Ein „Mohikaner im Mekka“

Man sagt, es sei das „Mekka des Judosports“. Was Wimbledon im Tennis, die Kitzbüheler Streif den Abfahrtshelden oder das Maracana-Stadion in Rio den Fußballern bedeutet, das ist Paris für die Mattenfüchse. Nicht weniger als 621 Judoka aus 107 (!) Ländern stehen beim ersten Grand Slam-Turnier des jungen Jahres noch bis Sonntag auf den Matten der Accor-Arena im Event-Palast Bercy. Aber nur einer von ihnen kommt aus Österreich: Wachid Borchashvili kämpft Samstag in der Klasse bis 81 Kilo um wichtige Punkte für die Olympia-Qualifikation. Die anderen ÖJV-Asse sind danach nur beim anschließenden Trainingslager dabei. Eigentlich schade! So bleibt der Welser der (letzte) „Mohikaner im Mekka“.

Der Starauflauf im Omnisport de Bercy, das jetzt „Accor-Arena“ heißt, ist gewaltig. Angeführt von den beiden französischen Super-Assen Clarisse Agbegegnou (bis 63 Kilo) und Teddy Riner (über 100 Kilo) sind auch die Japaner (mit Ausnahme der Gold-Sisters Uta und Hifumi Abe) in Bestbesetzung dabei. Etwa Joshiro Maruyama, der am ersten Tag im Semifinale in einem Duell zweier Weltmeister den Koreaner An Baul bezwang (aber das Finale verlor), oder bei den Frauen bis 78 Kilo, wo Olympiasiegerin Shori Hamada und Weltmeisterin Mami Umeki um das eine freie Olympia-Ticket rittern, oder der belgische Weltmeister Matthias Casse (bis 81 Kilo), oder, oder, oder …

Sei´s drum. Nach dem erfolglosen Grand Prix in Odivelas (keine Platzierung) werden die ÖJV-Asse, auch die veredelten Olympioniken Michaela Polleres (bis 70 kg) und Shamil Borchashvili (bis 81 kg) erst beim nächsten Grand Slam in zwei Wochen in Baku auf die Matte steigen. Dort gibt es gleich viele Punkte fürs Ranking wie in Paris, aber es wird dort wohl „einfacher“. Shamils Bruder Wachid hingegen ist schon an diesem Samstag in Bercy dabei und zog in der 81-Kilo-Klasse ein „günstiges“ Los. Kell Berliner (USA) ist die erste Hürde, Abylaikhan Zhubanazar (KAZ) wäre die zweite, und dann müsste noch ein Gesetzter geschlagen werden, um unter die Platzierten zu kommen. „Ich fühle mich gut in Form“, versicherte Wachid vor seinem ersten Wettkampf-Auftritt im neuen Jahr.

Gastgeber Frankreich dominierte den ersten Tag in Paris – drei von fünf möglichen Klassensiegen! Shirine Boukli (bis 48 kg), Luka Mkheidze (bis 60 kg) und sensationell Faiza Mokdar mit ihrem ersten Sieg auf der World Tour (Ippon im Finale bis 57 kg gegen die Nummer 1 der Welt, Christa Deguchi aus Kanada) ließen die Marseillaise ertönen, dazu gesellten sich Takeshi Takeota (bis 66 kg / JPN – die Nummer 69 der Welt, schlug Maruyama im Golden Score) und Distria Krasniqui (bis 52 kg), die kosovarische Olympiasiegerin und Weltmeisterin. Frankreich (3/0/1) führt daher nach dem ersten Tag die Medaillenwertung vor Japan (1/2/2) und dem Kosovo (1/0/0) an.

Übrigens ist das Grand Slam-Turnier nur eine bedingte Olympia-Generalprobe. Auch wenn die judobegeisterten Franzosen bei den Spielen Judo wohl lieber in Bercy gesehen hätten, vor eine Kulisse von mehr als 15.000 Fachleuten (90 Prozent der Zuschauer sind selbst Judoka), wird bei Olympia in der neuen Champs de Mars-Arena beim Eiffelturm, wo nur knapp mehr als 8.000 zuschauen können, um Edelmetall gekämpft. Das IOC zog Turnen und Basketball in Bercy dem Judo vor. Apropos: Es ist nicht leicht, noch zu Tickets für die olympischen Judobewerbe zu kommen. Es gibt hierzulande auch keine organisierte Aktion. Die Tickets werden zudem separat für die Vorrunden und den Finalblock vergeben und es könnte sein, dass man für einen Tag, an dem zum Beispiel ein ÖJV-Judoka in der Vorrunde ausscheidet, Final-Tickets zugeteilt bekommt oder aber (was uns, wenn schon, lieber wäre) einen ÖJV-Athleten in der Vorrunde sieht, der/die sich für den Finalblock qualifiziert – aber für diesen hat man dann keine Karten. In Bercy, mit 16.000 Kapazität, wäre das alles leichter gegangen …

Alle Ergebnisse aus Paris findet ihr hier.

Foto: Wachid BORCHASHVILI ist am Samstag der einzige rot-weiß-rote "Mohikaner im Judo-Mekka" - @Judo Austria / Oliver Sellner

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