Die Trauer kämpft mit

Fünfte Plätze hat sie schon – 2024 bei Olympia in Paris und auch bei der EM in Zagreb – jetzt kämpft Lubjana Piovesana am Donnerstag bei der EM in Podgorica um ihr erstes großes Edelmetall. Aber wie hat sie den tragischen Tod ihres jüngeren Bruders Luis verkraftet? „Es ist für mich total emotional“, sagt die 28-jährige Ex-Britin, die in der Klasse bis 63 Kilo als Nummer 3 gesetzt ist. Aber die Trauer kämpft mit! Am heutigen ersten EM-Tag schieden drei der vier ÖJV-Starter, darunter die Wienerin Jacqueline Springer, schon in Runde eins aus, der vierte in Runde zwei.

Anfang März ereilte „Lulu“, wie Piovesana genannt wird, die traurige Nachricht vom Ableben ihres um zwei Jahre jüngeren Bruders. „Luis war mein kleiner Bruder, ich habe ihn so geliebt“, trauert die gebürtige Britin. Erst letzte Woche Mittwoch war das Begräbnis, daher hat sie auch nicht am Intensiv-Lehrgang des EM-Teams in Linz teilgenommen. Sie kam Dienstag Abend direkt nach Podgorica und erwartet sich von dieser EM nicht viel. „Ich habe heuer erst ein Turnier bestritten, in den letzten Wochen wenig trainiert. Für mich ist diese EM eine Vorbereitung auf die WM im Juni.“ Ein emotionales Ereignis für die in Vorarlberg lebende Piovesana. Alle sprachen in der Halle „Lulu“ ihr Beileid aus, fast minütlich wurde sie dadurch wieder an das tragische Ereignis erinnert. „Sie soll einfach kämpfen und eine Ablenkung finden“, nimmt ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch jeden Druck von der für LZ Hohenems kämpfenden Judoka. Die zwar bis 63 Kilo als Nummer 3 gesetzt ist, aber mit der topgesetzten Weltmeisterin Joanne van Liesahout (NED) sowie der Olympiasiegerin und sechsfachen Weltmeisterin Clarisse Agbegnenou (FRA) zumindest zwei große Hürden in ihrer Gewichtsklasse zu bezwingen hat. Die erste heißt Kaja Kajzer, kommt aus Slowenien und hat im März den Grand Prix von Linz gewonnen. Dennoch – unverhofft kommt oft, und deshalb sollte man Piovesana im Medaillenkampf noch nicht abschreiben.

Gespannt darf man am Donnerstag auch auf Samuel Gaßner sein. Der Mühlviertler, der im März beim Upper Austria Grand Prix in Linz Fünfter bis 73 Kilo wurde und nur ganz knapp an Bronze vorbeigeschrammt war, trifft in seinem Auftaktkampf auf Maxime Gobert (FRA). Mit einer ähnlichen Form wie zuletzt ist dem 23-jährigen Oberösterreicher auch bei der EM einiges zuzutrauen. Die Wienerin Laura Kallinger (Judoring / bis 57 Kilo) trifft in Runde eins auf Kim Kovacs (HUN). Die Vorrunden beginnen am Donnerstag, wie an allen Tagen auch, um 10.30 Uhr.

Fünf Kämpfe, vier Niederlagen und nur ein Sieg – das war die rot-weiß-rote Bilanz am Mittwoch, dem ersten EM-Tag in der Sportarena Moraca. Springer musste sich Amber Gerjses (NED) nach einer Netto-Kampfzeit von 12:06 Minuten (!) mit Ippon für Uchi Mata geschlagen geben. Davor gab es keine einzige Wertung, aber für beide je zwei Shidos. Schade, denn „Jacky“ war über weite Strecken des Kampfes die aktivere und auch bessere Athletin. Bis 60 Kilo mussten Vache Adamyan (UJZ Mühlviertel – gegen Artem Lesiuk / UKR – zwei Waza-ari( und Daniel Leutgeb (LZ Multikraft Wels – gegen Jozef Tomanek / SVK – Yuko) geschlagen geben. Nur Marcus Auer (JC Premstätten / bis 66 kg) kam gegen Anthony De Angelis (LAT – Hansokumake) weiter, scheiterte aber dann am späteren Europameister Daikii Bouba (FRA / zwei Waza-ari). Damit schieden alle vier ÖJV-Athleten aus.

Die Cheftrainerin war „not amused“ mit dem ersten Wettkampftag. „Das war heute für uns absolut ernüchternd, wir hätten uns natürlich mehr Kampfsiege erwartet. Die gute Nachricht: Wir haben mit Gaßner, Piovesana am Donnerstag und Bernd Fasching am Freitag noch drei heiße Eisen im Feuer“, sagt Snir-Bönisch. Springers Heimtrainer Martin Grafl verfolgte den Kampf von Wien aus. „Heute hat noch etwas das Glück gefehlt. Auch, weil die Shidos gegen sie diskutabel waren. Aber ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt der Stadlauer. Und der Ippon? „Die Holländerin hat einen Schritt von Jacky in den Rücken top ausgenützt. Aber es war schmerzhaft, das anzusehen.“

Nicht unerwartet gewann Frankreich in den vier leichten Gewichtsklassen zweimal Gold. Neben Bouba bei den Frauen noch Shirine Boukli (bis 48 Kilo). Die weiteren Titel gingen an Georgien durch Giorgi Sardalashvili (bis 60 Kilo) und Distria Krasniqi (KOS / bis 52 Kilo). Insgesamt nehmen 414 Judoka aus 47 Nationen an dieser ungewöhnlich stark besetzten Europameisterschaft teil.

Foto: Sie will die erste große Medaille, trauert aber immer noch - Lubjana PIOVESANA (weißer Judoigi) - Foto: IJF / Gabriela Sabau

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