Unbekümmert zur U23-EM

Während ab Freitag 15 ÖJV-Judoka in Montpellier (FRA) um EM-Edelmetall kämpfen werden, bereitet sich der Nachwuchs auf die Unter-23-EM in Potsdam (GER/17. bis 19. November) vor. Auch vier Wiener Judoka stehen im 14-köpfigen ÖJV-Aufgebot, drei Burschen (alle von M&R Galaxy) und eine junge Dame – Laura Kallinger (Judoring Wien). Und die frischgebackene 57-Kilo-Staatsmeisterin geht in der Heimatstadt von ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch unbekümmert in ihre ersten internationalen Titelkämpfe in dieser Gewichtsklasse.

Alle bisherigen Erfolge – etwa die Siege im Unter-18-Europacup 2019 in Györ, im Unter-23-Europacup 2022 in Lignano und auch ihren ersten Staatsmeistertitel 2019 in Kufstein (als 17-Jährige!) – hat Laura, Tochter der ehemaligen Nationalteamkämpferin Sandra Kallinger, in der Kategorie bis 63 Kilo erreicht. Heuer entschied sie sich, eine Klasse nach unten zu wechseln. Ist sie deshalb hinunter, um der internen Konkurrenz einer Lubjana Piovesana und Magda Krssakova zu entgehen, die sich derzeit bis 63 Kilo um ein Olympia-Ticket für Paris 2024 duellieren? „Nein, ich war nie eine wirkliche 63er-Kämpferin, drum habe ich heuer diesen Schritt gewagt“, erzählt die nun 21-jährige Wienerin. Mit Hilfe einer Ernährungsberaterin nahm Laura Kilo um Kilo ab und ist froh, jetzt in jener Kategorie auf die Matte zu steigen, in der einst Sabrina Filzmoser das Maß aller Dinge war. „Die Entscheidung war sicher richtig,. weil ich immer schon eher technisch als mit Kraft Judo gemacht habe. Und in der 57er sind die Spitzenleute alle sehr schnell“, sagt die Architektur-Studentin, die vom ehemaligen ÖJV-Nationaltrainer Hubert „Hupo“ Rohrauer trainiert wird. „Wir haben da ein eigenes Dojo in Furth an der Triesting, wo wir mindestens ein- bis zweimal die Woche gemeinsam trainieren“, sagt Kallinger, die aber auch gern zu anderen Wiener Vereinen ins Training geht. „Ich bin da, glaube ich, immer sehr willkommen.“

Und jetzt kommt die Unter-23-EM. Gibt es Ziele für Potsdam? „Ich geh ohne Druck in die EM, weil ich auch noch keinen internationalen Vergleich in der 57er-Klasse habe“, gibt sich Laura locker. National hat es schon gut funktioniert – mit einem Finalsieg über die Mühlviertlerin Lisa Grabner („wir sind sehr gut befreundet“) holte sich Kallinger in Eferding ihren zweiten Staatsmeistertitel in der Allgemeinen Klasse. Auch Grabner wird in Potsdam dabei sein, „aber wenn, dann kommen wir erst in einem großen oder kleinen Finale zusammen“, erklärt die 21-Jährige. Aber das wäre doch schon ein toller Erfolg, denn es würde eine Platzierung unter den Top 5 bedeuten. Mama Sandra – als Obfrau und Trainerin beim Judoring Wien immer noch sehr aktiv – kann so oder so stolz auf ihre Laura sein.

Bei der EM in der Vorstadt der deutschen Hauptstadt Berlin steigen auch drei junge Männer aus Wien auf die Matte. In der Klasse bis 81 Kilo könnte es zum internen Klubduell und zur Neuauflage des Finalkampfs bei der Staatsmeisterschaft in Eferding kommen – Staatsmeister Bernd Fasching und Magamed Borchashvilli kämpfen ebenso um Medaillen wie Movli Borchashvilli (alle M&R Galaxy Judotigers) im Schwergewicht über 100 Kilo.

Foto: Bei der Staatsmeisterschaft in Eferding Finalgegnerinnen, bei der Unter-23-EM in Potsdam gemeinsam unterwegs - Laura KALLINGER (links) und Lisa GRABNER - @Judo Austria/Oliver Sellner

Ähnliche Beiträge

  • EJU-Kongress in Wien

    Die letzten Wochen sind nicht nur politisch sehr turbulent, auch im Sport wirken sich die Ereignisse um den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine aus. Schon am 27. Februar trat der bisherige Präsident Sergey Soloveychik zurück. Das Amt wurde interimistisch durch den Deutschen Otto Kneitinger übernommen. Heute trat der Generalsekretär der EJU Ezio Gamba (ITA)…

  • WM-Generalprobe

    Elf Athleten von Judo Austria werden beim Grand Slam von Freitag bis Sonntag in Budapest auf die Tatami steigen, drei von ihnen kommen von Wiener Vereinen. Es ist die Generalprobe für die WM in drei Wochen in Baku (AZE – 4. bis 11. Oktober). Eigentlich ist ein Top-7-Platz die Qualifikations-Norm, von den Wienern hat diese…

  • Berlin und Skopje

    Nur wenige Tage nach der Weltmeisterschaft in Budapest hat der internationale Nachwuchs auf Europas Matten das Sagen. Am Wochenende, beim großen Junioren-Europacup in Berlin, gab es zwei siebente Plätze für Österreich – und schon ab Donnerstag geht es in Skopje um die EM-Titel bei den Kadetten. Leider ohne Wiener Beteiligung, aber mit sieben rot-weiß-roten Judoka….

  • Poiger bleibt EJU-„General“

    Beim 76. Kongress der Europäischen Judo Union (EJU) in Budapest wurde ÖJV-Präsident Dr. Martin Poiger als EJU-Generalsekretär wiedergewählt. Der 47-jährige Burgenländer wurde – ebenso wie Präsident Laszlo Toth aus Ungarn – per Akklamation für die nächste, bis 2028 dauernde Amtsperiode in seiner Funktion bestätigt. „Es ist ein Privileg, meinem Hobby berufsmäßig auf höchstem Niveau nachgehen…

  • Um die letzte Chance

    Einige ÖJV-Talente sind schon fix für die Kadetten-EM Ende Juni in Skopje qualifiziert, aber noch niemand aus Wien. Das soll sich am Wochenende in Teplice ändern. Eine Platzierung ist Pflicht, denn der Unter-18-Europacup in Tschechien ist auch schon die letzte Chance, noch ein EM-Ticket zu buchen. Dabei hat Wien einige aussichtsreiche Starter! Zeitgleich findet in…

  • Wimpassing und Györ

    Während Österreichs Judosport um Prof. Karl Karner trauert, der im 82. Lebensjahr verstorben ist (siehe Folgeartikel), bereiten sich junge Judoka und jene, die die Form des Judo in der Kata zeigen, auf ihre Wettkämpfe vor, die am kommenden Wochenende stattfinden. Die Kata-Staatsmeisterschaften in Wimpassing (NÖ), die Unter-18-Jährigen beim Europacup in Györ. Dort führt die Wienerin…