„Die Corona-Pause hat mir sehr gut getan!“

Die zweite ÖJV-Dame, die bei den Olympischen Spielen in Tokio am 27. Juli auf die Matte des Budokan steigen wird, ist eine Wienerin. Magda Krssakova vom JC Sirvan, Vize-Europameisterin 2020 in der Klasse bis 63 Kilo. In der Olympia-Serie „Unser Team für Tokio“ stellen wir heute die 27-jährige, gebürtige Slowakin vor. Magda behauptet: „Die Corona-Pause hat mir sehr gut getan.“ Wir sagen: Wohl auch die Tatsache, dass im Vorjahr Kathrin Unterwurzacher, ihre interne Teamkollegin in der gleichen Gewichtsklasse, zurückgetreten ist.

Unser Team für Tokio – heute: Magda Krssakova

In Japan haben sie in praktisch jeder Gewichtsklasse zwei Judoka, die eine Olympia-Qualifikation haben. Aber nur eine(r) darf ab 24. Juli im Nippon Budokan auf die „heilige Matte“. Weil, im Gegensatz zur WM, pro Kategorie und Land nur ein Judoka antreten darf. Das hätte in einer Klasse, jener bis 63 Kilo, auch in Österreich für eine Qual der Wahl sorgen können. Denn Kathrin und Magda lagen in der Weltrangliste lange Zeit Kopf an Kopf. „Es war eine ziemlich aufreibende Zeit. Wir sind von einem zum anderen Turnier gehetzt, hatten nie wenigstens ein paar Tage Ruhe. Ich habe mich in dieser Zeit nicht okay gefühlt. Und da kam für mich die Corona-Pause gerade zur rechten Zeit“, sagt Magda. Und als ihre Team-Rivalin, mit der sie sich stets gut verstand, den Rücktritt bekannt gab, schien Magda irgendwie erleichtert und befreit.

Im November 2020 hatte Magda ihre erste Sternstunde. Mit Ausnahme der überragenden Französin Clarisse Agbegnenou, die mittlerweile fünffache Weltmeisterin ist, hat Krssakova alle ihre Gegnerinnen besiegt und holte somit in Prag mit Silber (siehe Foto) ihre erste EM-Medaille. Ein fünfter Platz beim Master in Doha im Jänner folgte, beim Grand Slam in Tel Aviv schaffte sie als Dritte den Sprung aufs Podest. Nur bei der EM 2021 in Lissabon („da war ich zu verbissen“) und vorige Woche bei der WM in Budapest klappte es nicht nach Wunsch. „In Budapest habe ich den ersten Kampf souverän gewonnen, im zweiten war ich zu vorsichtig und wurde dafür bestraft.“ Drei Shidos bedeuteten die „rote Karte“ und das frühe WM-Aus. „Dabei wäre mehr drin gewesen, war die Auslosung okay.“

Schlechte Generalprobe, aber gute (olympische) Premiere. Das würde Magda schmecken. „Ich mache jedenfalls alles dafür, das mein großes Ziel Realität wird. Und das Ziel ist eine Medaille.“ Bis zur Abreise nach Tokio wird es noch zwei Trainingslager geben, eines in ihrer ehemaligen slowakischen Heimat und eines im kroatischen Porec. „Da können wir mit Judoka aus anderen Ländern noch einmal die Form überprüfen. Wir waren ja jetzt zwei Jahre nicht zum Training in Japan. Das ist schon eine andere Vorbereitung als gewohnt.“ Auch mit ihrem Heimtrainer Amjad Karimyan wird Krssakova noch am Feinschliff für Olympia arbeiten.

