Menschen im Judo

Rudolf Eitelberger

Der „Mr. Schuljudo“

Im August wird er 65. Seit 50 Jahren ist sein Leben untrennbar mit Judo verbunden. Seit über 30 Jahren ist er im Verband, Wien und ÖJV, tätig. Seit über 10 Jahren leitet er den mittlerweile größten Judoklub Österreichs, Sandokan. Und jetzt läuft sein großes Schulprojekt „Judostar 2020“, das in einem Schuljahr in Wien 15.000 Kinder auf die Matte brachte. Rudolf „Rudi“ Eitelberger, Vizepräsident im Judo-Landesverband Wien, ist der „Mister Schuljudo“! Grund genug, den 7. Dan in unserer Serie MENSCHEN IM JUDO auf unserer Homepage näher vorzustellen.

Rudi Eitelberger begann 1963 mit Judo. Weil sie den Jugendlichen damals im Stadtpark verprügelt hatten. Die Zollwache, der Polizeisportverein und Union Süd Wien waren seine ersten Stationen. Seine aktive Laufbahn auf der Matte beendete er bald wegen einer Verletzung, blieb dem Judosport aber als Funktionär erhalten. 1977 gründete er die Judo-Sektion in der „Stadt des Kindes“, die 2002 geschlossen wurde. Nach diesen erfolgreichen 25 Jahren rief er, gemeinsam mit Thomas Haasmann, den Judoklub Sandokan Volksbank Galaxy Tigers ins Leben. Mit 555 aktiven Mitgliedern ist der Klub heute der größte Österreichs. Organisationstalent hatte Rudi schon immer – ob im Judo oder in seinem Beruf, in dem er 40 Jahre im technischen Bereich bei der Akademie der Wissenschaften tätig war. Wir haben Rudi Eitelberger, der auch Träger des Sportehrenzeichens der Stadt Wien ist (2005), interviewt.

Rudi, wie ist eigentlich deine Aktion „Judostar 2020“ entstanden?

Eitelberger: „Ich habe das Projekt eigentlich für Claudia Heill ausgearbeitet, nachdem sie ihre Karriere beendet hatte. Sie wäre als Vorbild sicher ein ideales Zugpferd gewesen. Die Volksbank als Sponsor war schon dabei, doch dann passierte das, woran wir uns alle noch schmerzvoll erinnern. Das Projekt habe ich dann, gemeinsam mit der Volksbank, dennoch durchgezigen.“

Worum geht´s bei dieser Aktion?

„Es geht darum, in den Schulen in Wien und Wien-Umgebung die Sportart Judo zu zeigen und die Schüler Judo schnuppern zu lassen. In jeder Klasse gab es 6 Stunden Judo als Teil des Turnunterrichts. Die Lehrer waren anwesend, aber schauten nur zu. Die Trainingsstunden wurden unter anderem von Judoka wie Marcel Ott, Alex Weichinger oder Gabor Geier geleitet. Die Kinder haben in diesen Einheiten sicheres Fallen, zwei Würfe und zwei Festhalter gelernt. Wenn Interesse bestand, konnten die Schüler in einem Verein einen Monat kostenlos trainieren und erhielten auch einen Leih-Judogi. Wir haben allein von unserem Verein sieben Stützpunkte in einem Jahr aufbauen können.“

Also, man kann sagen: Das Interesse war groß – und wie war das Feedback der Lehrer?

„Am meisten gefallen haben ihnen die Spiele, die koordinativen Übungen und die Etikette – dass Judo klare Regeln hat, dass man vor dem Partner Respekt zeigt und ihm gegenüber auch Verantwortung trägt. Das hat den Lehrkräften imponiert.“

Die Volksbank hat das Projekt großzügig unterstützt – geht es auch im kommenden Schuljahr weiter?

„Das hängt noch davon ab, ob die Volksbank wieder mitmacht. Zuletzt hat uns ja auch die Stadt Wien, MA 51, unterstützt. Von den 15.000 Schulkindern im Jahr sind immerhin 300 beim Judo geblieben. Es ist ein immenser organisatorischer Aufwand, so eine Aktion flächendeckend für ganz Wien auf die Beine zu stellen. Ich würde es gerne wieder so machen – wenn es damit nichts wird, dann mache ich es auf jeden Fall in meinem Verein.“

Apropos Organisation – in diesem Metier warst du schon immer sehr gefragt. Bist du ein Checker?

„Man hat mir immer gesagt: Mach das … oder: Du machst das eh … dann MUSS man es eben machen. Ich verhehle nicht zu sagen, dass ich es in den meisten Fällen sowieso gern gemacht habe. Und mit der Zeit wird sowas auch zur Routine. Eine große Veranstaltung als Wettkampfleiter reibungslos über die Bühne zu bringen, da ist man schon ganz ordentlich gefordert. Aber ich habe das immer gerne gemacht, mache es heute noch gerne, und ich habe nie einen Groschen oder Cent genommen.“

Drum hat dich ja Präsident Ernst Raser auch als Vizepräsident in den Judo-LV Wien geholt. Was bedeutet dir Judo eigentlich in deinem Leben?

„Mein Leben besteht aus drei Säulen – Familie, Beruf und Judo. Jetzt bin ich ja schon in Pension, fällt also ein Teil schon weg. Jetzt habe ich nur noch die Familie und Judo. Und befasse mich noch mehr mit „meinem“ Sport – ich möchte gerne die Aktion auf Kinder aus Problemfamilien ausbauen. Denn Sport ist ein ungemein wichtiger Bestandteil in unserer Gesellschaft. Er formt die Menschen, hält sie zudem fit und gesund, und er macht Spaß.“

Danke, Rudi – uns macht es Spaß, dass du dein ganzes Wissen und deine Tatkraft fürs Judo einbringst! Schöne Ferien!

„Danke, auch allen Judofreunden schöne Ferien. Und wer Interesse hat an meiner Aktion – unten steht die Internet-Adresse.“

www.sandokan.at

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