In der Prager „Blase“ um EM-Edelmetall

Was haben Österreichs Tennis-Ass Dominic Thiem und 358 Judoka gemeinsam? Zu einen, dass sie diese Woche in einer „O2-Arena“ auftreten; zum anderen, dass alle in einer so genannten „Blase“ ihrem Sport nachgehen. Thiem beim ATP-Finale in London, die Judoka aus 41 Ländern bei der schon viermal verschobenen EM der Allgemeinen Klasse. Die ab Donnerstag mit drei Wiener Judoka über die Matte geht: Magda Krssakova (JC Sirvan) am Freitag bis 63 Kilo, sowie am Samstag Marko Bubanja (Volksbank Galaxy Tigers) bis 90 Kilo und Stephan Hegyi (SC Hakoah) über 100 Kilo. Die EM beginnt am Donnerstag mit den leichten Gewichtsklassen.

Es ist sehr mühsam in Zeiten wie diesen. Die ursprünglich für Mitte April angesetzt gewesene EM wurde nach Ausbruch der Corona-Pandemie zunächst auf Anfang Mai, dann Juni und später auf 8. bis 10. November verschoben. Durch die hohen Infektionszahlen in Tschechien wurde sie noch einmal, eben auf diese Woche, verlegt. Aber jetzt steht die EM. Wie schon bei der U21 und U23 in Porec aber unter strengen Vorsorgemaßnahmen. „Wir dürfen nur einreisen, wenn wir zwei Negativ-Tests vorweisen können“, erzählt Krssakova. Nach der Ankunft gibt´s den nächsten Test, und dann muss man in der Bubble, also in der Blase, bleiben. Und darf sogar das Hotelzimmer nicht verlassen, bis der Negativ-Test bestätigt ist. „Beim Grand Slam in Budapest haben wir am Abend nach der Ankunft das Essen sogar ins Zimmer geliefert bekommen“, erzählt Krssakova, die schon mit etwas gemischten Gefühlen (übrigens am Dienstag im Privatauto) nach Prag fährt. „Einerseits sind wir froh, dass wir eine EM haben, andererseits aber ist die ganze Lage schon sehr schwierig und eigenartig.“

Die schwierige Lage – man weiß zwar, welche Judoka in der jeweiligen Gewichtsklasse genannt wurden, aber: Wenn nach der Ankunft jemand positiv getestet wird, heißt es Heimfahren! „Israel hat schon die komplette Damen-Mannschaft wegen eines internen Corona-Falls zurückgezogen, auch die Briten sind nicht in Prag“, weiß Magda. Dafür ist aber in ihrer Gewichtsklasse Olympiasiegern Tina Trstenjak aus Slowenien dabei, ebenso wie im Schwergewicht Lokalmatador Lukas Krpalek, Olympiasieger und Weltmeister aus Tschechien und ein möglicher Gegner unseres zweifachen EM-Medaillengewinners Hegyi. Wäre dann ein EM-Titel oder eine Medaille gleich viel wert wie bei jeder anderen EM? „Ja, sicher“, meint Magda, „weil es ein Bewerb ist von denen, die da sind und um die Medaillen kämpfen.“

Leider fehlen bei der EM, die übrigens erwartungsgemäß ohne Zuschauer und mit einer limitierten Zahl an Medienvertretern stattfinden wird, auch zwei Wiener: Johannes Pacher (bis 90 Kilo) wegen einer Ellbogenverletzung und Mathias Czizsek (bis 73 kg/beide Galaxy), der sich vor einer Woche bei der Unter-23-EM in Porec die Schulter lädiert hat.

EM-Zeitplan

Donnerstag, 19. November: Frauen bis 48 kg, bis 52 und bis 57 kg (u.a. mit Filzmoser/Wels); Männer bis 60 und bis 66 Kilo. – Freitag, 20. November: Frauen bis 63 (Krssakova) und 70 Kilo (u.a. mit Polleres/Wimpassing), Männer bis 73 und 81 kg. – Samstag, 21. November: Frauen bis und über 78 kg, Männer bis 90 (Bubanja), bis 100 und über 100 kg (Hegyi).

Foto: Beim Termin im Studio von Radio Wien und diese Woche bei der EM in Prag: die Wiener Judoka Magda Krssakova und Stephan Hegyi - @privat

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