Was in Tokio wirklich möglich sein wird und was nicht, erklärt Magda ganz einfach: „Judo ist so unberechenbar. Oft entscheidet eine Sekunde, eine Unachtsamkeit oder einmal das Ausnützen eines gegnerischen Fehlers. Eine Medaille wollen alle. Aber nur vier kriegen eine.“ Wer weiß, und wir gönnen es ihr, ist Magda Krssakova dabei …

Magdalena Krssakova (JC Sirvan/Wien/bis 63 Kilo/kampft am 27. Juli), 27 Jahre (03.03.1994), Sportsoldatin, Weltranglisten-Platzierung: 16 (3.485), 1. Olympia-Teilnahme, Vize-Europameisterin Prag/CZE 2020, 3-fache Grand-Prix-Siegerin (Cancun/MEX 2018, Antalya/TUR 2018, Tiflis/GEO 2017), 3. mit AUT im Mixed-Team-Bewerb der European Games Minsk/BLR 2019, aktuelle Ergebnisse:3. Grand-Slam Tel Aviv/ISR 2021, 5. Masters Doha/QAT 2021, 7. Grand-Slam Budapest/HUN 2020;

Siehe auch unser Portrait aus dem Jahre 2018!

Ähnliche Beiträge

  • Michis fünfter Knopf ging endlich auf

    Die dritte Judo-Dame, die für Österreich in Tokio um eine Medaille kämpfen wird (am 28. Jul), ist Michaela Polleres. Die 23-jährige Niederösterreicherin vom JC Wimpassing wird die einzige ÖJV-Athletin sein, die im Nippon Budokan gesetzt sein wird (als Nummer 5 in der Klasse bis 70 Kilo). Und die als WM-Fünfte von 2019 und frischgebackene WM-Dritte…

  • Menschen im Judo

    Ernst Raser „Wir wollen Nummer 1 werden“ Mit dem Beitrag über Präsident Ernst Raser starten wir heute auf www.judo-vienna.at die neue Serie „Menschen im Judo“. Es ist nach zwei Jahren Amtszeit, zur Halbzeit der Periode, eine (sportliche) Bilanz fällig, die durchaus positiv ausfällt. Lesen Sie im nachstehenden Interview mit einem der weltweit engagierten Mitbegründer des…

  • Sabsi: „Ich denke nicht nach, wie alt ich bin“

    Am Freitag vollendet Sabrina FILZMOSER ihr 40. Lebensjahr. Seit 18 Jahren ist die Welserin im Weltjudo aktiv und erfolgreich. Olympia, jetzt 2021 in Tokio, ist noch ein erstrebenswertes Ziel. Wir stellen „Sabsi“ in unserer Serie „Menschen im Judo“ aus Anlass ihres runden Geburtstags näher vor. Menschen im Judo – Sabrina FILZMOSER Was haben Otto Schenk…

  • Der Meistermacher

    Am vergangenen Wochenende hatte er Grund zum Jubeln. Gerhard Redl, der Trainer der Judoka von WAT Stadlau, hatte seine Mannschaft mit dem 11:3 über die WSG Wattens zum Titel in der 2. Bundesliga geführt. In unserer Serie „Menschen im Judo“ stellen wir heute den 50-jährigen, der heuer auch die Kampfrichter-Lizenz IJF B schaffte, vor. Menschen…

  • |

    „Es ist ein Anfang“

    Bei den letzten internationalen Turnieren ausgeschieden, und jetzt erstmals Gold bei einem European Open – es geht ja doch, Laura Kallinger! Die 23-jährige Wienerin (Judoring Wien) gewann am Sonntag in Dubrovnik die Klasse bis 57 Kilo und freute sich: „Ich habe nie an mir gezweifelt, weil ich im Training immer gut war.“ Mitentscheidend war eine…

  • | |

    Erfolgsgaranten

    Eine gute Ausbildung des Nachwuchses ist die Garantie für spätere Erfolge. Nicht nur im Judo, sondern in allen Sportarten. Im Wiener Verband sind zwei Judoka dafür verantwortlich – Lisa Aberger und (seit kurzem) Norbert Stumpf. Die in ihren Vereinen WAT Stadlau (Aberger) und Vienna Samurai (Stumpf) die Talente sichten und als Landestrainer fortbilden. Eine Erfolgsgarantie,…