Polleres im Finale

Im dritten Turnier seit ihrem Comeback hat sie endlich angeschrieben, und wie! Denn Michaela Polleres (JC Wimpassing) steht beim Grand Prix in Linz im Finale bis 70 Kilo gegen Junioren-Weltmeisterin April Lynn Fohouo (SUI). Der Finalblock läuft seit 17 Uhr (live in ORF ON). Enttäuschend hingegen das Abschneiden der anderen – so schied der Wiener Bernd Fasching (Galaxy), 2025 noch Dritter beim Heim-Turnier, am Samstag mit einer Auftakt-Niederlage bis 81 Kilo ebenso aus wie der Vorjahres-Fünfte Samuel Gaßner (bis 73 Kilo) und bei ihrem Comeback nach anderthalb Jahren die Wienerin Magdalena Krssakova (bis 70 kg).

Polleres besiegte zum Auftakt die Tschechin Anna Skalska mit Yuko, danach Barbara Timo (POR) mit Waza-ari und steht im Viertelfinale die Britin Kelly Petersen Pollard auch mit Waza-ari. Im Semifinale gelang der zweifachen Olympia-Medaillengewinnerin aus Niederösterreich gegen die Deutsche Samira Bock eine wunderschöne Beintechnik (O-Uchi-gari), die mit Ippon belohnt wurde. Nach zwei Grand Slam-Turnieren, bei denen sie in Tokio und Paris unplatziert blieb, holt Polleres erstmals seit Olympia-Bronze in Paris 2024 wieder Edelmetall.

Krssakova (JC Sirvan), die zunächst durch eine verletzungsbedingte Aufgabe ihrer britischen Gegnerin Katie-Jemima Yeats-Brown aufstieg, unterlag in ihrem zweiten Kampf Ingrid Nilsson (SWE) mit Ippon für Osaekomi (Festhalter) und schied aus. Ebenso in der Klasse bis 70 Kilo verlor die 19-jährige Wienerin Leonie Bayr bei ihrem World Tour-Debüt mit drei Yuko-Wertungen. Dabei verpasste Leonie gegen Caterina Mazzotti eine Riesenchance am Boden, sie konnte die Italienerin aber nur drei Sekunden festhalten. „Ich hatte sie nicht gut fixiert, schade“, meinte Leonie nachher.

Fasching konnte sich nach einem Freilos in Runde zwei auf Vusal Galandarzade (AZE) nicht so recht einstellen. Der Wiener hatte gegen den späteren Finalisten vor allem Probleme beim Griffkampf, wurde dreimal Yuko geworfen, ehe in der letzten Minute der Ippon folgte. Damit war Bernd ebenso draußen wie sein Galaxy-Klubkollege Magamed Borchashvilli (ebenfalls bis 81 Kilo), der vom Bulgaren Hristo Valkov per Würgegriff ins Land der Träume geschickt wurde. Und auch der Mühlviertler Gaßner, der im Vorjahr als Fünfter bis 73 Kilo (vor allem oberösterreichischen) die Fans in der Tips-Arena begeistert hatte, war schnell ausgeschieden – Ippon-Niederlage gegenNathan Cadignan (FRA).

„Leider haben meine Burschen heute versagt“, meinte Galaxy-Trainer Thomas Haasmann traurig. Der 64-Jährige holte Fasching am Nachmittag aus der Halle. „Wir müssen bei einem Kaffee reden. Bernd ist völlig am Boden zerstört, er braucht jetzt mich.“ Vielleicht war der Druck, auch der mediale, für den erst 22-Jährigen, der im Vorjahr zu Österreichs „Judoka des Jahres“ gewählt wurde, doch zu groß.

Auch am Samstag gab es Überraschungen. So kam kein einziger Judoka aus Japan in den Finalblock des zweiten Tages. So wurde Fabio Basile (ITA), 2016 Olympiasieger bis 66 Kilo, nur Fünfter.

Am Sonntag sind noch vier Wiener im Einsatz – Adam Borchashvilli (bis 100 Kilo), sein Bruder Movli (über 100 kg), Jung-Spund Lukas Angerer (alle Galaxy / über 100 Kilo), mit 17 Jahren der jüngste aller ÖJV-Starter, und Stephan Hegyi (SC Hakoah / über 100 Kilo). Bis 100 Kilo wird der Vorarlberger Laurin Böhler (LZ Hohenems) seinen Abschied auf der World Tour bestreiten. Der von Verletzungen oftmals geplagte Freund von Lubjana Piovesana war vor zwei Jahren Dritter in Linz.

Alle Ergebnisse aus Linz findet ihr hier.

Foto: Michaela POLLERES beim entscheidenden Wurf im Auftaktkampf - @Judo Austria / Oliver Sellner

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