Galaxy um den zehnten Titel

Beim Final Four der 1. Judo-Bundesliga am Samstag in der Raiffeisen-Arena Gmunden könnte es ein Jubiläum geben – denn der Wiener Serienmeister M&R Galaxy Judotigers kämpft um seinen zehnten Titel. Zunächst geht es im Semifinale gegen den Überraschungs-Aufsteiger PSV Salzburg, bei einem zu erwartenden Sieg entweder gegen LZ Multikraft Wels oder UJZ Mühlviertel, die im anderen Semifinale um den Finaleinzug kämpfen. Der Event in der prallvollen Gmundner Sporthalle ist wieder ein Schaulaufen internationaler Judostars, auch beim Wiener Titelverteidiger.

2011 hatten die Tigers in Straßwalchen mit einem denkbar knappen 7:6 gegen UJZ Mühlviertel den ersten Titel geholt, im Jahr danach daheim in Perchtoldsdorf aber das Finale verloren. Seite 2013 gab es acht weitere Titel, manchmal mit klaren Siegen, einmal (gegen Wels) nach einem 7:7 mit drei Entscheidungskämpfen. „Die 10 wäre schon etwas Schönes“, freut sich Galaxy-Sportchef Thomas Haasmann schon aufs Final Four. Der wieder (zum sechsten Mal) den tschechischen Schwergewichts-Star Lukas Krpalek – zweimaliger Olympiasieger, zweifacher Weltmeister, dreifacher Europameister – verpflichtet hat. Der 33-Jährige war aber zuletzt nicht in Bestform, schied bei der EM in Montpellier früh aus. Aber Haasmann glaubt: „Für Österreich im Schwergewicht ist er gut genug.“ Der zweite Superstar der Tigers, Europameister Denis Vieru (MDA / bis 66 kg) sagte ab, weil er (wie einige andere auch) sich schon für das nächstwöchige Grand Slam-Turnier in Tokio vorbereitet. Mit dem WM-Dritten Karamat Huseynov (AZE / bis 60 kg) soll aber noch ein prominenter Legionär um den Sieg „mittigern“. Soll deshalb, weil zwar alle möglichen Namen auf den Nennlisten stehen, aber man nicht weiß, wer am Ende aller wirklich kommt. „Da wird viel taktiert“, weiß der Galaxy-Coach.

Alle rechnen mit einem Galaxy-Finaleinzug gegen den Aufsteiger PSV Salzburg, dessen Trainer Ronny Tiefgraber weiß: „Galaxy ist klarer Favorit, aber wir wollen schon drei, vier Punkte machen.“ Die vier serbischen Stars der Salzburger sind diesmal nicht dabei – sie müssen mit ihren Teams zur selben Zeit in ihrer heimischen Meisterschaft kämpfen. Und wen erwartet Haasmann als Finalgegner? „Das ist völlig offen, steht aus meiner Sicht 50:50. Wir nehmen es aber, wie es kommt.“ Stars der Welser sind Österreichs Olympia-Dritter Shamil Borchashvili und Grand Slam-Sieger Aaron Fara, international verstärken sich die Oberösterreicher mit Salvador Cases Roca (ESP / Vize-Europameister 2023 bis 73 kg) und Richard Sipocz (HUN / bis 100). UJZ Mühlviertel meldet die Verpflichtung von 81-Kilo-Welt- und Europameister Matthias Casse (BEL). Mit Noel Van T´End (NED) und Marcus Nyman (SWE) sind ein weiterer Welt- und Europameister dabei. „Aber entscheiden werden dieses Final Four nicht die Legionäre, sondern die nationalen Duelle“, glaubt Haasmann. Der etwa auf Eigenbau-Judoka wie David Peritsch oder Mathias Czizsek und den Fünften der Unter-23-EM, Bernd Fasching, setzt. Der übrigens in Potsdam um EM-Bronze geprellt wurde. Sein Gegner im „kleinen Finale“ war nämlich beim entscheidenden Wurf verbotenerweise zuerst mit dem Kopf auf der Matte, hätte disqualifiziert werden müssen. Haasmann: „Es ist schon ein Unterschied, ob du Bronze holst oder Fünfter wirst.“

