„Ein Meilenstein für den ganzen Verein!“

Mit dem 8:6 über die Volksbank Galaxy Tigers stoppten die Judoka des LZ Multikraft Wels die Meisterserie der Wiener und holten ihrerseits den ersten Bundesliga-Titel seit 44 Jahren. Für Manfred Dullinger, seit über 20 Jahren Cheftrainer der Oberösterreicher, war es „ein Meilenstein für den ganzen Verein!“ Dass es diesmal zum Titel gereicht hat, war freilich und in erster Linie auf die Borchashvili-Brüder zurückzuführen. „Aber nicht nur“, sagt Dullinger, der vor dem Final Four sogar vom Meistertitel geträumt hatte. Und das Welser Judo-Urgestein Willi Reizelsdorfer, 1977 bei der ersten Meisterschaft auf der Matte dabei, weiß: „Das gibt uns, den Sponsoren, der Stadt und ganz Judo-Oberösterreich noch einen Motivationsschub.“ Lesen Sie alles über den neuen Meister!

1977 durften die Judoka der ASKÖ Wels erstmals über einen Staatsliga-Titel jubeln. Sie mussten damals gegen Passage Linz 9:5 gewinnen und siegten mit genau diesem Resultat. Der Jubel in der heute noch bestehenden Lichtenegger-Halle vor 1.000 Fans war groß. Und Willi Reizelsdorfer, 1974 Vize-Europameister bei den Junioren in Tel Aviv, sorgte mit einem Sieg über den damaligen Passage-Star Erich Pointner für den entscheidenden Punkt. Er erinnert sich: „Wir hatten damals mit Franz Mitter einen Manager, der für spektakuläre Aktionen sorgte und für unseren Verein eine Million Schilling an Sponsorengeldern herausholte. Wir waren eine Super-Truppe, etwa mit Robert Köstenberger, aber ich war der einzige echte Welser in der Mannschaft.“

Seither hat sich viel getan in Wels. Man trainiert und kämpft seit 15 Jahren nicht mehr in der alten Lichtenegger-Halle, sondern im schmucken Budokan. Mit „Multikraft“ wurde – nomen est omen – ein tatkräftiger Sponsor an Land gezogen, der Willi hatte großen Anteil an der sensationellen Karriere von Sabrina Filzmoser. Bisher hatte man ja Judo und Wels nur mit der zweifachen Europameisterin in Verbindung gebracht. Aber auch bei den Männern wurden Wels immer erfolgreicher. Vor zwei Jahren, beim Final Four 2019 in Gmunden, war man nach einem 7:7 und erforderlichen Stichkämpfen gegen die Galaxy Tigers schon nahe dran. Am Samstag gelang die Revanche mit dem 8:6 so eindrucksvoll, dass die Galaxy-Tigers den für ihre Judoka eingekühlten Sekt spontan in die Welser Kabine brachten. „Da habt´s, wir haben keinen Lust mehr auf Sekt“, sollen sie gesagt haben.

Und der Welser Chefcoach Dullinger, der in seiner aktiven Zeit zwar nie Staatsmeister wurde (zweimal Dritter), aber schon bald seine Liebe zum Trainerjob entdeckte, und der schon mit Olympia-Bronze von Shamil Borchashvili in Tokio ein kaum zu überbietendes Glückserlebnis erfahren hatte, saß da und freute sich nur. „Es war, als würde ein Stein vom Herzen fallen, den man nicht gleich aufhebt“, beschreibt Dullinger seine Gefühlswelt nach dem Finale. „Das wir verdient gewonnen haben. Ich will nicht überheblich sein – aber nach dem Sieg von Kimran Borchashvili über den Galaxy-Japaner Tatsuto Shima war ich mir sicher, dass uns heute der große Coup gelingen wird.“ Ein Coup, der nicht nur auf die Borchashvilis zurückzuführen ist. „Daniel Leutgeb etwa hat eine großartige Leistung gezeigt, andere auch. Natürlich sind es die drei Brüder, die die Grundlage für unseren Erfolg waren. Aber nicht nur sie“, so der Welser Coach. „Ich denke, wir sind richtig zusammengewachsen.“

Er, Dullinger, habe noch nie einen Menschen gesehen, der so konsequent wie Shamil für seinen sportlichen Erfolg gearbeitet hat. „Mit einer unglaublichen Akribie, mit einer unglaublichen Härte zu sich selbst. Er studiert seine möglichen Gegner, auch Techniken aus anderen Gewichtsklassen. Und er trinkt keinen Tropfen Alkohol, ist ein Super-Vorbild.“ Ein Vorbild für alle jungen Judoka. Doch leider bleibt auch Multikraft Wels nicht von der COVID-Pandemie verschont. „Vor Corona waren beim Training zwischen 25 und 35 Schüler, jetzt sind es nur 6 bis 8.“ Und ab Montag wegen des Lockdowns gar keiner mehr. Wenn etwas den Jubel über den ersten Meistertitel trüben kann, dann ist es dieser Virus. Dullinger: „Die Situation ist leider sehr schlimm“. Nicht nur in Wels …

Foto: Die Judoka des LZ Multikraft Wels jubeln über ihren ersten Meistertitel seit 44 Jahren. - @Judo Austria / Oliver Sellner

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