Superstar Uta – und?

Wer wird der absolute Superstar der olympischen Judo-Bewerbe in der Champs-de-Mars-Arena in Paris? Gibt es zum zweiten Mal nach Tokio 2021 Doppel-Olympiagold für das Geschwisterpaar Uta und Hifumi Abe? Kann sich der 35-jährige Teddy Riner in seinem „Wohnzimmer“ zum dreifachen Olympiasieger im Einzel krönen? Schafft Österreich wieder eine olympische Judo-Medaille? Wir beleuchten heute alle Gewichtsklassen der Frauen für das am Samstag beginnende Turnier.

Bis 48 kg:

Die ersten sieben im Ranking sind in Paris dabei, angeführt von der 22-jährigen Italienerin Assunta Scutto, die aber heuer bei der WM in Abu Dhabi das Finale gegen die Mongolin Baasankhuu Bavuudorj verlor. Japan bringt die dreifache Weltmeisterin Natsumi Tsunoda, die – wie einige andere Stars des Judo-Mutterlandes – die WM 2024 ausließ. Eine dieser drei könnte Gold holen. Österreich ist durch Katharina Tanzer (SU Noricum Leibnitz) vertreten. Sie hat sich über die kontinentale Europa-Quote als Nummer als Nummer 40 im Ranking qualifiziert.

Bis 52 kg:

Wer soll Uta Abe schlagen? Die 24-jährige Japanerin ist Olympiasiegerin (2021) und vierfache Weltmeisterin (2018, 2019, 2022, 2023). Auf Abu Dhabi verzichtete auch sie. Weil sie sich auf der World Tour rar machte, ist sie als Neunte im Ranking aber nicht gesetzt. Doch weder die Nummer 1, Diyora Keldiyorova /UZB), noch die anderen dürften eine Chance gegen Abe haben. Am ehesten noch Distria Krasniqi (KOS), die als Nummer 3 vor drei Jahren in Tokio bis 48 Kilo olympisches Gold gewann und dann die Klasse wechselte. Keine Österreicherin am Start.

Bis 57 kg:

Eigentlich schade, dass es die Regel mit nur einem Judoka pro Land und Kategorie gibt. Den Kanada hat ein Luxusproblem. Christa Deguchi, die noch keine Olympia-Medaille hat, aber zweimal Weltmeisterin (2019 und 2023) war, darf starten, ihre Landsfrau Jessica Klimkait hingegen muss als Olympiadritte von Tokio und Weltmeisterin von 2021 zuhause bleiben. Mimi Huh (KOR), Rafaela Silva (BRA) und Lokalmatadorin Sarah Leonie Cysique (FRA) dürften die schärfsten Rivalinnen Deguchis im Kampf um Gold werden. Keine Österreicherin am Start.

Bis 63 kg:

Die Frage wird sein, ob Clarisse Agbegnenou nach der Geburt ihrer Tochter zur Topform zurück finden kann. Die 31-jährige Französin, Olympiasiegerin 2021 und sechsfache Weltmeisterin, muss als Nummer 6 in den olympischen Bewerb. Und sich gegen die frischgebackene holländische Weltmeisterin Joanne Van Lieshout und andere durchsetzen. Die 21-Jährige, die heuer auch den Upper Austria-Grand Prix in Linz gewonnen hat, ist Nummer 1. Österreichs Lubjana Piovesana (LZ Hohenems) geht als Nummer 10 ins Rennen. Freund Laurin Böhler drückt auf der Tribüne die Daumen …

Bis 70 kg:

Ja, da hat eine Österreicherin zumindest eine Medaillenchance! Michaela Polleres (JC Wimpassing) ist an Nummer 3 gesetzt, hinter Ex-Weltmeisterin Barbara Matic (CRO) und der sensationellen Griechin Elisavet Teltsidou, die heuer Vize-Europameisterin wurde. Aber sowohl Matic als auch Teltsidou sind, wie alle anderen auch, in „Michis“ Reichweite, und immerhin bringt die Niederösterreicherin Olympia-Silber 2021 als Referenz mit. Viel Glück und Erfolg, Michi!

Bis 78 kg:

Noch ist ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch, die 2004 Gold bis 57 Kilo holte, die einzige deutsche Judo-Olympiasiegerin. Das könnte sich nach 20 Jahren ändern. Denn Anna-Maria Wagner geht als zweifache Weltmeisterin (2021 und 2024) und zweimalige Olympia-Dritte auf die Matte. Allerdings nur als Zweite im Ranking, denn Alice Bellandi (ITA) ist die Nummer 1, obwohl sie heuer das WM-Finale gegen Wagner verlor. Keine Österreicherin am Start.

Über 78 kg:

Es mag etwas skurril klingen, wenn in der schwersten Gewichtsklasse die Favoritin Romane Dicko heißt – aber der Weg zu Gold führt sicher über die Französin. Sie ist Mixed-Olympiasiegerin 2021, Weltmeisterin 2022 und vierfache Europameisterin. Dicko gilt für ihre Gewichtsklasse als besonders schnell und technisch versiert. Raz Hershko (ISR) oder Kayira Özdemir (TUR) und vielleicht Hayun Kim (KOR) könnten der Lokalmatadorin aber die Suppe versalzen. Oder doch wieder Akira Sone (JPN), die zwar im Ranking nur auf 18 liegt, aber vor drei Jahren mit einem Sieg über Dicko Olympia-Gold geholt hat und 2019 im selben, ehrwürdigen Budokan Weltmeisterin wurde. Keine Österreicherin am Start.

Morgen: Golden Boys Abe und Riner

Foto: Uta ABE kann der weibliche Superstar bei Olympia werden - @IJF Media

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