Paris – besser als Olympia

Wenn Ende Juli, in der ersten Olympia-Woche in Paris, die Judo-Bewerbe in der neuen „Champs de Mars Arena“ beim Eiffelturm über die Matte gehen, werden zwar Olympiasieger gekürt – aber die Qualität, die das derzeitige Grand Slam-Turnier im Sportpalast Bercy bietet, werden die Spiele sicher nicht erreichen. Denn statt zwei Japanern, Franzosen und anderen ist pro Nation und Gewichtsklasse nur ein Judoka erlaubt. Das Pariser Turnier also ist besser, als Olympia überhaupt sein kann. Das bewies auch der zweite Tag in Bercy, wo am ´Samstag das Duell Frankreich gegen Japan prolongiert wurde und Österreichs einziger Vertreter – Wachid Borchashvili (LZ Multikraft Wels) – bis 81 Kilo in der zweiten Runde ausgeschieden ist.

Borchashvili bezwang den US-Amerikaner Kell Berliner zwar, wie erwartet, sicher mit zwei Waza-ari, musste sich aber dann dem Kasachen Abylaikhan Zhubanazar (als 16. im IJF-Ranking einen Platz hinter Wachid) durch Hansokumake („rote Karte“) geschlagen geben. Sein Bezwinger musste sich dann, nach einem weiteren Sieg, erst im Viertelfinale dem belgischen Weltranglisten-Ersten Matthias Casse beugen. Der Weltmeister 2021 gewann dann auch seine Gewichtsklasse. Den mehr als 15.000 Judo-Fans in der „Accor Arena“ in Bercy wurde auch am zweiten Tag des (50.) „Tournoi de Paris“ großartiges Judo geboten. Jung-Mama Clarisse Agbegnenou, die bei der EM im Herbst ohne Medaille (bis 63 Kilo) geblieben war, fand auf die Siegerstraße zurück. Zuweilen aber mit Mühe – denn in der dritten Runde gegen die Japanerin Megumi Horikawa benötigte „Miss Clarisse“ ganze 12:37 Minuten, ehe ihre Gegnerin die rote Karte erhielt. Auch im Finale gegen die starke Kroatin Katarina Kristo ging es in die Overtime, in der die zweimalige Olympiasiegerin und sechsfache Weltmeisterin die entscheidende Wertung landete. Es war schon der siebente Agbegnenou-Triumph in Paris.

Und so ging das Duell Frankreich gegen Japan weiter. Am ersten Tag hatten die Gastgeber mit dreimal Gold die Oberhand behalten. Für die Sensation sorgte die 22-jährige Faiza Mokdar, die bis 57 Kilo gewann und ihre Gegnerinnen reihenweise Ippon – unter anderen im Finale die Weltranglisten-Erste Christa Deguchi (Kanada) – auf die Matte warf. Dabei war Mokdar bislang noch NIE in einem Finale auf der World Tour, dritte Plätze bei den Grand Slams in Tel Aviv und Abu Dhabi waren ihre bisherigen Highlights. Ein weiterer, sicherer Gold-Tipp der Tricolores ging aber nicht auf. Eve Marie Gahie musste sich im Finale bis 70 Kilo der Deutschen Miriam Butkereit, die im Semifnale die kroatische Weltmeisterin Barbara Matic bezwungen hatte, geschlagen geben. Daraus ergibt sich nach zwei Turniertagen, dass Frankreich nun mit viermal Gold (4/1/2) vor Japan (2/2/2) und dem Kosovo (1/0/1) die Medaillenwertung anführt. Dahinter Belgien und Deutschland mit je einmal Gold.

Und alle Judo-Fans an der Seine fiebern jetzt dem Sonntag entgegen – denn der große Lokalmatador Teddy Riner, dreimaliger Olympiasieger und elffacher Weltmeister, steigt nach einer schöpferischen Pause wieder auf die Matte von Bercy. Seine bedauernswerten ersten beiden Gegner in der Klasse über 100 Kilo heißen Galymzhan Krikbay (KAZ) und Francisco Solis (Chile). Auch so kann man in die Schlagzeilen kommen …

Alle Ergebnisse aus Paris findet ihr hier.

Foto: Ein Küsschen für die 15.000 Fans in Bercy: Frankreichs Superstar und Jung-Mama Clarisse AGBEGNENOU feierte ihren schon siebenten Sieg in Paris - @IJF

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