Das Japan-Duell

Auch wenn mit Frankreichs Teddy Riner (über 100 Kilo / 5 x Olympia-Gold, 11-facher Weltmeister) sowie Welt- und Europameister Timur Arbuzov (RUS / bis 81 Kilo) zwei Superstars nicht auf der Nennliste stehen und auch Österreich mit dem Wiener Stephan Hegyi (SC Hakoah / über 100 Kilo) und Bernd Fasching (bis 81 Kilo) zwei Judoka fehlen – die WM ab Sonntag in Baku wird auch bei den Männern eine spannende und qualitativ hochstehende. Der Leckerbissen: das interne Japan-Duell bis 66 Kilo …

Riner, der sein Comeback nach zwei Jahren Pause beim Grand Prix in Lima feiern und auch noch die Grand Slams in Lausanne und Budapest als WM-Vorbereitung bestreiten wollte, laboriert nach wie vor an einer Schulterverletzung. „Die diesjährige WM ist noch nicht so wichtig. Besser nichts riskieren und dann fit zurückkommen“, wird der mittlerweile 37-Jährige in Guadeloupe geborene Schwergewichtler in französischen Medien zitiert. Kurios: Weil Teddy seit Olympia bei keinem einzigen Turnier auf der IJF World Tour auf die Matte stand, scheint der Name Riner in der aktuellen Weltrangliste nicht einmal auf …

Dennoch: Es wird wohl in allen Gewichtsklassen heiße Kämpfe um die (für Olympia noch nicht so wichtigen) WM-Titel geben. Mit sicher wieder starken Japanern, die das Maß aller Dinge sind. Und das sind unsere Gold-Tipps bei den Männern:

Bis 60 Kilo: Titelverteidiger Ryuju Nagayama ist nur an Nummer 8 gesetzt, dennoch wieder ein heißer Titelkandidat. Nicht zu unterschätzen ist der Weltranglisten-Führende Balabay Aghayev (AZE), der heuer die Grand Slams in Paris und Ulaanbaatar gewann sowie in Taschkent Silber holte. Auch der Israeli Izhak Ashpiz (Nr. 2), Vorjahres-WM-Finalist Romain Valadier-Picard (FRA / 2), der starke Russe Ayub Bliev und andere wollen mitreden. Doch wir glauben: Wer Paris gewinnt, kann auch die WM gewinnen – Aghayev!

Bis 66 Kilo: Montag ist Abe-Tag! Auf der einen Matte kämpft Schwesterherz Uta bis 52 Kilo, auf der anderen Hifumi Abe bis 66 Kilo – doch der zweimalige Olympiasieger und vierfache Weltmeister, der 2018 in Baku seinen ersten WM-Titel und den ersten überhaupt eines Geschwister-Duos am selben Tag geholt hatte, trifft auf harte interne Konkurrenz. Denn Takeshi Takeoka ist aktuell die Nummer 1 der Welt und Titelverteidiger, und Abe war 2025 „nur“ Dritter. Wer gewinnt das interne, „heiße Japan-Duell“? Auch wenn sich andere. wie der Tadschike Nurali Emomali (2025 Zweiter) und der Russe Ramazan Abdulaev (2025 Semifinal-Sieger über Abe) Hoffnungen machen, Gold holt einer der beiden Japaner – unser Tipp: Abe …

Bis 73 Kilo: Vorjahres-Weltmeister Joan-Benjamin Gaba (FRA) ist nur noch auf Rang 12 zu finden und daher ungesetzt. Die Top 6 werden sich um die Goldene matchen, angeführt vom Weltranglisten-Ersten Muhiddin Asadulloev (TJK). Wir wagen einen gar nicht so abwegigen Gold-Tipp: Makhmadbek Makhmadbekov aus den Vereinigten Arabischen Emiraten – der gebürtige Russe war 2025 schon Dritter, gewann heuer das Grand Slam-Turnier in Paris und kann jeden schlagen …

Bis 81 Kilo: In Abwesenheit von Titelverteidiger Arbuzov scheint Francois Gauthier-Drapeau (CAN / Nr. 2 der Welt) Favorit zu sein. Aber da werden einige Asse etwas dagegen haben – etwa Lokalmatador Zelim Tckaev (AZE), der Japaner Yuhei Oino und andere. Bis zum Zehnten, Ex-Weltmeister Mattias Casse (BEL), kann jeder gewinnen. Unser Gold-Tipp lässt die Gastgeber jubeln: Tckaev!

Bis 90 Kilo: Vorjahrs-Weltmeister Sanshiro Murao ist auch heuer Favorit – ob es aber wieder zu einem rein-japanischen Gold-Finale gegen Goki Tajima (Nr. 7) kommt, scheint unsicher. Zwei Brasilianer, Rafael Macedo (Nr. 4) und Guilherme Schmidt (5) könnten bei der Medaillenvergabe ebenso mitreden wie der Georgier Luka Maisuradze (Nr. 2) und Murad Fatiyev (AZE / 3). Paris-Olympiasieger Lasha Bekauri (GEO) ist nur noch 16. im Ranking, aber immer für eine Medaille gut. Wir setzen aber wieder auf Murao – und auch Österreichist in dieser Kategorie mit dem EM-Fünften Thomas Scharfetter (Sanjindo Bischofshofen) dabei.

Bis 100 Kilo: Der 2025 unter IJF-Flagge jubelnde Matvey Kanikovskiy steht nicht auf der Nennliste, dafür aber der aktuell Führende im IJF-Ranking, Gennaro Pirelli. Ob der Italiener oder Simeon Catharina (NED / 3) schon reif für einen WM-Titel sind oder doch am Ende die Osteuropäer wie Niiaz Bilalov (RUS / 4) oder Ilia Sulamanidze (GEO / 5), bleibt abzuwarten. Nicht zu vergessen Dota Arai (JPN), der nach Silber und Bronze sein erstes WM-Gold will. Unser Goldtipp heißt Niiaz Bilalov.

Über 100 Kilo: In Abwesenheit Riners könnte Inal Tasoev, im Vorjahr noch unter IJF-Flagge, seinen dritten WM-Titel holen. Größter Konkurrent ist im eigenen, russischen Lager Valerii Endovitskii (Nummer 2 der Welt). Aber es gibt eine Fülle von Schwergewichtlern, die auch das oberste Treppchen erklimmen können – etwa Ushangi Kokauri (AZE / 3) oder Irakli Demetrashvili (GEO). Zumindest für Medaillen gut sind Jur Spijkers (NED / 9) und Kanto Nakano (JPN / 10) oder auch der routinierte Olympia-Zweite von Tokio 2021, Guram Tushishvili (GEO). Ob Olympiasieger und Ex-Weltmeister Lukas Krpalek (CZE) noch ein Wörtchen mitreden kann, wird sich zeigen. Unser Gold-Tipp: Tasoev. Österreich ist in Baku durch Movli Borchashvili (Galaxy Judozentrum NÖ) vertreten.

Fasst man alle 14 Gewichtsklassen zusammen, wird – nach unseren Gold-Tipps – Japan mit fünfmal Gold die erfolgreichste Nation dieser WM werden. Frankreich, Gastgeber Aserbaidschan und Russland würden je zweimal Gold holen, dazu kommen Australien, Brasilien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Am Mittwoch stellt der ÖJV in einer Pressekonferenz in Wien das rot-weiß-rote WM-Team vor.

Foto: Takeshi TAKEOKA (weißer Judogi) ´will seinen Vorjahrs-WM-Titel erfolgreich verteidigen - @IJF / Tamara Kulumbegashvili

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