So wie – „Ihre Sorgen möchten wir haben“

Fünf Einzel-Goldmedaillen haben Japans Judoka bei der Weltmeisterschaft vergangene Woche in Budapest geholt, aber keine(r) von ihnen darf in eineinhalb Monaten in ihrer Heimat auf die olympische Matte. Denn Japan hat in jeder Gewichtsklasse noch bessere Athleten als die fünf aktuellen WeltmeisterInnen. Ein Luxus. Eine österreichische Versicherung würde sagen: „Ihre Sorgen möchten wir haben!“

Diese fünf Top-Judoka können sich daheim vor den Fernseher setzen oder sich Judo auf der Urlaubsinsel Okinawa im Flimmerkasten geben. Allesamt Weltmeister von Budapest 2021 …

Joshiro Maruyama – bis 66 kg: Der Weltmeister von 2019 und 2021 hat im Winter den intern festgelegten Qualifikationskampf gegen den Weltmeister von 2017 und 2018, Hifumi Abe, nach 24 (!) Minuten verloren. Jetzt steigt Abe in Tokio auf die Matte – und es gibt nicht wenige, die Maruyama mehr Chancen einräumen würden.

Kokoro Kageura – über 100 kg: Auch hier sagen viele, dass Kageura die bessere Lösung als Hisayoshi Harasawa sein würde. Immerhin hat Kageura im Februar 2020 beim Grand Slam in Paris die zehnjährige Siegesserie von Frankreichs Superstar Teddy Riner beendet. Harasawa war zwar Olympia-Zweiter 2016 in Rio (hinter Riner), aber noch nie Weltmeister. Und bei der WM 2017, auch in Budapest, hat er sogar in der ersten Runde verloren – und zwar gegen den damals 18-jährigen Wiener Stephan Hegyi.

Natsumi Tsunoda – bis 48 kg: Ihre interne Rivalin Funa Tonaki ist die Nummer 1 in Japan, war Weltmeisterin 2017 und Vize-Weltmeisterin 2018 und 2019. Daher keine Chance für Tsunoda – trotz WM-Gold 2021.

Ai Shishime – bis 52 kg: Die Goldmedaille vorige Woche in Budapest mag ein Trost sein für Shishime – denn kaum jemand zweifelt daran, dass Uta Abe Ende Juli in Tokio Olympia-Gold in dieser Klasse holen wird.

Sarah Asahina – über 78 kg: Sie muss in Tokio ihrer Vorgängerin als Weltmeisterin, Akira Sone, den Vortritt lassen. Mit der Final-Leistung von Budapest hätte sich aber Asahina sowieso nicht für Olympia empfohlen.

Fünf Weltmeister, die zu Zuschauern degradiert werden. Das allein zeigt die Dominanz des Judo-Mutterlandes. Bleibt den Verantwortlichen rund um Japans Judo-Präsident Yashuhiro Yamashita nur zu wünschen, dass man intern die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Ja, solche Sorgen müsste man wirklich haben …

Japans Team für die Olympischen Spiele in Tokio

Frauen
  • Funa TONAKI (bis 48 kg),
  • Uta ABE (52),
  • Tsukasa YOSHIDA (57),
  • Miku TASHIRO (63),
  • Chizuru ARAI (70),
  • Shori HAMADA (bis 78) und
  • Akira SONE (über 78 kg).
Männer
  • Naohisa TAKATO (bis 60 kg),
  • Hifumi ABE (66),
  • Shohei ONO (73),
  • Takanori NAGASE (81),
  • Shoichiro MUKAI (90),
  • Aaron WOLF (bis 100) und
  • Hisayoshi HARASAWA (über 100 kg).
Foto oben: Joshiro MARUYAMA bei einem Uchi-Mata-Ansatz im WM-Finale. - @IJF Media

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