Menschen im Judo

Asimina Theodorakis

In der Serie „Menschen im Judo“ befassen wir uns heute mit Assimina Theodorakis. Die Judokämpferin von WAT Stadlau gilt als Nachwuchshoffnung im österreichischen Judo. Bei Junioren-Europacups hat sie schon drei Medaillen geholt. Sie spricht über ihre Ziele und wie schwierig es ist, in einer Randsportart erfolgreich zu sein. Das Gespräch führte ihr Stadlauer Judo-Kollege Benedikt Safer, der zur Zeit in Hallein-Rif  in einem Lehrgang der Universität Salzburg zum „Akademischen Sportjournalisten“ ausgebildet wird.

Benedikt Safer: Frau Theodorakis, Sie sind mit Top-Platzierungen aus dem Junioren Bereich (U21) zu den Erwachsenen gewechselt. Wie war der Umstieg in die neue Altersklasse?

Asimina Theodorakis: Es war und ist immer noch sehr schwierig. Bei den Juniorinnen genügt es oftmals, wenn man in einer Sache besonders gut ist (physisch oder technisch) während in der Allgemeinen Klasse ein gutes Zusammenspiel von Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und einem breiten Technik Repertoire einfach nur Voraussetzung ist, um überhaupt mitkämpfen zu können. Bei den Erwachsenen kann man sich kaum Schwächen erlauben und jeder Fehler beim Wettkampf wird durch die Gegner_in kompromisslos bestraft. Nichtsdestotrotz denke ich, dass ich mit der Zeit in die Klasse hineinwachsen werde.

Benedikt Safer: In einer Randsportart wie dem Judo ist es nicht leicht erfolgreich zu sein. Wie haben Sie es geschafft, so weit zu kommen? Welche Faktoren haben da eine wichtige Rolle für Sie gespielt?

Asimina Theodorakis: Ich glaube das Wichtigste um erfolgreich zu sein ist, zu lieben was du tust. Nur dann kannst du gut werden. Und dann harte Arbeit. Viel harte Arbeit. Und Schweiß, Tränen, Disziplin, Leidenschaft. Und natürlich das Umfeld. Meine Familie hat mich immer in jeder Form unterstützt meine Träume und Ziele zu verwirklichen. Und mein Trainer steckt sehr viel Herzblut in unsere Zusammenarbeit. Und meine Trainingspartner natürlich. Wenn ich darüber nachdenke, dann wird mir klar, dass ein großes Team hinter mir steht, welches Tag für Tag mit mir schuftet um hoffentlich irgendwann mal meine Hirngespinst als Realität bezeichnen zu können. Das ist wahnsinnig viel wert und dafür bin ich Ihnen sehr dankbar!

Benedikt Safer: 2024 finden die Olympischen Spiele in Europa statt, genauer gesagt in Paris. Ist dies ein realistisches Ziel für Sie? Wie schaut der Weg bis Paris für Sie aus?

Asimina Theodorakis: Ich denke schon, dass Paris 2024 machbar ist. Aber es ist ein sehr schwieriger Weg und viel harte Arbeit noch bis dahin. Es gibt noch so viele Baustellen, an denen ich arbeiten muss um mir diesen Traum zu verwirklichen. Das bedeutet dann für die nächsten Jahre, meine Schwächen zu schwächen und die Stärken zu stärken. Also weitere unzählige Stunden auf der Matte und in der Kraftkammer, auf diversen Trainingslagern überall auf der Welt und bei vielen Turnieren, um Erfahrungen zu sammeln.

Benedikt Safer: Sie waren im Dezember vergangenen Jahres in Japan auf Trainingslager. Wieso zieht es so viele europäische Judoka in das Mutterland des Judos? Sind die Bedingungen in Europa nicht ausreichend?

Asimina Theodorakis: Das Judo in Japan unterscheidet sich sehr von dem in Europa. Bei uns wird kraftintensives, körperbetontes und unorthodoxes Judo praktiziert, während die Japaner_innen noch mehr mit dem Prinzip “Siegen durch Nachgeben” arbeiten. Die Ausführung ihrer Bewegungen ist unglaublich präzise und kompromisslos. Ich würde nicht behaupten, dass die Bedingungen in Europa nicht ausreichend sind. Aber die Reise nach Japan lehrt uns eine neue Form des Kämpfens, des Fühlens der Gegnerinnen. Und Vielfältigkeit ist außerordentlich wichtig. Das Schöne am Judo ist jedoch, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt. Die Japaner_innen haben ihre Trainingsmethoden und sind damit erfolgreich. Wir in Europa legen andere Schwerpunkte und sind mit denen ebenso erfolgreich. Es gibt kein richtig oder falsch, nur ein funktioniert oder funktioniert nicht und das muss jede_r für sich selber herausfinden. Mein Judo wird z.B. nie der japanischen Art unterliegen, aber dennoch trägt jede Reise dorthin viel zu meiner Entwicklung bei.

Benedikt Safer: Sie sind den größten Teil des Jahres mit ihren Teamkolleginnen unterwegs. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihnen? Haben Sie ein Ritual um mal runter zu kommen wenn einem mal etwas zu viel wird?

Asimina Theodorakis: Über die Jahre erlebt man wirklich viel, wir teilen endlose gemeinsame Erinnerungen. Man wächst ein bisschen zu einer kleinen Familie zusammen. Natürlich versteht man sich nicht mit jedem super, aber man findet die Leute mit denen man harmoniert und verbringt dann logischerweise mehr Zeit mit ihnen. Ich persönlich bin ein Mensch, der viel Zeit für sich braucht, etwas was bei so vielen Reisen sehr schwierig ist. Deswegen wähle ich oft ein Einzelzimmer, wenn sich die Möglichkeit bietet oder ich geh alleine spazieren, essen oder widme mich meinen Büchern.

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