei Wochen später in Lissabon ihr viertes EM-Bronze. Die „Gräfin“ ist wieder da!

Klar, dass „Bernie“ nach einem fünften Olympia-Platz jetzt in Tokio aufs Podest will. „Eine Medaille ist immer das Ziel“, sagt sie. Wissend, dass vieles auch von Tagesform und Auslosung abhängig ist. Die Enttäuschung vom frühen Aus bei der WM in Budapest ist schon verflogen. „Abhaken und nach vorne schauen.“ Jetzt gilt es, sich auf Tokio vorzubereiten. Tirol wird sie nur wenige Tage sehen – denn zumeist befindet sich Bernadette im Leistungszentrum Linz und bei den Olympia-Vorbereitungen in der Slowakei und Kroatien. Um dann in Japan am besten alle ihre Gegnerinnen „oafach runterknechten“ …

Bernadette Graf (JZ Innsbruck/Tirol/bis 78 Kilo, 28 Jahre (25.06.1992), im Spitzensport-Kader der Polizei, Weltranglisten-Platzierung: 17 (3.578), 2. Olympia-Teilnahme (Fünfte in Rio 2016), 8 WM-Teilnahmen, WM-Fünfte Astana/KAZ 2015, 5 x EM-Bronze (davon 1 x im Team, zuletzt in Lissabon/POR 2021), 1-fache Grand-Slam-Siegerin (Moskau/RUS 2013), 5 Grand-Prix-Siege, aktuelle Ergebnisse: 3. EM Lissabon/POR 2021, 5. Grand-Slam Tiflis/GEO 2021, 7. Grand-Slam Düsseldorf/GER 2020.

Foto oben: Bernadette GRAF mit ihrer EM-Bronzemedaille 2021 - @Judo Austria / Oliver Sellner

Ähnliche Beiträge

  • „Roland hat Chancen“

    Von 28. August bis 8. September wird Paris wieder olympisch – die Paralympics stehen an, auch im Judo. Leider ohne österreichische Judoka, aber mit einem rot-weiß-roten Kampfrichter. Roland Poiger wird in der Champ-de-Mars-Arena von 5. bis 7. September im Einsatz sein. Der Burgenländer hat noch ein Ziel: die „echten“ Olympischen Spiele in vier Jahren in…

  • Sabsi: „Ich denke nicht nach, wie alt ich bin“

    Am Freitag vollendet Sabrina FILZMOSER ihr 40. Lebensjahr. Seit 18 Jahren ist die Welserin im Weltjudo aktiv und erfolgreich. Olympia, jetzt 2021 in Tokio, ist noch ein erstrebenswertes Ziel. Wir stellen „Sabsi“ in unserer Serie „Menschen im Judo“ aus Anlass ihres runden Geburtstags näher vor. Menschen im Judo – Sabrina FILZMOSER Was haben Otto Schenk…

  • Faras wichtigster Sieg

    Nachdem er bis 100 Kilo den Italiener Gennaro Pirelli mit seinem gefürchteten Ausheber auf die Matte gedonnert hatte, strahlte er übers ganze Gesicht, obwohl er seinen nächsten Kampf bei der WM in Abu Dhabi verlor – aber mit diesem Erfolg über den Grand Slam-Sieger von Duschanbe 2024 war seine eigene Olympia-Qualifikation und die anderer fix….

  • Step by step zum Ziel

    „Ich bin einfach nur stolz!“ Das waren die ersten Worte von Stephan Hegyi nach seinem dritten Platz in der Klasse über 100 Kilo beim Grand Prix in Zagreb. Exakt nach 1.366 Tagen und seiner langen Verletzungspause stand der Wiener vom SC Hakoah wieder auf einem Podest auf der IJF-World Tour. „Wir sind auf dem richtigen…

  • Der „falsche Vili“?

    Im Teil 5 der Serie „Unsere 6 in Paris“ geht es um ein Kuriosum. Denn Wachid Borchashvili, der 25-jährige Judoka aus Wels, vertritt Österreich bei den Olympischen Spielen bis 81 Kilo, obwohl sein Bruder Shamil in dieser Kategorie weit besser klassiert ist. Aber nachdem der „Familienrat“ beschlossen hatte, dass Wachid in Paris auf die Matte…

  • WAT Stadlau: Stefan Moser Cheftrainer

    Der traditionsreiche Wiener Judoklub WAT Stadlau hat einen neuen Cheftrainer – Stefan Moser (Bild) tritt die Nachfolge von Martin Grafl an, der seit Beginn des Jahres 2021 – gemeinsam mit Samurai-Trainer Bernhard Weißsteiner – für den ÖJV als Unter-18-Nationaltrainer tätig ist. Der 29-jährige Moser war 2014 in Klagenfurt Staatsmeister und ist schon länger als Trainer…