Das Maß aller Dinge

Unglaubliche 178 Titel hat Japan bei den Judo-Weltmeisterschaften seit 1956 schon geholt, insgesamt 412 Medaillen. Allein bei den letzten vier Titelkämpfen seit 2022 waren es 21 Goldene – die Töchter und Söhne Nippons werden auch bei der am Sonntag in Baku beginnenden WM 2026 das Maß aller Dinge sein. Ein Streifzug durch 70 Jahre Weltmeisterschaft – von Shokichi Natsui 1956 bis Shanshiro Murao 2025 …

Am 3. Mai 1956 wurde der erste Judo-Weltmeister gekrönt. In einem rein japanischen Finale setzte sich Natsui durch. Den Europäern – Henri Courtine (FRA) und Anton Geesink (NED) – blieben nur die beiden Bronzenen. Damals in Tokio gab es nur eine, die offene, Klasse. 31 Judoka aus 21 Nationen hatten daran teilgenommen. 70 Jahre später, 2025 in Budapest, holten die Athleten aus dem Mutterland des Judo 6mal Gold und je 4mal Silber und Bronze. Die bisher letzten Weltmeister-Titel gingen am 17. Juni 2025 an Murao (bis 90 Kilo) und an Shiho Tanaka (bis 70 Kilo). Es werden nicht die letzten gewesen sein …

Zwischen Natsui bzw. Murao und Tanaka zeigt die Statistik eine Vielzahl großer japanischer Judoka. Tadahiro Nomura zum Beispiel. Er ist der einzige Judoka, der bei drei Olympischen Spielen in Folge (1996, 2000, 2004) die Goldmedaille in der leichtesten Gewichtsklasse (bis 60 Kilo) gewann. Oder Shozo Fuji, der zwischen 1971 und 1979 vier WM-Titel in Serie, darunter 1975 auch in Wien, holte. Als er 1979 im Pariser Stade Pierre de Coubertin seinen letzten Titel durch einen Finalsieg über einen Franzosen gewann, gab es minutenlang „standing ovations“, Fuji küsste das Podium und weinte. Und Yashuhiro Yamashita – er blieb in seiner Profi-Karriere in 203 Kämpfen ungeschlagen und holte 1984 Olympia-Gold sowie vier Weltmeistertitel. Viele Experten sehen ihn wegen seiner perfekten Technik und unangefochtenen Siegesserie als den Größten. Oder Ryoko Tani, die mit sieben Goldenen von 1993 bis 2007 die erfolgreichste weibliche WM-Judoka ist, einen Titel mehr hat als die Französin Clarisse Agbegnenou. Oder Noriko Anno (4 Titel) und Toshihiko Koga (3). Die Liste ist schier endlos.

Für Baku hat Japan 18 Judoka genannt – sie bringen insgesamt 17 WM-Goldene mit. Angeführt von Hifumi Abe, dem schon fünffachen Weltmeister, und Schwester Uta Abe (4 Titel). Die beiden können, wie schon vor acht Jahren auch in Baku, am selben Tag (Montag) Weltmeister (bis 66 kg bzw. bis 52 kg) werden. Und damit einen Beitrag leisten, dass alle anderen 92 Nationen bei dieser WM in der Hauptstadt Aserbaidschans im Grunde zu Statisten degradiert werden dürften …

Die Auslosung findet am Samstag um 14 Uhr Ortszeit (das ist 12 Uhr MESZ) statt. Am ersten Wettkampftag werden am Sonntag die Klassen bis 60 Kilo (Männer) bzw. 48 Kilo (Frauen) entschieden. Beginn der Vorrunden 9.30 Uhr MESZ, der Finalblock beginnt an allen Tagen um 16 Uhr MESZ.

P.S.: Der zweite Kimono der Japaner trat bei den 20. Asian Games in Aichi-Nagoya an und gewann die Medaillenwertung überlegen – 8 Gold, 1 Silber, 4 Bronze! Dahinter Uzebkistan (2/2/2), Korea (1/2/4) und die Mongolei (1/1/5). Auch China und die Vereinigten Arabischen Emirate holten einen Titel. 199 Judoka aus 32 Nationen nahmen teil.

Foto: Im rein japanischen Finale bis 90 Kilo 2025 – Shanshiro MURAO ist der bisher letzte Weltmeister der Asiaten – @IJF / Tamara Kulumbegashvili

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