Eine emotionelle Judo-EM für „Sabsi“

Vor 13 Jahren holte sie in Lissabon, wohin es Mittwoch wieder zur EM geht, ihren ersten EM-Titel, vor zehn Jahren den zweiten, und Freitag könnte sie zum letzten Mal auf eine EM-Matte steigen – diese Europameisterschaft 2021 wird für Österreichs langjähriges Judo-Aushängeschild Sabrina Filzmoser eine wohl sehr emotionelle. „Ja, jeder spricht mich darauf an. Aber ich muss das ausblenden, sonst vergesse ich noch aufs Kämpfen“, sagt die 40-jährige Welserin, die um ihr Olympia-Ticket für Tokio noch bangen muss.

Zwar hatte es schon mehrmals, in den 80er Jahren, bei einer EM mehr als eine Goldene für Österreich gegeben, aber seit der Zusammenlegung von Frauen und Männern bei einer EM noch nie – 2008 in Lissabon war es dann soweit. Ludwig Paischer (bis 60 Kilo) war der erste („ich habe heute mit ihm telefoniert“), nur 55 Minuten später „Sabsi“, wie Filzmoser allseits genannt wird, mit einem Finalsieg über die Spanierin Isabel Fernandez die zweite. Im wahrsten Sinn des Wortes eine Sternstunde „für den gesamten österreichischen Sport, nicht nur für Judo“, sagt Filzmoser, die vor der Abreise nach Lissabon viel um die Ohren hat. „Mein körperlicher Zustand hat sich in den letzten Wochen und Monaten stark verbessert, ich bin jetzt wieder völlig schmerzfrei.“ Zur Erinnerung: Im August des letzten Jahres hatte sich „Sabsi“ im Länderkampf gegen Deutschland das Kreuzband gerissen, ließ sich (vorerst) nicht operieren und war schon wenige Wochen nach dem Missgeschick wieder auf der World Tour. Dennoch, und weil zählbare Erfolge leider ausblieben, es „nur“ einen 7. Platz zuletzt beim Grand Slam in Antalya gab („aber die Leistung, WIE ich gekämpft habe, gibt mir Zuversicht“), wackelt ihr Olympia-Ticket. „Ich schau mir die Rangliste nicht an. Ich weiß nur, dass ich momentan in meiner Klasse nicht unter den Top 18 bin, die fix dabei sind.“ Sie ist vor der EM auf dem „nicht bereinigten“ 31. Platz, könnte es aber noch über die zusätzlichen, kontinentalen, Quotenplätze für Tokio schaffen. „Drum, eine Medaille in Lissabon ist mein Ziel und würde wohl die Olympia-Frage für mich entscheiden.“ Ja, es wäre das zehnte EM-Edelmetall (bisher 2 Gold, 2 Silber, 5 Bronze) bei ihrer 23. EM-Teilnahme. Eigentlich unfassbar.

Und dann könnte sich „Sabsi“ noch einmal mit ihrer „verhassten Liebe“ Olympia auseinandersetzen. 2000 verpasste sie ihre erste Teilnahme in Sydney, weil sie bei der WM zuvor, 1999 in Birmingham, im entscheidenden Kampf um den Quotenplatz gegen eine Kanadierin mit drei Yuko-Wertungen voran lag und noch mit Waza-ari verlor. Vor den Spielen 2004 in Athen machte ein Bandscheibenvorfall ihre Olympia-Premiere zunichte. 2008 in Peking flog sie früh raus, 2012 in London wurde sie Siebente, ehe es 2016 in Rio wieder nicht für eine Platzierung reichte. Jetzt will Filzmoser als erste österreichische Frau zum vierten Mal nach Olympia und dort noch eine Rechnung begleichen. Mit einem emotionalen Erfolg bei der EM diese Woche an jenem Ort, an dem sie ihren ersten großen Titel holte. „Ein Moment, den ich nie vergessen werde.“ Wie wir die Erfolge unserer „Sabsi“ auch nie vergessen werden …

Foto oben: Die Protagonisten der Lissaboner Sternstunde 2008 - die Europameister Ludwig PAISCHER und Sabrina FILZMOSER mit dem damaligen ÖJV-Chefcoach Udo QUELLMALZ - @privat

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