Abschied in Prag

Dort, wo sie vor sechs Jahren mit dem Vize-EM-Titel ihren wohl größten sportlichen Erfolg gefeiert hat, wird sie – auf internationaler Tatami – ihr letztes Turnier bestreiten. Die Wienerin Magdalena Krssakova (JC Sirvan) beendet mit dem European Open in der tschechischen Metropole ihre mehr als 15 Jahre dauernde Judo-Karriere. „Es ist der richtige Zeitpunkt“, sagt die 32-Jährige, die nun in Linz lebt und ab Herbst im dortigen Stützpunkt für den ÖJV arbeiten wird.

Ihre erste internationale Medaille machte die am 3. März 1994 geborene Magda 2010 mit Bronze bei der Kadetten-EM in Teplice. Es folgte drei Jahre später Bronze bei der Junioren-EM in Sarajevo. Und 2017, nach drei Top-7-Platzierungen, gelang ihr in Tiflis der erste Grand Prix-Sieg, dem 2018 zwei weitere (in Antalya und Cancun) folgen sollten. 2020 stürmte sie in Prag bis ins EM-Finale bis 63 Kilo, wurde Zweite und qualifizierte sich für die Olympischen Spiele in Tokio, bei denen Krssakova im Achtelfinale, einen Kampf „zu früh“, verlor und leider unplatziert ausschied.

Die ehrgeizige Wienerin wollte es noch einmal wissen, ein zweites Mal zu Olympia. Aber da bekam sie durch die Einbürgerung der Britin Lubjana Piovesana eine interne Konkurrentin, an der sie letztlich scheiterte. Die Austro-Britin, die durch die Liebe zu Laurin Böhler nach Vorarlberg gezogen war und Österreicherin wurde, setzte sich in der Olympia-Qualifikation für Paris 2024 durch – und bestätigte ihre Olympia-Teilnahme mit einem ausgezeichneten fünften Platz.

Magda, lange verletzt, versuchte fast zwei Jahre nach der WM 2024 in Abu Dhabi (in der zweiten Runde ausgeschieden) ein Comeback. Beim Grand Prix in Linz, heuer im März, war im Achtelfinale Endstation, ebenso wie danach bei den European Open in Warschau und Benidorm. Nach der langen Pause war Magda in die 70 Kilo-Klasse gewechselt, wo es für sie aber auch nicht leichter wurde. Denn in dieser Gewichtsklasse kämpft die zweifache Olympia-Medaillengewinnerin Michaela Polleres, ihre beste Freundin.

„Mein Rücktritt hat nichts damit zu tun“, sagt Krssakova. „Ich habe mich nach meinen beiden Knie-Operationen und einer schwierigen Zeit wirklich gut zurück gekämpft, bin top-fit und werde ab September in das ÖJV-Trainer-Entwicklungsprogramm in Linz einsteigen. Dort werde ich sicher viel lernen und versuchen, mich auch als Coach gut zu schlagen. Die Vorfreude ist jedenfalls schon heute groß.“

Dort, wo sie mit EM-Silber 2020 ihren größten Erfolg feierte, heißt es, begleitet von ihrem Langzeit-Trainer Amjad Karimyan, Abschied nehmen. „Es ist der richtige Zeitpunkt für mich – ich freue mich auf neue Herausforderungen. Ich habe im Alter von acht Jahren mit dem Judo begonnen, seither war ich aktiv“, sagt Magda. „In Prag werde ich ein letztes Mal auf die Matte gehen. Es wird sicher emotional.“ Dickes Lob kommt von ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch: „Magda war eine Muster-Athletin, wie du sie dir als Trainer nur wünschen kannst. Sie hat immer alles gegeben, musste schwere Verletzungen verkraften. Nebenbei hat sie auch schon eine komplette universitäre Ausbildung absolviert – das sagt alles. Schön, dass Magda jetzt ihre Trainerlaufbahn beginnt. Wir freuen uns auf sie.“ Davor wird Magda im Sommer in Tirol eine Woche wandern gehen – mit Freundin „Michi“ …

Übrigens: Beim European Open in Prag werden 24 rot-weiß-rote Judoka auf die Tatami steigen. Neben Krssakova sind noch zwei Wienerinnen dabei: Jacqueline Springer (Vienna Samurai) gibt nach einjährige Pause ihr Comeback (bis 48 Kilo), auch Laura Kallinger (Judoring Wien / bis 57 Kilo), im März Siegerin in Dubrovnik, kämpft um eine weitere Platzierung.

Foto: Hängt nach dem Turnier in Prag den Judogi an den Nagel: Magdalena KRSSAKOVA - @Judo Austria / Oliver Sellner

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