Teddy! Da war der Bär los

Die „Accor Arena“ in Paris-Bercy bis auf den letzten Platz gefüllt, die 15.000 wollten nur einen sehen: Teddy Riner (@IJF), den Superstar der Franzosen, der es im Juli bei den Olympischen Spielen noch einmal wissen will. Und immer, wenn der 2,04 Meter große Publikumsliebling auf die Matte stieg, war in der Halle der Bär los. Der dreimalige Olympiasieger und elffache Weltmeister über 100 Kilo, im IJF-Ranking ob seiner seltenen Präsenz auf der World Tour derzeit nur auf Rang 13, enttäuschte seine Fans nicht und feierte seinen achten Triumph im traditionsreichen Pariser Sportpalast – auch das ist ein neuer Rekord!

2007 in Rio holte Teddy als 18-Jähriger seinen ersten WM-Titel, 2023 in Doha seinen mittlerweile elften. Dazwischen holte er auch zweimal Olympia-Gold im Einzel (2012 und 2016) und einmal mit dem Mixed-Team (2021). Von 2010 an blieb der Judoka von Paris St. Germain in 154 Kämpfen zehn Jahre lang ungeschlagen, die Serie beendete der Japaner Kokoro Kageura 2020 ausgerechnet beim Grand Slam in seinem „Wohnzimmer“ in Bercy. Wo er auch heuer erfolgreich war. Der Kasache Galymzhan Krikbay konnte nur blocken – Hansokumake („rote Karte“). Dann donnerte der 34-Jährige den Koreaner Jaegu Youn ebenso auf die Matte wie im Viertelfinale den Deutschen Losseni Kone, der sich aber tapfer wehrte. Damit erreichte Riner das Semifinale gegen Alisher Yusupov (UZB). Und dieser Kampf wurde zu einem echten Highlight – der Usbeke ging in Führung, der ursprünglich gegebene Ippon wurde (korrekterweise) auf Waza-ari korrigiert, dann gelang Riner mit einem Uchi Mata der Ausgleich, und 22 Sekunden vor dem Ende warf der Franzose seinen starken Gegner unter dem Jubel der Menge Ippon. Ein epischer Fight!

Und dann das „Finale aller Finali“. Der letzte Kampf des Tages, der letzte Fight dieses Turniers. Riner gegen den Koreaner Minjong Kim, der zuvor im Semifinale den Japaner Kanta Nakano bezwungen hatte. Nach vier Minuten, in denen Kim zwei gefährliche Ansätze gelandet hatte und es 2:1 Shidos zugunsten Riners stand, ging es in den Golden Score. Und der dauerte nicht lange – nach 24 Sekunden konterte der „Judo-Riese“ seinen Gegner und stand neuerlich, wie im Vorjahr, als Sieger dieses prestigeträchtigen Turniers fest. Die Fans feierten ihren Teddy – da war wieder der Bär los …

„Ich hatte es nicht leicht – meine Gegner waren sehr stark“, resümierte der Triumphator nach dem Finale. „Alle erwarten, dass ich gewinne. Aber ich bin auch nur ein Mensch!“ Jedenfalls will Riner noch einen Höhepunkt seiner unglaublichen Karriere erleben. „Es gibt nur ein Ziel: Gold bei den Olympischen Spielen in meiner Heimat. Ich habe noch fünf Monate Zeit, mich darauf vorzubereiten. Und ich werde das bestens tun.“ Großes Lob zollte Riner seinen Kontrahenten, vor allem dem Usbeken, der ihn an den Rand einer Niederlage gebracht hatte. „Ich kannte ihn eigentlich nur vom Training – und da war er ein anderer. Sehr stark von ihm, aber auch von mir, dass ich nach dem Rückstand noch gewinnen konnte.“ Dass Teddy nach den Spielen seine aktive Karriere beenden würde, sprach er nicht aus. Aber wenn es mit Gold klappt, wird´s das wohl für den besten Judoka aller Zeiten gewesen sein …

Aber auch sonst gab es großartiges Judo im Sportpalast Bercy – zum Beispiel bei den Frauen bis 78 Kilo bei einem Starauflauf von vier Weltmeisterinnen der letzten Jahre. Alice Bellandi (ITA), Champion 2018, warf dabei die japanische Olympiasiegerin und Weltmeisterin Shori Hamada aus dem Bewerb und kam mit einem Sieg über Madeleine Malonga (FRA/Weltmeisterin 2019) ins Finale. Dort fand sie aber in Anna Maria Wagner (GER/Weltmeisterin 2021) ihre Meisterin. Stark auch der (oftmals unterschätzte, aber technisch starke) Japaner Aaron Wolf, der die Klasse bis 100 Kilo für sich entschied. Die „Grand Nation“ gewann letztlich die Medaillenwertung überlegen – insgesamt sechsmal ertönte die „Marseillaise“. Hinter Frankreich (6/1/5) landeten Japan (3/2/3) und Deutschland (2/0/0) auf den Plätzen. Die Türkei, der Kosovo und Belgien folgten dahinter mit je einmal Gold. Österreichs einziger Vertreter unter den 621 Judoka aus 107 Ländern, Wachid Borchashvili (LZ Multikraft Wels), schied am Samstag bis 81 Kilo in der zweiten Runde aus. In den nächsten Tagen gibt es in Paris noch ein großes Trainingslager, die World Tour wechselt in zwei Wochen zum Grand Slam nach Baku (AZE).

Alle Ergebnisse findet ihr hier.

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