„Herrmannator“ ist 75

Er ist, gefühlt, seit Menschengedenken im Judo. Aber er wurde am Sonntag „erst“ 75 – die Rede ist von Norbert Herrmann, dem Ehrenmitglied des Wiener Judo-Landesverbandes, dem langjährigen Nationaltrainer in der erfolgreichsten Dekade, dem 8. Dan. In unserer Serie „Menschen im Judo“ stellen wir den frischgebackenen 75er vor – den „Herrmannator“ …

Mit 14 Jahren kam der am 25. August 1949 geborene Norbert zum Judo, weil ihn ein Freund, Sohn eines Kriminalpolizisten, zum Polizei SV Wien gebracht hatte. Die Judo-Legenden Fritz Svihalek, Leopold Korner (der Senior) und Robert Jacquemond, Österreichs erster Europameister 1952, waren die ersten Trainer. Als sich Erfolge einstellten (Österreichischer Jugendmeister) und er älter wurde, holte ihn der legendäre ÖJV-Präsident Kurt Kucera zum Judoclub Manner. Dort bestritt Herrmann seine sportliche Karriere, in der aber „nur“ einmal Bronze bei Staatsmeisterschaften (am 26. Februar 1972 in Steyr) herausschaute. Warum, Norbert? „In meiner Gewichtsklasse bis 80 Kilo war Manner-Klubkollege Lutz Lischka die absolute Nummer eins – und sonst war ich leider oft verletzt.“ Deshalb verpasste der „Herrmannator“ auch die Heim-WM 1975 in der Wiener Stadthalle, waren ein fünfter EM-Platz und Bronze bei der Militär-WM (1971 in Wien) die einzige Ausbeute.

Aber Norbert wurde schon bald im Trainerbereich aktiv. 1976 wurde er von Lischka, der damals „Bundeskapitän“ war, als Bundestrainer der Männer geholt, sein Vorgänger Ernst Raser betreute dann nur noch die Frauen. Und diese Funktion übte Herrmann 13 Jahre, bis 1989, aus. Unter dem autoritären Kucera kein leichter Job, und dann kam auch noch George Kerr. War das quasi eine Degradierung oder die ideale Ergänzung? „Zweiteres“, sagt Herrmann wie aus der Pistole geschossen, „weil ich den Judoka die Technik vermittelt habe und George der ideale Coach war. Wir haben uns gegenseitig ergänzt und sind gute Freunde geworden.“ Unter der Ära mit dem Schotten fuhren Österreichs Judo-Männer die größten Erfolge ein. 1984 in Los Angeles zunächst Bronze für Josef „Pepi“ Reiter, drei Tage später Gold für Peter Seisenbacher, der seinen Triumph vier Jahre später, 1988 in Seoul, wiederholte. „Wir haben in meinen 13 Jahren als Bundestrainer bei EM, WM und Olympia insgesamt 27 Medaillen gemacht“, so Herrmann. „Und damals gab´s wohlgemerkt noch keine World Tour.“

Jetzt feierte Norbert Herrmann seinen 75er im Kreise vieler Freunde bei einer Garten-Party in Puchberg am Schneeberg. Die beiden Ehrenpräsidenten des Wiener Verbandes, Raser und Ernst Graft, waren ebenso gekommen wie zahlreiche Mitstreiter aus der „guten, alten Zeit“ – und auch Seisenbacher stattete seinem Freund einen Besuch ab. Der eine wurde zwar zweimal Olympiasieger, der andere aber ist und bleibt der „Herrmannator“ – Alles Gute, lieber Norbert, und gesund bleiben!

Foto: Auch die LV-Ehrenpräsidenten Ernst GRAFT (links) und Ernst RASER gratulierten Norbert HERRMANN (Mitte) zum 75er - @joe

Ähnliche Beiträge

  • Menschen im Judo – heute: Marko Bubanja

    Mit seinem zweiten Turniersieg bei einem European Open nach Warschau 2019 meldete sich der Wiener Judoka Marko Bubanja (Foto: ÖJV/Roland Marx) mit Gold bis 90 Kilo am Sonntag in Oberwart international zurück. Jetzt will der gebürtige Montenegriner einen „Last Minute-Angriff“ auf Olympia starten. „Die Flamme ist neu entfacht“, meint „Bubi“. Anlass genug, dass wir uns…

  • Menschen im Judo

    Ulla Haider In unserer Serie „Menschen im Judo“ stellen wir heute Ulla Haider, die Generalsekretärin des Judo-Landesverbandes Wien vor. Seit nunmehr schon 12 Jahren ist die gebürtige Niederösterreicherin im Verband tätig, bei der 60-Jahr-Feier im November im Wiener Rathaus wurde unsere „gute Fee“ verdientermaßen mit dem Ehrenring des JLV Wien ausgezeichnet. Anlass genug, Ulla Haider…

  • Ernst Raser dankt ab und sagt DANKE!

    Er ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten im österreichischen Judo der letzten 50 Jahre. Aber jetzt dankt Ernst Raser als Präsident des Landesverbandes Wien ab und sagt DANKE! Der einstige Erfolgstrainer der ÖJV-Damen, zuletzt auch Vizepräsident im ÖJV, und seit elf Jahren Chef des Wiener Verbandes, wird bei der Freitag stattfindenden Jahreshauptversammlung seine Funktion niederlegen und…

  • 40 Jahre „Goldenes Dreimäderlhaus“

    An diesem Wochenende jährt sich zum 40. Mal jenes Ereignis, das mit dreimal Gold zur erfolgreichsten Weltmeisterschaft im österreichischen Judosport wurde. Bei der ersten Damen-WM in New York eroberten die Wienerinnen Gerda Winklbauer (bis 56 Kilo) und Edith Simon (bis 66 Kilo) sowie die Steirerin Edith Hrovat (bis 52 Kilo) drei WM-Titel für Rot-Weiß-Rot. Wir…

  • Der „Mister Bundesliga“

    12 Kämpfe, 12 Siege – mit dieser makellosen Bilanz holte sich ein erst 20-jähriger Judoka den begehrten Titel „Mister Bundesliga 2023“. Bernd Fasching von den M&R Galaxy Tigers wurde beim Final Four in Gmunden vorige Woche auch gebührend dafür geehrt. Wer ist nun dieser junge Mann, der heuer auch Fünfter bei der Unter-23-EM in Potsdam…

  • Krönender Abschluss einer Super-Karriere

    Am Dienstag wurde das sechsköpfige ÖJV-Aufgebot für die Olympischen Spiele der Öffentlichkeit präsentiert. Wir stellen alle sechs in den nächsten Tagen und Wochen vor und beginnen mit jener Athletin, die auch in Tokio als erste des Judo-Sextetts im Nippon Budokan auf die Matte steigen wird – Sabrina Filzmoser. Für die 41-Jährige sind es die vierten…