Krönender Abschluss einer Super-Karriere

Am Dienstag wurde das sechsköpfige ÖJV-Aufgebot für die Olympischen Spiele der Öffentlichkeit präsentiert. Wir stellen alle sechs in den nächsten Tagen und Wochen vor und beginnen mit jener Athletin, die auch in Tokio als erste des Judo-Sextetts im Nippon Budokan auf die Matte steigen wird – Sabrina Filzmoser. Für die 41-Jährige sind es die vierten Spiele. Sie ist damit Österreichs erste Judo-Frau, die viermal Olympia-Luft schnuppern darf. Es wird wohl nicht Gold werden, vielleicht auch keine Medaille – dennoch soll Tokio für „Sabsi“ der krönende Abschluss einer großartigen Karriere werden. Wir versuchen, „Sabsi“ zu porträtieren …

Unser Team für Tokio – heute: Sabrina Filzmoser

Eigentlich könnten es schon die sechsten Sommerspiele für Sabrina Filzmoser sein. Denn 1999, bei der WM in Birmingham, verlor sie den entscheidenden Kampf um einen Quotenplatz für Sydney 2000 gegen eine Kanadierin mit vier Yuko-Wertungen gegen einen Waza-ari. Vor den Spielen 2004 war „Sabsi“ verletzt und verpasste so ihre Chance. Im Jahr 2008, in dem die Welserin in Lissabon ihren ersten von zwei EM-Titeln holte, verlor sie in Peking in der ersten Runde. Die Fotos mit ihren Tränen gingen durch die Gazetten. 2012 in London war „Sabsi“ zwar als Siebente platziert, aber sie wollte freilich entschieden mehr. 2016 in Rio blieb sie wieder unplatziert. Jetzt ist Filzmoser schon 41 Jahre, verlor durch die Verschiebung der Spiele ein Jahr, aber das ist ihr egal. „Ich fühle mich genauso gut wie im letzten Jahr.“ Und deshalb träumt sie nach wie vor von Edelmetall.

Aber gerade in diesem letzten Jahr tat sich doch einiges. Ende August, im „Comeback-Länderkampf“ gegen Deutschland in Wien, zog sich Filzmoser einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu, den sie aber nicht operieren ließ. Im Winter wurde sie dann am Knie operiert, aber nicht am Kreuzband, sondern wegen einer anderen Verletzung. Mit ein Grund, warum Sabrina in der Qualifikationsliste, in der sie vor der Verschiebung der Spiele schon einen sicheren Platz hatte, gefährlich abrutschte. Seit ihrem dritten Platz beim Grand Prix in Budapest im Juli 2019, der sie zur ältesten Medaillengewinnerin auf der World Tour machte, gab es keinen internationalen Podestplatz mehr. Vorige Woche, vier Tage vor ihrem 41. Geburtstag, schied sie bei der WM in Budapest in der Klasse bis 57 Kilo gleich in ihrem ersten Kampf aus. Dennoch glaubt auch ÖJV-Headcoach Yvonne Bönisch an ihre einstige Rivalin. „Sie hat so viel Erfahrung. Und sie tut alles dafür, um in Tokio bei einer guten Auslosung noch einmal zeigen zu können, was sie drauf hat.“ Es soll ein krönender Abschluss einer Wahnsinns-Karriere werden.

„Sabsi“ blickt aber schon in die Zukunft. Ohne Powertraining, ohne Gewicht machen, ohne Wettkampfstress. Aber auch mit Judo. Denn vorige Woche in Budapest wurde sie zur Vorsitzenden der Athletinnen-Kommission gewählt und hat damit einen Sitz in der Exekutive des Judo-Weltverbandes. „Das ist eine große Auszeichnung für mich. Ich bin ja schon vier Jahre in dieser Kommission, in der Olympiasieger und Weltmeister für die Anliegen der Judoka kämpfen. Aber den Vorsitz zu bekommen, ist das Tupferl auf dem i.“ Ja, was wird sie nach ihrer Karriere machen? Sie hat so viel vor – Pilotin, ihr Entwicklungsprojekt in Nepal, vielleicht den nächsten Achttausender erklimmen, und vieles mehr. Und alle, die „Sabsi“ kennen, wünschen ihr, neben Gesundheit, nur eines: Dass sie an dem, was sie anpackt und macht, den gleichen Spaß hat wie über zwei Jahrzehnte mit Judo auf der Matte …

