Nach Absage: „Ein Jahr älter, ein Jahr stärker“

Der Nippon Budokan in Tokio (Bild) wird im Juli 2020 nicht Schauplatz der olympischen Judobewerbe sein. Nachdem die japanische Regierung und das IOC heute, Dienstag, die ab 24. Juli geplanten Olympischen Spiele auf einen Termin „bis 2021“ verschoben haben, werden sich alle Judoka weltweit – und natürlich auch die Wiener Olympia-Hoffnungen – neu orientieren müssen. Schwergewichtler Stephan Hegyi hat schon eine Kampfansage: „2021 bin ich ein Jahr älter und ein Jahr stärker.“

Düsseldorf war Ende Februar das letzte Turnier auf der World Tour. Zunächst wurden Rabat und Ekaterinenburg wegen des Corona-Virus abgesagt, dann Tiflis und Antalya. Bis 30. April wird es weltweit keinen Ippon geben – doch auch die Turniere im Mai und Juni, wie auch die EM in Prag, werden wohl kaum stattfinden. Niemand weiß, wann es mit Judo weitergehen kann …

Für Hegyi ist klar: „Die Olympia-Qualifikation muss von der IJF neu ausgeschrieben werden. Erst dann und wenn wir wissen, wann es weitergeht, und wenn auch die Spiele einen neuen Termin haben, kann man mit der Planung beginnen.“ Für einen jungen Judoka wie Stephan ist mit der Verschiebung der Spiele zwar kein Traum geplatzt, aber „man denkt schon seit Monaten daran und freut sich auch auf die Spiele. Dann hat man jeden Tag was anderes gehört. Jetzt wissen wir, dass es zum geplanten Termin nicht nach Tokio geht.“ Seine derzeit erfolgreich bewältigte Qualifikation sieht Hegyi, der übrigens in der judolosen Zeit mit Yoga begann, nicht in Gefahr. „Ich habe jetzt ein Jahr mehr Zeit, mich zu entwickeln. Das Ziel bleibt sicher das gleiche.“ Übrigens wird der Hakoah-Athlet, der ja vom Bundesheer beschäftigt wird, demnächst möglicherweise ein Krafttraining der anderen Art absolvieren. „Es kann sein, dass wir Heeressportler in der Corona-Krise als Helfer eingesetzt werden. Ich bin gerne dabei.“ Gut – dann hat das Heer gleich einen geeigneten „Packlschupfer“ …

Auch für Magda Krssakova kommt die Verschiebung von Olympia in Wahrheit nicht ungelegen. Sie liegt in der Weltrangliste bzw. im Olympia-Ranking der 63-Kilo-Klasse knapp hinter ihrer Tiroler Team-Rivalin Kathrin Unterwurzacher. Beide wären von der Rangliste her qualifiziert, aber nur eine darf pro Nation und Kategorie zu den Spielen. „Ich habe mehr Zeit, mich auf einen neuen Termin vorzubereiten. Ich bin schon gespannt, was die IJF mit dem Qualifikationsmodus macht. Bisher war es ja so, dass die Punkte bis April 2019 halbiert wurden und ab Mai 2020 voll gewertet wurden. Es wäre nicht gut, wenn die Punkte bis ins Vorjahr wegfallen und man die Quali-Punkte erst ab Mai 2019 berücksichtigt. Aber das müssen eh andere entscheiden.“ Magda hält sich mit Laufen fit, trainiert allein zuhause. „Da ist einiges möglich. Aber ich renne nicht 27.000 Mal um den Esstisch in der Küche, um auf 10 Kilometer zu kommen. So verrückt bin ich nicht“, lacht sie.

Für Verbands-Präsident Ernst Raser war die Verschiebung der Spiele 2020 „eine logische Maßnahme. Es würden etliche Nationen ihre Teams aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Tokio schicken, dann wäre Olynpia halb soviel wert.“ Raser glaubt auch, dass die EM heuer in Prag nicht stattfinden kann. „Im Juni können Judoka aus Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien sicher noch nicht reisen. Und ohne diese Nationen geht es nicht. Vielleicht verschieben sie die EM in den Herbst, aber ich glaube, sie sagen sie ganz ab.“ Für den Präsidenten ist die Corona-Krise in gewissen Bereichen übertrieben. „Zum Teil ist es auch Panikmache. Man redet kaum darüber, wie viele Menschen an Grippe sterben.“ Er hofft, dass bald wieder der Alltag halbwegs hergestellt werden kann. „Keine Oper offen, kein Theater, kein Kino. Vielleicht gibt es ja nach Ostern eine Lockerung.“ Das erhoffen wir uns wohl alle …

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