„Roland hat Chancen“

Von 28. August bis 8. September wird Paris wieder olympisch – die Paralympics stehen an, auch im Judo. Leider ohne österreichische Judoka, aber mit einem rot-weiß-roten Kampfrichter. Roland Poiger wird in der Champ-de-Mars-Arena von 5. bis 7. September im Einsatz sein. Der Burgenländer hat noch ein Ziel: die „echten“ Olympischen Spiele in vier Jahren in Los Angeles. Und der oberste IJF-Direktor für die Referees, Daniel Florin Lascau, macht Poiger Mut: „Roland ist ein Top-Mann. Er hat alle Chancen, sich für Olympia 2028 zu qualifizieren!“

40 Jahre nach Siegfried Spennlingwimmer, der 1988 sogar zum besten Referee des Olympia-Turniers von Seoul geadelt wurde, und 28 Jahre nach Manfred Häusler, der 2000 in Sydney zum Zug kam, könnte wieder ein ÖJV-Kampfrichter bei Olympischen Spielen für die Einhaltung der Regeln sorgen. Los Angeles 2028 ist auch das Ziel von Roland, dem Bruder des ÖJV-Präsidenten Martin Poiger. Der Oberwarter Gemeinde-Angestellte, der jahrelang das European Open in seiner Heimatstadt mit viel Herzblut und bestens organisiert hatte, hätte es fast schon heuer unter die Top-16-Referees geschafft, die in Paris die Kämpfe leiteten. Von diesen 16 sind acht Europäer, aber Poiger ist der neunte oder zehnte. Knapp vorbei ist auch daneben – als „Trostpflaster“ darf Roland jetzt zu den Paralympischen Spielen und wird von 5. bis 7. September in jener Halle auf die Matte steigen, in der Teddy Riner zwei Goldene holte und auch unsere Michaela Polleres mit Bronze ihre zweite Olympia-Medaille einheimste.

„Roland Poiger ist ein hervorragender Kampfrichter, er muss halt seine Chancen nützen – dann kann ich mir gut vorstellen, dass er in Los Angeles 2028 dabei sein kann“, sagt Lascau, gebürtiger und 1989 geflüchteter Rumäne, der 1991 in Barcelona für Deutschland Weltmeister wurde und jetzt der höchste IJF-Direktor der Unparteiischen ist. Der Oberwarter, der mit 46 Jahren vom Alter her nach 2028 auch noch 2032 in Brisbane schiedsen könnte, weiß: „Bis 2028 hören zwei, drei Europäer auf. Wenn meine Leistungen weiter stimmen wie bisher, dann wäre es logisch, dass ich nachrücke und unter die acht Europäer komme, die bei Olympischen Spielen Kampfrichter sein dürfen.“

Apropos Olympia: Was Poiger, der auch Präsident des Burgenländischen Landesverbandes ist, in Paris auffiel: „Im Vergleich zu Toko 2021 gab es heuer weit weniger Kämpfe, die durch Strafen entschieden wurden, und es gab auch viel weniger extrem lang dauernde Golden Score-Entscheidungen. Es wurde viel mehr wert auf Technik gelegt.“ Ob es wieder Regeländerungen geben wird? „Ich glaube, ja. Soweit ich weiß, hört sich die IJF gerade bei den nationalen Verbänden um, was denen aufgefallen ist.“

Am 2. September fliegt Roland Poiger zu den Paralympics nach Paris. Er hat schon von 2021 in Tokio diesbezügliche Erfahrung, weil es doch einen ziemlichen Unterschied macht, Kämpfe von Blinden, stark Sehbehinderten oder Tauben zu leiten. „Es ist anders, emotionaler. Ich bin gewissermaßen der Guide für die Athleten“, sagt Poiger. Kampfrichter beim Para-Judo halten sich normalerweise in der Mitte der Matte auf. Wenn der Kampf an den Mattenrand kommt, ruft er das japanische Wort „jogai“ (bedeutet „innen“), die Judoka orten dann durch den mehrmaligen Zuruf aus der Mattenmitte, wo sie sich befinden. Eine verantwortungsvolle Aufgabe für jeden Kampfrichter. „Aber die IJF-Regeln sind die gleichen“, sagt Poiger. Der übrigens der einzige ÖJV-Aktive in der Champ-de-Mars-Arena sein wird – leider hat sich kein rot-weiß-roter Judoka qualifiziert.

Foto: Roland POIGER, einer der international erfahrensten und angesehensten Kampfrichter - @Judo Austria / Oliver Sellner

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