Die wichtigsten Final-Four-Fragen & Fakten auf einen Blick: – entnommen aus der ÖJV-Presseaussendung

  • Schafft Galaxy den 10. Jubiläumssieg? Das Bundesliga-Finalturnier wird zum bereits 8. Mal (seit 2014) im Raiffeisen-Sportpark ausgetragen. Nicht weniger als siebenmal blieb Titelverteidiger M&R Galaxy Tigers siegreich, 2021 behielt LZ Multikraft Wels die Oberhand. Im Vorjahr entschied im Finale zwischen den Tigers und UJZ Mühlviertel – bei je 7 Siegen – erst die bessere Unterwertung mit 70:64 Zählern für die Wiener, die ihren bereits 9. Final-Four-Erfolg feiern konnten. Samstag wäre für die Thomas-Haasmann-Schützlinge der 10. Titel möglich. Der Serienmeister setzt auf die Dienste von Doppel-Olympiasieger Lukas Krpalek (CZE/+100) und auf den WM-Dritten von 2021 Karamat Huseynov (AZE/-66). Rekord-Titelträger ist UJZ Mühlviertel (bislang 11 x siegreich).
  • Wie laufen die Duelle ab? Der Modus blieb unverändert und ist auch für Judo-Laien leicht nachvollziehbar. Pro Begegnung werden zwei Durchgänge à sieben Kämpfe (in den olympischen Gewichtsklassen -60, -66, -73, -81, -90, -100, +100) ausgetragen. Wer zuerst acht Siege auf seinem Konto hat, gewinnt. Bei Punktegleichheit entscheidet die Unterwertung (für einen Ippon-Sieg gibt’s zehn Zähler, für einen Erfolg mit Waza-ari werden sieben Punkte gutgeschrieben).
  • Sensation, ja oder nein? Aufsteiger PSV Salzburg schaffte völlig überraschend den Sprung unter die letzten vier Teams (mit 2 Punkten Vorsprung auf Lokalrivale ESV Sanjindo Bischofshofen/S). Die Mozartstädter müssen ausgerechnet im Finalturnier auf ihre starken serbischen Legionäre Aleksandar Kukolj, -100, Vize-Weltmeister 2021, Dosen Bojan, -100, 5. beim Masters, 3. beim Grand-Slam in Antalya, Milan Radulj, -90, Dritter der Junioren-Weltrangliste, EYOF-Sieger und Bosko Borenovic, -90, verzichten. Samstag, den 25.11., steigt auch in Serbien die Mannschafts-Meisterschaft – das Quartett hat PSV-Coach Ronnie Tiefgraber schweren Herzens abgesagt. Seine Einschätzung: „Siegchancen haben wir keine, erst recht nicht, weil wir auch ein paar Kranke zu beklagen hatten. Fix ist: Wir dürfen uns erstmals seit 27 Jahren wieder eine Bundesliga-Medaille abholen. Das macht uns stolz. Unser Ziel im Semifinale gegen Galaxy: Spaß haben und möglichst viele Siege – wenn geht: 3 oder 4 – einfahren.“
  • Wer bewahrt seine „weiße Weste“? Insgesamt 131 Bundesliga-Kämpfer wurden von den neun Vereinen in der Vorrunde eingesetzt, nicht weniger als 28 davon haben noch eine „weiße „Weste“. Die Kampf-Statistik wird von Bernd Fasching (M&R Galaxy Judo Tigers/W) mit 8 Siegen in 8 Kämpfen angeführt. Auf den Plätzen folgen Issa Naschcho (LZ Multikraft Wels/OÖ/7-1), Philipp Aust (PSV Salzburg/S), Florian Doppelhammer (UJZ Mühlviertel/OÖ) und der Weltranglisten-Erste (- 66 kg) Denis Vieru (MDA/M&R Galaxy Judo Tigers/W/jeweils 6-0). Auf die vier Finalisten verteilen sich die bislang ungeschlagenen Kämpfer wie folgt: M&R Galaxy Tigers 7 (Fasching 8 Siege, Vieru/MDA 6, Czizsek 5, Tsjkadoea/NED 4, Schalk 2, Mihovilovic, Wildner je 1), UJZ Mühlviertel 6 (Doppelhammer, Nyman/SWE je 6, Kanik 3, Van T End/NED 2, Allerstorfer, Huemer je 1), LZ Multikraft Wels 6 (Wachid Borchashvili, Ecker je 4, Cases Roca/ESP, Catharina/NED, Fara, Sipocz/HUN je 2) und PSV Salzburg 3 (Aust 6, Kukolj, Dosen/beide SRB je 2).
  • Mit oder ohne Dani? Mühlviertel-Schwergewichtler Daniel Allerstorfer wird vor Finalbeginn offiziell vom ÖJV-Nationalteam verabschiedet bzw. für seine Verdienste gewürdigt. Coach Martin Schlögl: „Wenn sich Dani am Samstag gut fühlt, wird er antreten, falls nicht, werden wir diese Entscheidung natürlich akzeptieren. Ich habe ihm versprochen, dass wir ihn sicher nicht umstimmen oder unter Druck setzen wollen.“
  • Wer hat die bessere Taktik? Die finale Aufstellung wird von allen Teams bis zuletzt geheim gehalten. Wer auf der Kaderliste aufscheint, muss nicht zwingend auch auf der Matte stehen. Die Chancen, dass bei Wels alle drei Borchashvili-Brüder (Kimran, Shamil, Wachid) zum Einsatz kommen, stehen gut. Auch mit dem Antreten von Grand-Slam-Sieger Aaron Fara (Wels) darf gerechnet werden. Von internationaler Seite haben sich Doppel-Olympiasieger, -Weltmeister Lukas Krpalek (CZE/-100/Galaxy), die Ex-Weltmeister Matthias Casse (BEL/-81), Noel Van T End (NED/-90), der zweifache WM-Dritte Marcus Nyman (UJZ) und der frühere Junioren-Vize-Weltmeister Simeon Catharina (NED/Wels) angesagt. Die drei serbischen PSV-Legionäre müssen ihren Vertrags-Verpflichtungen in der Heimat nachkommen und fallen allesamt aus.

