Shamil´s „Sore Made“

Er gewann Olympia-Bronze 2021 in Tokio, war WM- und EM-Dritter, aber jetzt sagt er zum Abschied „Sore Made“ – Shamil Borchashvili, 30 Jahre jung, beendet seine Judo-Karriere. Der Welser gab seine Entscheidung bei einer ÖJV-Pressekonferenz am Mittwoch im Linzer Olympiazentrum bekannt, in dem Shamil viele Trainingsstunden verbrachte. Bei der PK wurde auch verraten, wann Michaela Polleres nach über einjähriger Wettkampfpause ihr Comeback auf der Tatami feiern wird – im Dezember beim Grand Slam in Tokio.

„Ich danke Österreich. Ich danke diesem Land, dass ich Botschafter für Judo sein durfte. dass ich Medaillen für Österreich holen konnte. Judo war für mich eine Lebensschule“, sagt der 81-Kilo-Mann, dessen tschetschenische Familie vor 20 Jahren nach (Ober-)österreich geflüchtet war. „Meinen Brüdern Kimran und Wachid habe ich ebenso viel zu verdanken und vor allem Ernst Hofer, der damals meine Stärken und Schwächen erkannte. Leider ist er nicht mehr unter uns.“ Borchashvili dankte bei seinem Abschied („das fiel mir nicht leicht“) auch allen anderen. Dem Verband, dem Bundesheer, seinem Verein LZ Multikraft Wels, einfach allen. „Ich will, dass die Jugendlichen Sport machen, ich will einen Beitrag leisten, dass sie – egal, ob mit oder ohne Migrationshintergrund – einen Sinn in der Zukunft sehen, dass sie auf dem richtigen Weg geleitet werden“, sagt Shamil. Der Judoka hat schon einige Projekte in diese Richtung begonnen, „und so bleibe ich mit Sport und Judo verbunden.“

Die Entscheidung sei in ihm gereift, nachdem er im Juni bei seinem Comeback ein Erstrunden-Aus bei der WM in Budapest hinnehmen musste. „Irgendwann bekommen dann andere Dinge im Leben Priorität“, sagt Shamil, der sich an seine sportlichen Highlights natürlich gerne zurück erinnert. „Den Tag, an dem ich in Tokio Olympia-Bronze geholt habe, werde ich nie vergessen. Es ist, als wäre es gestern gewesen“, strahlt Borchashvili. Damals besiegte er im Achtelfinale den Israeli Sagi Muki, der zwei Jahre davor in der selben Halle, dem ehrwürdigen Budokan, WM-Gold geholt hatte. „Eine 15-Minuten-Nervenschlacht – der Verlierer war weg, ausgeschieden. Der Sieger weiter im Rennen. Aufgeben war für mich keine Option – nie und nimmer!“

Bei der PK in Linz wurde auch die „Nullnummer“ – keine WM- und EM-Medaille in diesem Jahr – analysiert. „Wir werden in den nächsten Monaten mehr trainieren und weniger an Wettkämpfen teilnehmen“, sagte Sportdirektor Markus Moser. Zu den Wienern im Kader meint der Stadlauer, dass die Borchashvilli-Brothers und Bernd Fasching im normalen Aufbau für die im nächsten Jahr beginnende Olympia-Qualifikation seien. Und was ist mit den beiden einstigen Wiener Aushängeschildern Magda Krssakova (EM-Zweite 2020) und Stephan Hegyi? „Magda ist nach wie vor verletzt. Nach ihrer Knie-Operation gab es im Frühjahr neue Komplikationen, sie braucht sicher noch Zeit bis in den Herbst. Und bei Stephan haben wir im Aufbau einige Änderungen vorgenommen, damit er wieder so stark wird wie einst, vor allem bei den Golden Scores.“

Shamil Borchashvili

Geboren: 9. Juni 1995 – als 10-Järiger mit tschetschnischen Eltern nach Österreich geflüchtet. – Judo seit 2005. – Verein: LZ Multikraft Wels. Wohnort: Marchtrenk. – Gewichtsklasse: bis 81 Kilo. – Größte Erfolge: Olympia-Bronze 2021 Tokio, WM-Bronze 2022 Taschkent, EM-Bronze 2024 Zagreb und mit dem Mixed-Team 2019 Minsk, 48 Turniere auf der IJF-World Tour gekämpft bei 21 Platzierungen (1-7) und 13 Medaillen, darunter Grand Prix-Sieg Upper Austria GP Linz 2023.

Foto: ÖJV-Präsident Martin POIGER, Michaela POLLERES, Shamil BORCHASHVILI und Markus MOSER (v.l.n.r.) bei der PK in Linz - @joe 

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