Sabrina Filzmoser (LZ Multikraft Wels/Oberösterreich/Klasse bis 57 Kilo/kämpft am 26. Juli), 41 Jahre (12.06.1980), im Spitzensport-Kader der Polizei, Weltranglisten-Position: 31 (1.985 Punkte – mit Europa-Quotenplatz qualifiziert), 4. Olympia-Teilnahme  (7. in London 2012, in Peking 2008 und Rio 2016 unplatziert), 12 WM-Teilnahmen, WM-Dritte Tokio/JPN 2010 und Kairo/EGY 2005, Europameisterin Istanbul/TUR 2011 und Lissabon/POR 2008, dazu zweimal EM-Silber und 5-mal EM-Bronze, 2-fache Grand-Slam-Siegerin (Baku/AZE 2014, Moskau/RUS 2010), insgesamt 4/4/13 auf der World Tour, 6-mal Militär-Weltmeisterin, aktuelles Ergebnis: 7. Grand-Slam Antalya/TUR 2021.

Foto oben: Sabrina FILZMOSER mit ÖJV-Headcoach Yvonne BÖNISCH, vor über 15 Jahren Gegnerin von "Sabsi" in der Klasse bis 57 Kilo. - @privat

Ähnliche Beiträge

  • Legende Willi Suck feiert seinen 80er

    Statistisch, urkundlich ist er es schon seit 22. Juli – aber erst, wenn man einen solchen Anlass gebührend feiert, ist es gewissermaßen auch amtlich. Willi Suck, eine Legende des Wiener Judosports, ist 80 Jahre! An diesem Wochenende lud der rüstige Judoka Freunde zum Anstoßen ein. Darunter Ehrenpräsident KR Ernst Graft (im Bild oben links) und…

  • WAT Stadlau: Stefan Moser Cheftrainer

    Der traditionsreiche Wiener Judoklub WAT Stadlau hat einen neuen Cheftrainer – Stefan Moser (Bild) tritt die Nachfolge von Martin Grafl an, der seit Beginn des Jahres 2021 – gemeinsam mit Samurai-Trainer Bernhard Weißsteiner – für den ÖJV als Unter-18-Nationaltrainer tätig ist. Der 29-jährige Moser war 2014 in Klagenfurt Staatsmeister und ist schon länger als Trainer…

  • 10 Jahre! Claudia – die Unvergessene

    Am Mittwoch (31. März) jährt sich zum zehnten Mal jener Tag, an dem Österreichs erste Frau, die ein olympisches Judo-Finale erreicht hatte, für immer von uns ging. Claudia Heill – die Unvergessene. Wir haben Claudias Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nummer 71) besucht, ein Kerzlein angezündet und wollen heute der erfolgreichen Sportlerin, die nur…

  • Faras wichtigster Sieg

    Nachdem er bis 100 Kilo den Italiener Gennaro Pirelli mit seinem gefürchteten Ausheber auf die Matte gedonnert hatte, strahlte er übers ganze Gesicht, obwohl er seinen nächsten Kampf bei der WM in Abu Dhabi verlor – aber mit diesem Erfolg über den Grand Slam-Sieger von Duschanbe 2024 war seine eigene Olympia-Qualifikation und die anderer fix….

  • Menschen im Judo – heute: Marko Bubanja

    Mit seinem zweiten Turniersieg bei einem European Open nach Warschau 2019 meldete sich der Wiener Judoka Marko Bubanja (Foto: ÖJV/Roland Marx) mit Gold bis 90 Kilo am Sonntag in Oberwart international zurück. Jetzt will der gebürtige Montenegriner einen „Last Minute-Angriff“ auf Olympia starten. „Die Flamme ist neu entfacht“, meint „Bubi“. Anlass genug, dass wir uns…