Von Gmunden nach Tokio

Samstag trifft man sich zum Bundesliga-Final-Four Showdown im Raiffeisen-Sportpark von Gmunden (die Semifinal-Paarungen Galaxy – PSV Salzburg, Wels – UJZ Mühlviertel ab 13 Uhr, Eröffnung ab 17:00, Finale ab 17:30, ORF Sport + überträgt live ab 17:20), Sonntag fliegt man gemeinsam ins Judo-Mutterland Japan, genauer zum Grand-Slam in Tokio und anschließendem internationalen Trainingscamp. Es ist eine durchaus illustre (Judo-) Runde, die den Umweg übers Salzkammergut nicht scheuen und sich am Sonntag im Flugzeug nach Tokio bzw. dann im Kampfsport-Tempel Budokan wiedersehen: Doppel-Olympiasieger, 2-fach-Weltmeister Lukas Krpalek (CZE/+100, – in Gmunden für die Galaxy Tigers aus Wien am Start), die Ex-Weltmeister Matthias Casse (BEL/-81), Noel Van T End (NED/-90), der WM-Dritte Marcus Nyman (SWE/-90/alle UJZ Mühlviertel), Vize-Europameister Salvador Cases Roca (ESP/-73) und die heimischen Brüder Shamil sowie Wachid Borchashvili (-81/jeweils LZ Multikraft Wels/OÖ). Letzterer ist übrigens Österreichs einziger Starter beim prestigeträchtigen Grand-Slam in Tokio, dem letzten World-Tour-Turnier des Jahres (541 Aktive aus 88 Nationen!), Olympia-Medaillengewinner Shamil fliegt nur zu Trainingszwecken mit.

Wer am Samstag nicht nach Gmunden kommen kann – auf www.streamster.tv gibt es ab 12.55 Uhr die Semifinalkämpfe LIVE, ab 17 Uhr auch in ORF Sport+ (Beginn des Finalkampfes um 17.30 Uhr).

Foto: 2022 feierten die Galaxy Tigers ausgelassen ihren neunten Titel - folgt am Samstag der zehnte? - @Judo Austria / Oliver Sellner

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