Magda vs. „Lulu“ – das Duell

Zwei Platzierungen für Österreich beim Grand Slam-Turnier in Abu Dhabi in der selben Gewichtsklasse (bis 63 Kilo), Lubjana Piovesana (LZ Vorarlberg) als Dritte und die Wienerin Magda Krssakova (JC Sirvan) als Siebente – aber nur eine der beiden ÖJV-Judoka wird auch 2024 in Paris auf die (dann olympische) Matte steigen dürfen. Ein Duell zwischen Magda und „Lulu“ steht bevor – und es gibt bis zur Deadline (25. Juni 2024) für beide noch viele Gelegenheiten, sich das Ticket für die Spiele zu holen. Das wird noch spannend …

So krass wie im japanischen Team vor den Spielen 2020 in Tokio, als sich im internen Duell zweier Weltmeister bis 66 Kilo Hifumi Abe gegen Joshiro Maruyama in einem 20 Minuten dauernden Qualifikationskampf das Olympia-Ticket holte, wird es im Duell Krssakova gegen Piovesana wohl nicht zugehen, aber die für ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch am Ende zu treffende Entscheidung wird letztlich die gleiche sein. Da nur ein Judoka pro Gewichtsklasse zu Olympia darf, muss eine der beiden daheim bleiben – falls es überhaupt einen Quotenplatz für Österreich in dieser Klasse gibt. Schon vor dem Grand Slam in Abu Dhabi war „Lulu“ im IJF-Ranking als 24. mit 2.242 Punkten besser als Magda (31./1.668 Punkte), aber das sagt noch gar nichts. Schon bei der EM nächste Woche in Montpellier könnte sich der Abstand verringern (oder auch vergrößern), dazu gibt es im kommenden halben Jahr noch etliche Events, auch den Heim-Grand Prix von 8. bis 10. März 2024 in der Linzer Sporthalle, und danach die EM in Zagreb (25. bis 27. April). Am Ende der Qualifikation sollte zumindest eine der beiden unter den Top 18 in der (bereinigten) Weltrangliste sein, um den Quotenplatz für Österreich zu sichern und nicht auf eine kontinentale „Wild Card“ angewiesen zu sein.

Wer hat nun die besseren Chancen aufs Paris-Ticket – Magda oder „Lulu“? Die ÖJV-Trainer geben sich (noch) bedeckt. Mehr als „die bessere wird fahren“ hört man nicht. Aber wer ist „die bessere“? Piovesana, die eingebürgerte Britin, die mit dem Vorarlberger Laurin Böhler liiert ist, hat es in Abu Dhabi erstmals als Österreicherin aufs Podest in einem Grand Slam-Turnier geschafft, hat aber bisher „nur“ zwei European Open )(2018 Minsk, 2019 Tallinn) gewonnen. Krssakova war aber schon Vize-Europameisterin (2020 in Prag) und ist dreifache Grand Prix-Siegerin. Doch auch ihre Erfolge (2017 Tiflis, 2018 Cancun und Antalya) liegen schon einige Jahre zurück, zuletzt musste sich Magda von einer langwierigen Verletzung erholen. In die Vergangenheit blicken, bringt nichts. Entscheidend wird – neben der finalen Platzierung am 25. Juni im IJF-Ranking – auch sein, wie die Formkurve der beiden Judoka aussieht. Und das alles kann heute noch niemand prophezeien. Als Wiener Verband drücken wir klarerweise Magda die Daumen – aber sollte „Lulu“ am Ende die bessere sein, wäre das zu akzeptieren. Worauf sich die Judofreunde aber mit Sicherheit freuen können – es bleibt spannend …

Nach Piovesana und Wachid Borchashvili (LZ Multikraft Wels / bis 81 Kilo) holte am Schlusstag des Grand Slam-Turniers in Abu Dhabi Aaron Fara die dritte Bronzemedaille für den ÖJV. Der Wimpassinger musste sich am Donnerstag in der Klasse bis 100 Kilo nur im Semifinale dem Niederländer Michael Korrel geschlagen geben. Im Kampf um Bronze setzte sich Fara gegen Marc Francois Ngayap (FRA) nach nur 14 Sekunden mit Ippon durch. Stark präsentierte sich auch Thomas Scharfetter (ESV Sanjindo). Der Bischofshofener Senkrechtstarter belegte in der Klasse bis 90 Kilo den 7. Platz, wie tags zuvor Krssakova und die bis 70 Kilo topgesetze Michaela Polleres (JC Wimpassing). „Sechs Starter:innen, sechs Platzierungen, drei Medaillen – so eine Ausbeute bei einem Grand Slam Turnier kann sich wirklich sehen lassen. Jetzt können wir nächste Woche mit viel Selbstvertrauen im Gepäck nach Montpellier fahren“, freute sich ÖJV-Sportdirektor Markus Moser über die gelungene EM-Generalprobe. Österreich belegte damit unter den 74 Nationen (450 Judoka) den guten 17. Platz. Italien (3/0/0) gewann die Medaillenwertung vor Kanada (2/1/1) und Frankreich (1/2/2). Weitere Klassensiege (je einen) holten Usbekistan, Serbien, Georgien und Portugal. Allerdings haben diese Wertung eigentlich die „AIN“-Judoka gewonnen – denn vier Klassensiege gingen an „Athletes Individual Neutral“, unter anderem an den russischen Schwergewichts-Star Inal Tasojew. Sozusagen die „no nations“ als große Triumphatoren am Persischen Golf …

Foto: Magda Krssakova (im weißen Judogi) beim Grand Slam in Abu Dhabi gegen die Brasilianerin Nauana Silva - @IJF/Gabriela Sabau

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