Dank Silber von Michaela Polleres am Donnerstag bis 70 Kilo ist die WM 2026 in Baku für Österreich schon die erfolgreichste seit 21 Jahren (seit WM-Silber für Ludwig Paischer 2005 in Kairo), noch bevor sie beendet ist. Und es war bereits die siebente „große“ Medaille für Judo Austria, seit die Deutsche Yvonne Snir-Bönisch ÖJV-Headcoach ist. „Der Weg stimmt“, freut sich auch ÖJV-Präsident Martin Poiger. „Ich bin stolz, dass wir in meiner Amtszeit als Präsident so eine Ausnahmesportlerin wie die Michi haben.“ Das Fernziel ist klar: Olympia 2028 …
Was nicht einmal eine Sabrina Filzmoser, unbestritten eine der Größten in Österreichs Judogeschichte, geschafft hat, das hat jetzt die „Michi“ aus Niederösterreich abgeliefert. Bei den ersten Turnieren auf der IJF World Tour nach ihrer anderthalbjährigen Pause seit Olympia 2024 war Polleres noch nicht so richtig da, auch bei der EM in Tiflis im April noch nicht. Da gab es schon die ersten Zweifler, ob die nun 29-Jährige überhaupt noch einmal leistungsmäßig so stark zurück kommen kann wie sie vorher war. Baku hat gezeigt: Michi ist offenbar noch besser! „Wir wollten ihr Zeit geben, weil zwischen ihren beiden olympischen Medaillen, Silber in Tokio und Bronze in Paris, nur drei Jahre lagen. Aber natürlich war das auch ein Risiko“, weiß Poiger, der Michi´s Triumph jetzt allen Nörglern hinter die Ohren schreiben wird. Ebenso wie jenen, die anfangs gegen eine Verpflichtung von Snir-Bönisch waren.
Doch die Deutsche, die ihren Dienst im ÖJV per 1.1.2021 angetreten hat, um Österreichs Judo auf Vordermann zu bringen, hat von Beginn an eine klare Linie verfolgt und harte Arbeit geleistet. Sie war zwar mit dem Silber von Polleres zufrieden, „aber wir wollen mehr. Wir wollen auch bei den Olympischen Spiele 2028 zumindest eine Medaille“, sagt die mittlerweile 45-jährige Potsdamerin, die seit 2004 immer noch die einzige weibliche deutsche Olympiasiegerin ist. Und schon im ersten Jahr dank Polleres mit WM-Bronze den ersten Erfolg verbuchen konnte, nach nicht einmal einem halben Jahr. Davor hatte es die letzte rot-weiß-rote WM-Medaille 2010 in Tokio durch „Sabsi“ Filzmoser gegeben. „Wir haben in elf Jahren, von 2010 bis 2021, keine WM-Medaille gemacht, jetzt im halben Zeitraum sieben. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so Poiger. Dazu kommt, dass bei dieser WM in Baku mit Bernd Fasching (bis 81 Kilo) und dem Wiener Stephan Hegyi (über 100 Kilo) zwei möglicherweise aussichtsreiche WM-Starter wegen Verletzungen gefehlt haben. Auch Olympiastarter Samuel Gaßner (73 Kilo) ist in Baku nicht dabei …
Der Weg ist das Ziel, heißt es so schön. Wenn der Weg stimmt, ist vielleicht auch das gesteckte Ziel zu erreichen. Den Judoka und deren Trainerteam, zu dem freilich auch Miguel Ogando Lopes (in Linz) und Jozef Krnac (in der Südstadt) sowie andere gehören, wäre es nur zu wünschen. Auch, um durch die Erfolge der Stars auch wieder mehr Jugendliche für Judo begeistern zu können …
Die „großen Medaillen“ unter ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch
| Datum | Ereignis | Judoka | GewKl. | Medaille |
|---|---|---|---|---|
| 10.06.2021 | WM Budapest | Michaela Polleres | -70 kg | Bronze |
| 27.07.2021 | OS Tokio | Shamil Borchashvilli | -81 kg | Bronze |
| 28.07.2021 | OS Tokio | Michaela Polleres | -70 kg | Silber |
| 09.10.2022 | WM Taschkent | Shamil Borchashvilli | -81 kg | Bronze |
| 15.05.2023 | WM Doha | Michaela Polleres | – 70 kg | Bronze |
| 31.07.2024 | OS Paris | Michaela Polleres | – 70 kg | Bronze |
| 08.10.2026 | WM Baku | Michaela Pollres | -70 kg | Silber |
Legende: OS = Olympische Spiele – WM = Weltmeisterschaft
Der sechste Tag: Elena Dengg in den Startlöchern
Am Freitag geht der sechste und vorletzte WM-Tag der Einzelbewerbe über die Tatami. Und es könnte der erste Tag werden, an dem kein japanischer Judoka Gold holt. Österreich ist bei den Frauen in der Klasse bis 78 Kilo durch Elena Dengg (Sanjindo Bischofshofen) vertreten. Die Junioren-Weltmeisterin 2024 hat in Runde 1 Zanet Michealidou (CYP) zugelost bekommen. Es ist der 14. Kampf auf Matte 1 nach 8.30 Uhr MESZ. Bei einem Sieg geht es gegen die Nummer 9 der Welt, Brenda Olaya (COL).
Foto: Michaela POLLERES mit den Trainern Yvonne SNIR-BÖNISCH und Miguel OGANDO-LOPES – @joe
