Zum Judo „verdammt“

Endlich! Im fünften Anlauf auf einen Podestplatz machte er seine erste internationale Medaille – Magamed Borchashvilli holte am Samstag bei der Unter-23-EM in Pila (POL) Bronze in der Klasse bis 81 Kilo. Der Jüngste aus dem Wiener „Borchashvilli-Clan“ ist schon 15 Jahre bei den Galaxy Tigers. Und war als Nesthäkchen in der Familie zum Judo „verdammt“ …

Die vier bisher verpassten Chancen auf Edelmetall – zwei davon heuer, bei den European Open in Madrid (Niederlage gegen Hievorh Manukian / UKR) und Sarajevo-Pale (Niederlage gegen Botond Toth / HUN) – hätten ihn vor dem entscheidenden Kampf schon sehr beschäftigt. „Du denkst einfach: Bitte, nicht wieder Fünfter!“ Aber Magamed behielt die Nerven, bezwang den Tschechen Petr Mlady und war danach erleichtert: „Es war, als fiele mir ein Stein vom Herzen“, lachte der 21-Jährige, dem seine Teamkollegen und Trainer sofort gratulierten. Der erste Podestplatz bei einem internationalen Großereignis war fixiert!

Magamed begann als Sechsjähriger bei den Galaxy Tigers, und Klubtrainer Thomas Haasmann erinnert sich: „Er war ein fauler Hund. Aber seit gut zwei Jahren ist er voll dabei, und ich sehe in Magamed großes Potenzial“, sagt sein Heimtrainer. Im Oktober hat Borchashvilli in Feldkirchen seinen ersten Staatsmeistertitel in der Allgemeinen Klasse geholt, jetzt Bronze bei der Unter-23-EM. Eine Medaille, die sein Klubkollege und 81-Kilo-„Rivale“ Bernd Fasching im Vorjahr als Fünfter verpasste. „Aber die interne Konkurrenz tut beiden gut, das sieht man“, sagt Haasmann, der sich über die Medaille seines Schützlings sehr gefreut hat. „Er ist stark, weil er vielseitig werfen kann“, sagt er. Tadelt ihn aber auch: „Taktisch macht er noch zu viele Fehler.“

Was auffiel: Magamed entschied einige seiner vier gewonnenen Kämpfe am Boden. Allerdings verlor er auch im Semifinale im Ne-waza. Haasmann erwartet sich „sehr viel vom neuen Südstadt-Trainer Jozef Krnjac – er ist Bodenspezialist.“ Der Neue im ÖJV-Trainerteam hat 2004 in Athen Olympia-Silber bis 66 Kilo geholt und war zuletzt in seiner slowakischen Heimat Junioren-Nationaltrainer. „Er kann uns sicher weiterhelfen, vor allem bei Übergangs-Techniken Stand-Boden“, sagt der Galaxy-Coach.

Davon soll auch Magamed profitieren. Das Küken der Wiener Borchashvillis – die nichts mit den Welsern Shamil und Wachid Borchashvili (der übrigens seine Karriere beendet) zu tun haben (sie schreiben sich nur mit einem „l“) – hat im eigenen Haus zwei starke Brüder: den um zwei Jähre älteren Schwergewichtler Movli und Adam, der im Dezember 28 Jahre wird und sich jetzt, nachdem der Papa in der Corona-Zeit leider verstorben ist, um die tschetschenisch abstämmige Familie kümmert. „Als Jüngster hatte ich es immer schwer“, sagt der in Wien geborene Magamed. „Natürlich haben mich meine Brüder zum Verein gebracht.“ Magamed Borchashvilli – er war zum Judo „verdammt“ …

Wie geht es jetzt weiter? Schon morgen, Montag, beziehen die Judoka der Allianz Kukla Galaxy Tigers ein zehntägiges Höhen-Camp im Tiroler Kühtai, am 30. November das Final Four in Gmunden, und schon am Montag darauf fliegen Magamed, Movli und Bernd bis kurz vor Weihnachten zum Training nach Japan. Apropos Fasching: Sein Sehneneinriss im Unterarm ist scheinbar gut verheilt. Haasmann lässt aber offen, ob der „Mister Bundesliga 2023“ schon in Gmunden auf die Matte steigt.

Während das achtköpfige ÖJV-Team am Sonntagmorgen die 800 Kilometer lange Heimreise antrat, kämpfen in Pila, der polnischen Industriestadt, noch die Mixed-Teams der Unter-23-Jährigen um EM-Medaillen. Insgesamt elf Nationen haben für diesen abschließenden EM-Bewerb genannt, den Georgien mit einem 4:3 im Finale gegen die Ukraine gewann. Bronze ging an die Niederlande (4:1 gegen Rumänien) und Deutschland (4:1 gegen Israel).

Foto: Die Teamkollegen waren die ersten Gratulanten des EM-Bronzenen Magamed BORCHASHVILLI - @EJU / Gabi Juan

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