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Kein Zero-Spiel in Las Vegas

Sie fliegen ins Spielerparadies Las Vegas – aber nicht, um beim Roulette auf rot oder schwarz zu setzen oder mit Pokern oder am so genannten „einarmigen Banditen“ das Glück zu versuchen, sondern um auf der Judo-Matte erfolgreich zu sein. Fünf rot-weiß-rote Judoka, unter ihnen der Wiener Ernst Leidenfrost, kämpfen ab Montag im Rio Casino Hotel um Siege bei der offiziellen IJF-Veteranen-WM. Das Quintett will Zählbares zurück nach Europa mitbringen – es soll also kein Zero-Spiel in Las Vegas werden …

… denn das österreichische Team ist ein durchaus starkes! Mit dem Tiroler Reinhold Kurz (Wattens) und dem Grazer Julian Rusu sind zwei mehrfache Welt- und Europameister der Veteranen am Start, dazu mit Aurelian Kolarov ein weiterer Steirer sowie die Burgenländerin Claudia Loos, die auch schon auf einem WM-Podest Platz nehmen durfte. Und eben Leidenfrost, der 60-Jährige von Vienna Samurai, der heuer den Europacup in Hamburg gewonnen hat und sich in Linz über seinen Titel als Veteranen-Staatsmeister freuen durfte. Für den „Ernstl“, wie ihn seine Freunde liebevoll nennen, steht aber „gesund bleiben, gesund heimkommen“ verständlicherweise im Mittelpunkt. Vor einigen Jahren schwer von COVID gezeichnet, heuer im Juni eine gebrochene Hand wochenlang in Gips, 35 Jahre kein Judo auf diesem Level. „Ich habe mich doch und kurzfristig entschlossen, zur WM zu fliegen. Ich will Spaß haben – was dabei rauskommt, werden wir sehen“, sagt Leidenfrost. Am Freitag beginnt das Abenteuer USA mit dem Flug ins Spielerparadies, am Wochenende darauf kommt er wieder heim. Und das hoffentlich gesund …

Es ist eigentlich nahezu unglaublich, wie sich das Veteranen-Judo in den letzten 30 Jahren entwickelt hat. Was Mitte der 90er-Jahre, initiiert von einer kanadischen Gruppe, mit dem „World Judo Masters“ der Senioren begann, ist längt eine offizielle IJF-Weltmeisterschaft. Damals, so um die Jahrtausendwende, waren auch zwei Wiener „Masters-Helden“ mehrmalige (inoffizielle) Weltmeister. Etwa die Strebersdorfer Legende Ing. Bondi Setzger, mittlerweile schon 92 Jahre jung, und der heuer leider verstorbene Samurai-Obmann Leopold „Mini“ Korner, der das Masters 2004 nach Wien holte und im Budocenter selbst noch einmal Gold gewann. Ex-ÖJV-Nationaltrainer Udo Quellmalz, selbst Olympiasieger und Weltmeister, wird sich vielleicht noch an das Masters 2002 im nordirischen Londonderry erinnern. Damals machte der Deutsche als Stargast Siegerehrungen – auch für einen über 80-jährigen Japaner, der aber keinen Gegner in seiner Alters- und Gewichtsklasse hatte. Man gab ihm, als Dank für die weite Reise, dennoch die Goldene. Auf allen Vieren kraxelte der schon etwas gebrechliche Judoka aufs Podest, oben bekam er Höhenangst und die Helfer konnten gerade noch seinen Sturz vom Podest verhindern.

Diese – mag sein, dilettantischen – Zeiten sind längst vorbei. Heute ist die Veteranen-WM ein offizieller Teil der IJF, in der es eine eigene Veteranen-Kommission gibt. 1.458 Athleten aus 68 Ländern sind ein neuer Rekord (bisher 1.026 aus 64 aus dem Vorjahr), das Interesse ist groß. Frankreich stellt mit fast 150 Judoka das größte Kontingent, Japan entsendet lediglich zwölf. Allerdings ohne ehemalige Superstars des Judo – die meiden derartige Veranstaltungen, sie könnten sich ja blamieren. Das ist sehr schade – und hat sich auch gegenüber dem damaligen „World Masters“ nicht geändert. Unsere fünf werden sich bestimmt nicht blamieren – und vielleicht dann doch ein Zero-Spiel in einem Casino wagen …

Letzte Bundesliga-Runde

Die vier Teilnehmer am Bundesliga-Final Four (30. November, Sporthalle Gmunden) stehen fest, nur die Positionen (und damit die Paarungen im Semifinale) noch nicht endgültig. Titelverteidiger Allianz Kukla Galaxy Tigers (diesmal kampffrei), UJZ Mühlviertel, LZ Multikraft Wels und ESV Sanjindo Bischofshofen sind fix in der Finalrunde dabei. Samstag empfängt Vienna Samurai in der letzten Runde des Grunddurchgangs Raika Pinzgau (Achtung: Lieblgasse), WAT Stadlau muss zu UJZ Mühlviertel nach Niederwaldkirchen.

Letzte (7.) Runde, Samstag, 18 Uhr: Vienna Samurai – Pinzgau, Mühlviertel – WAT Stadlau, Wels – Bischofshofen.

Foto: Die erfolgreichen Veteranen Reinhold Kurz (links) und Ernst Leidenfrost (mit ÖJV-Veteranen-Referent Christian Hackl in der Mitte) fliegen ins Spielerparadies Las Vegas - @privat

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