Die Judo-WM in Baku beginnt zwar schon am Sonntag, für Österreich wird es aber erst am Mittwoch interessant – da steigt Lubjana Piovesana (LZ Hohenems) bis 63 Kilo als erste ÖJV-Athletin in den Saison-Höhepunkt ein. Und die 29-jährige Austro-Britin hat ein klares Ziel – nach drei fünften Platzen bei Großereignissen will sie endlich aufs Podest. Es wäre ihre erste Medaille! Doch 73 andere in ihrer Gewichtsklasse wollen das auch …
Dreimal hat „Lulu“ das „kleine Finale“ um Bronze verloren. Bei der WM 2023 gegen Szofi Ozbas (HUN), bei der EM 2024 in Zagreb gegen die spätere Olympiasiegerin Andreja Leski (SLO) und auch 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris gegen Clarisse Agbegnenou (FRA). Die „Judo-Mama“, Olympiasiegerin 2021 und sechsfache Weltmeisterin, ist die einzige noch aktive Judoka aus diesem Trio, mittlerweile auf Platz 38 im IJF-Ranking abgestürzt. Piovesana geht als Nummer 12 und damit ungesetzt in die WM. „Wie schwer das wiegt, werden wir nach der Auslosung am Samstag wissen“, sagt ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch. Das gelte auch für Österreichs zweite Medaillen-Kandidatin Michaela Polleres (bis 70 Kilo / JC Wimpassing). „Beide, Michi und Lulu, haben das Zeug für eine WM-Medaille“, ist die Deutsche überzeugt.
WM-Edelmetall hatte es zuletzt 2023 in Doha durch Polleres (Bronze) gegeben. 2024 in Abu Dhabi war ein siebenter Platz von Bernd Fasching (bis 81 Kilo) die einzige Ausbeute, im Vorjahr in Budapest blieb Rot-Weiß-Rot ohne Platzierung. Snir-Bönisch: „Wir wollen möglichst schnell in die Erfolgsspur zurück – unser WM-Anspruch ist der Gewinn zumindest einer Medaille, umso mehr, weil wir bei den letzten zwei Weltmeisterschaften leer ausgegangen sind. Diese Schieflage – entstanden durch einen Generationenwechsel – wollen wir schnellstmöglich zurechtrücken.“ Hoffnung, dass diese Ziel erreichbar ist, bietet die Statistik. Seit Snir-Bönisch in Österreich ist, gab es drei Olympia-Medaillen (Silber und Bronze durch Polleres, Bronze durch Shamil Borchashvili 2021 in Tokio), zwei EM-Medaillen, einen Masters-Sieg und 40 Podiumsplätze auf der IJF-Tour. Noch etwas zur Statistik: In der ewigen WM-Medaillenbilanz liegt Österreich mit 4mal Gold, 2mal Silber und 9mal Bronze an 20. Stelle. Japan (unglaubliche 157/101/105 – 363 Medaillen gesamt) führt vor Frankreich (56/37/76) und Südkorea (29/10/60). Damit haben die Japaner mehr Medaillen als die drei nächsten Nationen zusammen …
Ungewohnt scharf kritisiert Snir-Bönisch den von der IJF vorgegebenen Olympia-Qualifikationszyklus. „Die Phase läuft bis Juni 2028, also gut zweieinhalb Jahre. Pro Gewichtsklasse gibt’s 17 Direkt-Tickets für Los Angeles. Wer nicht zu den absoluten Top-Leuten im Ranking gehört, der muss möglichst viele World-Tour-Turniere bestreiten, dazu auch noch an zwei Europa- und drei Weltmeisterschaften teilnehmen. Die letzte WM, im Jahre 2028, bringt 100 Prozent der Punkte, also doppelt so viele wie die zwei Auflagen zuvor. Es wird wohl nicht viele ÖJV-Asse geben, die es sich leisten können, die WM im Olympia-Jahr auszulassen. Aber genau das wäre für eine ideale Olympia-Vorbereitung vonnöten.“ Nachsatz: „Es braucht einen nicht weiter zu wundern, wenn viele Nationen über eine lange Verletztenliste klagen. Auch bei uns fehlen zwei absolute Top-Asse.“ Neben Fasching (Knöchel-Luxation, Wadenbeinbruch, die Nummer 9 in der Kategorie bis 81 kg, ist auch der Wiener Stephan Hegyi (SC Hakoah / über 100 Kilo) wegen einer Knieverletzung nicht dabei. „Das ist traurig und ärgerlich zugleich“, meint die Cheftrainerin zum Fehlen ihrer beiden Schützlinge.
Medaillenstand bei Judo-Weltmeisterschaft
| Rang | Land | Gold | Silber | Bronze | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Japan | 157 | 101 | 105 | 363 |
| 2 | Frankreich | 56 | 37 | 76 | 169 |
| 3 | Südkorea | 29 | 10 | 60 | 99 |
| 4 | Kuba | 18 | 22 | 38 | 78 |
| 5 | Volksrepublik China | 18 | 12 | 17 | 47 |
| 6 | Vereinigtes Königreich | 16 | 18 | 32 | 66 |
| 7 | Niederlande | 15 | 21 | 51 | 87 |
| 8 | Deutschland inkl. DDR | 13 | 24 | 71 | 108 |
| 9 | Sowjetunion | 11 | 13 | 33 | 57 |
| 10 | Belgien | 9 | 14 | 20 | 43 |
| 11 | Russland | 8 | 18 | 40 | 66 |
| 12 | Brasilien | 7 | 15 | 32 | 54 |
| 13 | Georgien | 6 | 11 | 21 | 38 |
| 14 | Polen | 6 | 4 | 23 | 33 |
| 15 | Italien | 5 | 8 | 17 | 30 |
| 16 | Nordkorea | 5 | 5 | 8 | 18 |
| 17 | Spanien | 4 | 10 | 12 | 26 |
| 18 | Vereinigte Staaten | 4 | 8 | 17 | 29 |
| 19 | Mongolei | 4 | 4 | 18 | 26 |
| 20 | Österreich | 4 | 2 | 9 | 15 |
Foto: Lubjana "Lulu" PIOVESANA im Olympia-Bronzekampf gegen Clarisse AGBEGNENOU - @IJF / Gabriela Sabau. Tabellen-Quelle: Wikipedia (Stand: Juni 2021)
