Im dritten Turnier seit ihrem Comeback hat sie angeschrieben, und wie! Michaela Polleres (JC Wimpassing) hat den Grand Prix in Linz bis 70 Kilo gegen Junioren-Weltmeisterin April Lynn Fohouo (SUI) mit Ippon gewonnen! Enttäuschend hingegen das Abschneiden der anderen – so schied der Wiener Bernd Fasching (Galaxy Tigers), 2025 noch Dritter in Linz, am Samstag mit einer Auftakt-Niederlage bis 81 Kilo ebenso aus wie der Vorjahres-Fünfte Samuel Gaßner (bis 73 Kilo) sowie bei ihrem Comeback nach anderthalb Jahren die Wienerin Magdalena Krssakova (bis 70 kg).
Es ist erst Österreichs zweiter Turniersieg beim vierten Heim-Grand Prix nach Shamil Borchashvili 2023 – Polleres besiegte zum Auftakt die Tschechin Anna Skalska mit Yuko, danach Barbara Timo (POR) mit Waza-ari und im Viertelfinale die Britin Kelly Petersen Pollard (Waza-ari). Im Semifinale gelang der zweifachen Olympia-Medaillengewinnerin aus Niederösterreich gegen die Deutsche Samira Bock eine wunderschöne Beintechnik (O-Uchi-gari), die mit Ippon belohnt wurde. Im Finale ging es in den Golden Score, der nur kurz dauerte – nach 16 Sekunden lag die Schweizerin mit Ippon für einen Uchi Mata auf dem Rücken. Nach zwei Grand Slam-Turnieren, bei denen sie in Tokio und Paris unplatziert geblieben war, holte Polleres erstmals seit Olympia-Bronze in Paris 2024 wieder Edelmetall – und es war der dritte Grand Prix-Sieg von „Michi“.
„Ich bin glücklich, dass mir das Comeback vor heimischem Publikum so gut gelungen ist“, freute sich die 28-Jährige, die sich in Linz von Kampf zu Kampf gesteigert hatte, obwohl sie verkühlt ist. „Es war nicht leicht, nach der langen Wettkampfpause zurück in die Weltspitze zu finden, aber jetzt bin ich wieder da“, lachte Polleres, die von den vielen Judo-Fans in der Tips-Arena mit „auf geht´s, Michi, auf geht´s“-Chören angefeuert wurde. ÖJV-Sportdirektor Markus Moser, der mit seinem Nachwuchs das Finale von der Tribüne aus sah, sprang hoch, als Polleres der entscheidende Ippon gelang.
Der Triumph von Polleres überstrahlte alles, auch die weniger guten Leistungen. Krssakova (JC Sirvan), die zunächst durch eine verletzungsbedingte Aufgabe ihrer britischen Gegnerin Katie-Jemima Yeats-Brown aufstieg, unterlag in ihrem zweiten Kampf Ingrid Nilsson (SWE) mit Ippon für Osaekomi (Festhalter) und schied aus. Ebenso in der Klasse bis 70 Kilo verlor die 19-jährige Wienerin Leonie Bayr bei ihrem World Tour-Debüt mit drei Yuko-Wertungen. Dabei verpasste Leonie gegen Caterina Mazzotti eine Riesenchance am Boden, sie konnte die Italienerin aber nur drei Sekunden festhalten. „Ich hatte sie nicht gut fixiert, schade“, meinte Leonie nachher.
Fasching konnte sich nach einem Freilos in Runde zwei auf Vusal Galandarzade (AZE) nicht so recht einstellen. Der Wiener hatte gegen den späteren Zweiten vor allem Probleme beim Griffkampf, wurde dreimal Yuko geworfen, ehe in der letzten Minute der Ippon folgte. Damit war Bernd ebenso draußen wie sein Galaxy-Klubkollege Magamed Borchashvilli (ebenfalls bis 81 Kilo), der vom Bulgaren Hristo Valkov per Würgegriff ins Land der Träume geschickt wurde. Und auch der Mühlviertler Gaßner, der im Vorjahr als Fünfter bis 73 Kilo (vor allem oberösterreichischen) die Fans in der Tips-Arena begeistert hatte, war schnell ausgeschieden – Ippon-Niederlage gegen Nathan Cadignan (FRA).
„Leider haben meine Burschen heute versagt“, meinte Galaxy-Trainer Thomas Haasmann traurig. Der 64-Jährige holte Fasching am Nachmittag aus der Halle. „Wir müssen bei einem Kaffee reden. Bernd ist völlig am Boden zerstört, er braucht jetzt mich.“ Vielleicht war der Druck, auch der mediale, für den erst 22-Jährigen, der im Vorjahr zu Österreichs „Judoka des Jahres“ gewählt wurde, doch zu groß.
Für ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch war der Triumph von Polleres „beeindruckend. Es ist erst ihr drittes Turnier nach mehr als einjähriger Wettkampfpause und verkühlt war sie auch noch. Das kann nur eine Ausnahmeathletin wie Michi. Gratulation!“ Weniger erfreut war die Cheftrainerin vom Rest. „Mit diesem Auftritt können wir nicht zufrieden sein“, sagt die 45-Jährige. „14 von 15, die heute im Einsatz waren, sind vorzeitig ausgeschieden. Fast alle haben sich weit unter Wert geschlagen.“
Auch am Samstag gab es Überraschungen. So kam kein einziger Judoka aus Japan in den Finalblock des zweiten Tages. Da hätte sich der japanische Botschafter in Österreich, der von Masaaki Ueda betreut wurde, den Weg nach Linz sparen können. Auch überraschend: Fabio Basile (ITA), 2016 Olympiasieger bis 66 Kilo, wurde nur Fünfter. Und 81-Kilo-Titelverteidiger Antonio Esposito (ITA) blieb überhaupt unplatziert. Japan (3/1/1) behielt in der Medaillenwertung trotz des „Nullers“ am Samstag die Führung vor Brasilien (1/1/2), Aserbaidschan (1/1/1), Frankreich und Kasachstan (je 1/0/1) sowie Großbritannien und Österreich (je 1/0/0) – dank Polleres bisher Rang 6 unter 59 Nationen.
Am Sonntag (ab 10 Uhr) sind noch vier Wiener im Einsatz – Adam Borchashvilli (bis 100 Kilo), sein Bruder Movli (über 100 kg), Jung-Spund Lukas Angerer (alle Galaxy / über 100 Kilo), mit 17 Jahren der jüngste aller ÖJV-Starter, und Stephan Hegyi (SC Hakoah / über 100 Kilo). Bis 100 Kilo wird der Vorarlberger Laurin Böhler (LZ Hohenems) seinen Abschied auf der World Tour bestreiten. Der von Verletzungen oftmals geplagte Freund von Lubjana Piovesana war vor zwei Jahren Dritter in Linz. Zu hoffen ist, dass es noch einer zu einer Platzierung schafft …
Alle Ergebnisse aus Linz findet ihr hier.
Foto: Ein lange ersehnter Moment: ÖJV-Präsident Martin POIGER gratuliert Michaela POLLERES zum Sieg beim Heim-Grand Prix - @Judo Austria / Oliver Sellner
