Teddy unsterblich!

Spätestens jetzt ist der „Judo-King“ unsterblich! Teddy Riner holte am Freitag, dem letzten Tag der Einzelbewerbe, in der Klasse über 100 Kilo das erste und einzige Olympia-Gold für Frankreich und machte sich damit zum dreifachen Olympiasieger im Einzel! Im Finale schlug der 35-Jährige den regierenden Weltmeister Min-Jong Kim (KOR) 16 Sekunden vor Ende der regulären Kampfzeit mit einem herrlichen Ippon. Seine Landsfrau Romane Dicko holte über 78 Kilo nur Bronze. Gold ging sensationell an die Brasilianerin Beatriz Souza.

Riner musste zum Auftakt gegen Magomedomar Magomedomarov (UAE / 15) in den Golden Score und siegte mit dem dritten Shido seines Gegners. Im Viertelfinale warf er den georgischen Olympia-Zweiten von Tokio, Weltmeister 2018 und Vize-Weltmeister 2024, Guram Tushishvili, klar mit Ippon (Tani-otoshi). Daraufhin attackierte der Georgier den Publikumsliebling tätlich, wurde zusätzlich mit Hansokumake bestraft und für die Trostrunde disqualifiziert. Im Semifinale hatte Riner mit dem Tadschiken Temur Rakhimov keine Probleme und erreichte – wie erhofft – mit einem wunderschönen O-soto-gari (Ippon) das Finale.

Im Kampf um Gold war der an Nummer 1 gesetzte, regierende Weltmeister aus Korea der etwas aktivere Judoka, aber Riner wartete geduldig auf den richtigen Moment – der kam exakt 16 Sekunden vor dem Ende. Ein herrlicher Körperwurf (Harai-goshi) des 2,05 Meter großen Franzosen ließ die Champ-de-Mars-Arena zum Tollhaus werden. Schon während des Kampfes gab es nicht nur Teddy-Sprechchöre, sondern auch echte Länderkampf-Stimmung, die auch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron miterlebte. Sein emotionaler Jubel machte deutlich, wie groß der Druck auf Riner gelastet haben muss. Mit dieser Goldmedaille, der dritten im Einzel nach 2012 und 2016, und einer im Mixed (2021) sowie zweimal Bronze (2008 und 2021) überflügelte er auch den großartigen einstigen Schwergewichtler Angelo Parisi.

Und das soll´s auch noch nicht gewesen sein. Denn Riner kündigte – oder drohte? – an, vielleicht auch noch 2028 in Los Angeles dabei sein zu wollen. Der Super-Star, der eine Woche vor seinem Triumph bei der Eröffnung der Spiele von Paris die olympische Flamme entzünden durfte, gibt sich auch sonst als sympathischer Zeitgenosse. Als ihn vor dem Finaltag ein französischer Reporter fragte, wer für den Olympiasieg im Schwergewicht in Frage käme, antwortete Teddy lapidar. „Ich!“ Der in Guadeloupe geborene Teddy sollte Recht behalten. Er lieferte – außer im mühevoll gewonnenen ersten Kampf eine Show ab! Jetzt ist Riner nicht nur in Frankreich unsterblich!

Es sollte aber das einzige Judo-Gold der „Grande Nation“ sein – denn bei den Frauen über 78 Kilo verlor die klare Favoritin Dicko (Nummer 1) im Semifinale gegen die Brasilianerin Souza (5), die später mit einem Waza-ari-Sieg über Raz Hershko (ISR/2) sensationell Olympia-Gold holte. Und Japan? Nicht einmal eine Medaille, nur die Ränge 5 und 7 – enttäuschend.

Mit Gold und Bronze am letzten Tag stürmte Frankreich (1/2/6) in der Medaillenwertung noch auf Rang 3 hinter Japan (3/1/3) und Aserbaidschan (2/0/0). Österreich wurde in der Nationenwertung, in der auch fünfte und siebente Plätze zählen, dank Bronze für Michaela Polleres (bis 70 Kilo) und Rang 5 für Lubjana Piovesana (bis 63 Kilo) 21. unter 122 teilnehmenden Ländern.

Am letzten Tag der Einzel-Bewerbe ist kein ÖJV-Judoka im Einsatz. Österreich startet aber am Samstag im Mixed-Bewerb, ist allerdings gegen Deutschland nur Außenseiter.

Foto: Teddy RINER wirft im Finale Min-Jong KIM Harai-goshi Ippon - @IJF / Gabriela Sabau

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