Mit den Schwergewichten wird am Samstag die 43. Judo-WM in Baku in den Einzelbewerben abgeschlossen, Sonntag folgt noch der Mixed-Bewerb, in dem Österreich auf Gastgeber Aserbaidschan trifft. Dank der Silbermedaille von Michaela Polleres (bis 70 Kilo) ist es die fünftbeste aller Weltmeisterschaften für Rot-Weiß-Rot. Jetzt erhofft man sich im ÖJV einen neuen Judo-Boom und auch, dass der Grand Prix in Linz bestehen bleibt. Für Japan gab es am Samstag kein Gold mehr – mit sieben Titeln war es aber eine sehr erfolgreiche WM.
Was so eine Medaille wie jene von „Michi“ bewirken kann! Zwar wird die Niederösterreicherin am kommenden Donnerstag bei der Bekanntgabe der „Sportlerin des Jahres“ nicht aufscheinen, weil die Wahl schon geschlagen ist und die Medaille daher nicht mehr berücksichtigt werden konnte, aber der Erfolg wird für die nächste Wahl „konserviert“. Und Polleres hat ja 2027 (noch rechtzeitig vor der Wahl) bei der WM in Astana (KAZ / 7. bis 13. Juni) noch die Chance, das Baku-Ergebnis zu toppen. „Michi war so knapp am ersten WM-Gold seit 41 Jahren dran, aber auch Silber hilft uns natürlich weiter“, sagt ÖJV-Präsident Martin Poiger.
Vor allem bei der Fixierung des Linzer Heim-Grand Prix 2027 von 12. bis 14. März. „Wir sind mit unseren Förderern in guten Verhandlungen“, sagt Poiger. „Das Land Oberösterreich ist wieder dabei, jetzt geht es noch um die Zusage aus dem Ministerium. Wir hoffen, in den nächsten Wochen alles zu finalisieren“, sagt der Verbands-Boss. Das Budget eines solchen Turniers beläuft sich auf rund 1,1 Millionen Euro. „Michi hat heuer in Linz gewonnen und als erste Österreicherin nach 21 Jahren ein WM-Finale erreicht, in dem sie Silber gewonnen und nicht Gold verloren hat“, sagt Poiger. „Das gibt sicher Impulse auch in der Öffentlichkeit.“
Durch diese Silberne wurde die WM 2026 in Aserbaidschans Metropole zur fünftbesten in der ÖJV-Geschichte. Uneinholbar freilich die Frauen-WM 1980 in New York mit drei Goldenen für Edith Hrovat (bis 52 Kilo), Gerda Winklbauer (bis 56 Kilo) und Edith Simon (bis 66 Kilo). Österreichs vierten WM-Titel gab´s 1985 durch Peter Seisenbacher in Seoul (bis 86 Kilo). Besser als Baku 2026 waren zwei Weltmeisterschaften mit je zwei Medaillen für Rot-Weiß-Rot – 1984 bei den Frauen in Wien gab´s Silber für Hrovat und Bronze für Winklbauer, 2005 in Kairo Silber für Ludwig Paischer (bis 60) und Bronze für Sabrina Filzmoser (57).
Österreichs erfolgreichste Judo-Weltmeisterschaften
| JAHR | ORT | GOLD | SILBER | BRONZE |
|---|---|---|---|---|
| 1980 | New York | 3 | 0 | 0 |
| 1985 | Seoul | 1 | 0 | 0 |
| 1984 | Wien | 0 | 1 | 1 |
| 2005 | Kairo | 0 | 1 | 1 |
| 2026 | Baku | 0 | 1 | 0 |
Höllwart, Borchashvilli ausgeschieden
Für die beiden ÖJV-Judoka kam am Samstag das schnelle Aus. Movli Borchashvilli (Galaxy Judozentrum NÖ) verlor nach nur 29 Sekunden gegen Akira Nakajima (UGA) mit Ippon. Movli setzte einen Seoi-Nage an, Nakajima blockte und legte den Österreicher auf den Rücken. Auch die Nummer 71 bei den Frauen war gegen die Nummer 7 chancenlos – Maria Höllwart (Sanjindo Bischofshofen) schied in der Klasse über 78 Kilo gegen Helena Vukovic (CRO) mit Yuko (O-uchi-gari) aus. Die Salzburgerin stand mit zwei Shido-Strafen auch schon mit dem Rücken zur Wand. Damit war die WM im Einzel für beide rot-weiß-rote Judoka beendet.
Kein Japan-Gold am Schlusstag
Am letzten Tag der Einzelbewerbe kam kein Gold mehr für Japan dazu – es bleibt bei unglaublichen sieben. Das Männer-Finale über 100 Kilo bestreiten Favorit Inal Tasoev (RUS) und Lokalmatador Ushangi Kokauri, der für Aserbaidschan das zweite Gold holen könnte. Und bei den Frauen über 78 Kilo sind es Hyeonji Lee (KOR) und Romane Dicko (FRA). Beide könnten für den ersten Titel ihres Landes bei dieser WM sorgen. Der Finalblock ist wieder live ab 16 Uhr MESZ in ORF Sport+ zu sehen.
Mixed mit Wienerin Laura Kallinger
Am Sonntag beschließt der Mixed-Bewerb die WM 2026 – Österreich trifft dabei zum Auftakt auf das Gastgeber-Land Aserbaidschan, das im Einzel sieben Medaillen eroberte und klarerweise Favorit ist. Schon vor acht Jahren, auch in Baku, gab´s dieses Duell, Österreich verlor 1:4. Ehrenpunkt? Richtig – Michi Polleres! Sollte Österreich gewinnen, ginge es gegen Japan, das übrigens eine Rechnung offen hat. Nach etlichen Finalsiegen über Frankreich verlor Japan 2025 gegen den späteren Mixed-Weltmeister Georgien mit 2:4.
Für die 57-Kilo-Klasse wurde die Wienerin Laura Kallinger (Judoring Wien) eingeflogen. Übrigens genau zu jenem Zeitpunkt am Donnerstag, als Michaela Polleres ins Finale stürmte und dort Silber holte. „Das war eine freudige Überraschung, als ich nach der Landung in Baku von Michi´s Silber erfuhr“, lachte Laura.
Foto: Michaela POLLERES (rechts) beim Shakehands mit der neuen Weltmeisterin Ai TSUNODA ROUSTANT - @IJF / Tamara Kulumbegashvili
