Eine starke Frau

Ausgerechnet am Tag vor dem Weltfrauentag hat eine starke Frau für Österreichs einzigen Erfolg beim Heim-Grand Prix in Linz gesorgt – Michaela Polleres ist erst die zweite Judoka, die in vier Jahren dieses Events auf der IJF-World Tour Gold geholt hat. Sonst war das Spektakel in der Tips-Arena stets in „Männer-Hand“. Auch wenn die Olympia-Qualifikation für Los Angeles 2028 erst im Juni startet, für „Michi“ war dieser Triumph besonders wichtig. „Ich bin wieder zurück in der Weltspitze!“ Alle anderen ÖJV-Judoka schieden aus.

Zwar war die Wimpassingerin vor zwei Jahren schon Dritte in Linz (bis 70 Kilo), aber sonst hatten nur Männer die Medaillen auf der Gugl geholt. Shamil Borchashvili Gold bis 81 Kilo bei der Premiere 2023, dazu gab es viermal Bronze: neben Polleres durch Thomas Scharfetter (2023), Laurin Böhler (2024) und Bernd Fasching (2025). Polleres, als Nummer 5 gesetzt, begann das Turnier verhalten, steigerte sich aber von Runde zu Runde. „Im Finale gegen die Schweizerin April Lynn Fohouo habe ich mich von Beginn an stark gefühlt und wusste, dass ich diesen Kampf gewinnen würde. Der Sieg war nur eine Frage der Zeit“, lachte „Michi“ nachher. Sie warf die Junioren-Weltmeisterin nach 16 Sekunden im Golden Score Ippon, hatte aber schon zuvor in den vier Kampfminuten klar dominiert.

Zum Feiern kam Polleres nicht gleich. Doping-Kontrolle, TV- und Medien-Interviews, und dann ab zu den Fans zu einer Autogrammstunde und vielen Selfies. „Es ist besonders schön, das Heimturnier zu gewinnen. Dabei bin ich so stark verkühlt, hab Halsweh, war sicherlich in meinem Leistungspotenzial nicht ganz top.“ Aber das macht eben eine Weltklassesportlerin, die mit Silber 2021 in Tokio und Bronze 2024 in Paris schon zwei olympische Medaillen zuhause hat, aus. „Es ist beeindruckend, wie gut Michi gekämpft hat“, fand ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch, selbst eine starke Frau. Denn die 45-jährige Deutsche ist nach wie vor die einzige (weibliche) Judo-Olympiasiegerin ihres Landes – 2004 holte sie in Athen Gold in der Klasse bis 57 Kilo.

Am Sonntag, dem Schlusstag des Heim-Grand Prix, standen aber wieder die Männer im Blickpunkt, und das ausgerechnet am Frauentag! Leider schieden alle ÖJV-Starter aus – mit dem Welser Issa Naschcho (bis 90 Kilo), heuer Sieger des European Open in Sofia, eine weitere Medaillenhoffnung in der ersten Runde, auch der Vorarlberger Laurin Böhler unterlag bis 100 Kilo bei seinem Linz-Abschied Piotr Kuczera (POL) mit zwei Waza-ari, und der nicht fitte Salzburger Thomas Scharfetter trat bis 90 Kilo gar nicht an, Die vier Wiener mussten ebenfalls die Segel streichen. Movli Borchashvilli (Galaxy Tigers / über 100 Kilo) unterlag dem Deutschen Losseni Kone mit Yuko, Bruder und Klubkollege Adam verlor gegen Marat Baikamurov (KAZ) nach tapferem Kampf mit 2:3 Yuko, Stephan Hegyi (SC Hakoah) unterlag dem Türken Munir Ertug mit Ippon (Ko-Uchi-gari). Und auch Lukas Angerer (über 100 Kilo / Galaxy) verlor bei seinem World Tour-Debüt gegen Diogo Brites (POR) nach 2:45 Minuten vorzeitig – aber der mit 17 Jahren jüngste aller ÖJV-Teilnehmer legte, wie schon an den Tagen zuvor andere (vor allem die Wiener Judoka Bayr, Ornik und Bluhme) eine Talentprobe ab. Wenn wir nicht unsere starke Frau Michaela hätten …

Nachdem es am Samstag kein einziger Judoka aus Japan in den Finalblock geschafft hatte, stand am Schlusstag auch nur einer im Finale – Kou Nakayama verlor es in der Klasse bis 100 kg. Überraschend ausgeschieden ist der Olympia-Zweite Guram Tushishvili (GEO) gleich in der ersten Schwergewichts-Runde gegen den späteren Sieger Ibrahim Tataroglu (TUR), hingegen feierte sein Landsmann Tato Grigalashvili, der erste georgische Dreifach-Weltmeister im Judo (allerdings bis 81 Kilo), den Turniersieg bis 90 Kilo.

Am Ende war Japan (3/2/3) in der Medaillenwertung doch vorn, gefolgt von Brasilien (1/2/3) und Aserbaidschan (1/1/2). Dass weitere neun Nationen (AUT, FRA, GEO, GBR, GUI, ISR, KAZ, TUR, UKR) einen Klassensieg feierten, zeigt die Ausgeglichenheit dieses Linzer Grand Prix. Und dank der stark verkühlten, stark kämpfenden und stark als Persönlichkeit auftretenden Michaela Polleres, einer echt starken Frau, ist Österreich unter den 59 Nationen auf dem geteilten 10. Platz zu finden.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass Judo Austria mit der IJF, dem Sportministerium und dem Land Oberösterreich bis Juni den ausgelaufenen Vertrag für den Heim-Grand Prix verlängern kann …

Alle Ergebnisse aus Linz findet ihr hier.

Foto: Nach dem Triumph zur Autogrammstunde: die "goldene" Michaela POLLERES - @Judo Austria / Oliver Sellner

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