Die Mama als Coach

Für die Wienerin Laura Kallinger (Judoring Wien) ist das European Open in Tallinn (EST) am Wochenende ein besonderes Turnier. Nicht, weil sie erstmals als Turniersiegerin – sie gewann Ende März den Europacup in Dubrovnik bis 57 Kilo – auf die Tatami steigt, sondern, weil sie von Mama Sandra gecoacht wird. „Das wird ein Familienausflug“, lacht die 23-Jährige, „weil auch der Papa mitfliegt!“ Kallinger ist am Sonntag als Nummer 3 gesetzt.

„Es ist ein Anfang“, hatte die Architekturstudentin nach ihrem ersten Turniersieg vor zehn Wochen in der kroatischen Adria-Metropole gemeint. Seither hat sie ihre Zeit vor allem in Trainingslager investiert. In Benidorm, Valencia und zuletzt in Graz. „Ich habe den Eindruck, dass etwas weiter geht“, habe sie in ihren vielen Randoris Fortschritte festgestellt. „Jetzt gilt es, das im Wettkampf umzusetzen. Natürlich ist die Qualität in einem European Open höher einzuschätzen als beim Europacup. 17 Judoka haben bis 57 Kilo genannt, Laura ist als Nummer 3 gesetzt. „Wer kommt, interessiert mich erst nach der Auslosung.“

Wie kommt es, dass Mama Sandra Kallinger, einst selbst Nationalteam-Judoka, in Tallinn aus der Trainerbox coachen wird? „Es ist niemand da, deshalb kommt sie als mein Coach mit. Ich freue mich schon riesig drauf!“ Dass Laura momentan keinen eigenen „Home-Trainer“ hat, stört sie nicht. „Ich trainiere viel in der Südstadt und mit dem Nationalteam. Jozef Krnac nimmt sich viel Zeit für mich“, sagt Laura, die sich auch über die beiden Unter-21-Siege von Leonie Bayr und Marlene Schinwald am vergangenen Wochenende in Graz freut. „Echt cool, was die beiden Mädels abgeliefert haben.“ Sie selbst hat nur einmal in Graz gekämpft, ist als Fünfte nur knapp an einer Medaille vorbei geschrammt.

Unmittelbar nach dem European Open in Tallinn kommt Kallinger ins Trainingslager (OTC) nach Porec, wo sich auch der Unter-18-Kader für die EM Ende Juni auf Gran Canaria vorbereitet. Danach wird Laura noch beim European Open in Prag in zwei Wochen auf die Matte steigen.

Schon am Samstag ist in Tallinn mit Phillip Aust (JC Klosterneuburg / bis 73 Kilo) ein weiterer ÖJV-Judoka im Einsatz. In der Gewichtsklasse des 22-Jährigen werden 44 Judoka auf die Matte steigen.

Foto: So will Mama Sandra ihre Laura KALLINGER in Tallinn sehen: fokusiert auf den Kampf - @EJU / Gabi Juan

Ähnliche Beiträge

  • Alles im Bilde

    Linz ist gerüstet! Donnerstag (14 Uhr) erfolgt die Auslosung, von Freitag bis Sonntag gibt´s das Spektakel auf den drei Matten der Tips-Arena – und alles ist am Wochenende im Bilde. Denn der ORF zeigt die Finalblöcke des Grand Prix an allen drei Tagen, und im Live-Stream auf „judotv.com“ kann man schon die Vorrunden sehen. Über…

  • Die „Gräfin“ feiert in Tiflis ein Comeback

    Sie ist wieder da! Bernadette Graf (Bild) kehrt Ende März (26. bis 28.) beim Grand Slam in Tiflis (GEO) auf die internationalen Judomatten zurück. Die lange verletzte Tirolerin, Olympia-Fünfte von Rio 2016 und vierfache EM-Medaillengewinnerin, feiert nach einjähriger Pause ihr Comeback in der Klasse bis 78 Kilo. Derzeit ist die „Gräfin“ als 16. im IJF-Ranking…

  • Leben als Leistungssportler

    Aus der Sicht eines Leistungssportlers Das Leben als Judokämpfer ist nicht immer einfach, besonders wenn die Ambitionen da sind, irgendwann einmal an die Spitze zu kommen. „Gewichtmachen“, Ernährung, tägliches Training neben Alltag und Schule – das alles ist keine leichte Aufgabe! Zu diesen Themen und mehr spricht der ehemalige Spitzensportler Marcel Ott. Seine Erfahrungen sind…

  • Um die letzte Chance

    Einige ÖJV-Talente sind schon fix für die Kadetten-EM Ende Juni in Skopje qualifiziert, aber noch niemand aus Wien. Das soll sich am Wochenende in Teplice ändern. Eine Platzierung ist Pflicht, denn der Unter-18-Europacup in Tschechien ist auch schon die letzte Chance, noch ein EM-Ticket zu buchen. Dabei hat Wien einige aussichtsreiche Starter! Zeitgleich findet in…

  • Die 80er-Jahre – das „Goldene Jahrzehnt“

    Im zweiten Teil unserer Serie über die Olympia-Geschichte im Judo befassen wir uns heute mit dem „Goldenen Jahrzehnt“ – die 80er-Jahre brachten den ersten, historischen Olympiasieg im Judo für Österreich und eine erfolgreiche Titelverteidigung, sowie eine Bronzemedaille. Und auch bei den Frauen, die 1988 als Vorführbewerb in Seoul dabei waren, gab es Edelmetall. Und abseits…

  • Olympia – wer die Wahl hat, hat die Qual

    Olympische Spiele sind das Treffen der weltbesten Sportler in vielen Sportarten. Im Judo ist es etwas anders. Denn pro Gewichtsklasse darf pro Land nur ein Judoka auf die olympische Matte. Also keine zwei Japaner, keine zwei Franzosen, keine zwei Koreaner, keine zwei Russen. Damit schadet sich der Judosport selbst und wertet das vielleicht einzige und…