Fast hätte es erstmals nach elf Jahren, seit Sabrina Filzmoser 2015 (Bronze), beim Grand Slam in Paris wieder für eine ÖJV-Medaille gereicht. Aber der Wiener Bernd Fasching (Galaxy Judo Tigers) verlor in der Klasse bis 81 Kilo seinen Kampf um Bronze knapp und wurde Fünfter. Die übrigen ÖJV-Judoka schieden leider aus. Das erste Grand Slam-Turnier des Jahres wurde, wie erwartet, zum Länderkampf Frankreich gegen Japan – Samstag waren in der mit 15.000 Zuschauern ausverkauften Accor-Arena die Franzosen (2:1 Gold) besser, Sonntag die Japaner (4:1 Gold). Beiden Teams fehlten aber die absoluten Superstars – Teddy Riner bzw. Uta und Hifumi Abe.
Fasching startete mit einem Freilos, danach besiegte er Benedek Toth (HUN) mit Ippon und im Achtelfinale Panamerika-Meister Gabriel Falcao (BRA) nach 1:38 Minuten im Golden Score. Im Viertelfinale unterlag der WM-Siebente von Abu Dhabi 2024 dem Japaner Yuhel Oino (dreimal Dritter der Asien-Spiele) mit Waza-ari. Damit kam Fasching in die Trostrunde, wo er Unter23-Europameister Kote Katanadze (GEO) mit Yuko, Waza-ari und Ippon klar beherrschte. Das Duell um Bronze gegen Abylaikhan Zhubanazar (KAZ) ging aber leider mit Yuko knapp verloren – fast hätte es für Bernd zu seiner ersten Grand Slam-Medaille gereicht.
„Nach so einem starken Tag mit Blech von der Matte gehen zu müssen, fühlt sich ungerecht an. Bernd war extrem fokussiert, hat richtig gut gekämpft. Seine erste Grand-Slam-Medaille wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, wenn er weiter am Griffkampf arbeitet. Da gibt’s noch Nachholbedarf. Aber natürlich kann sich ein fünfter Rang beim prestigeträchtigsten Grand-Slam-Turnier des Jahres sehen lassen!“, urteilte ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch. Sportdirektor Markus Moser blies ins gleiche Horn: „Bernd wird immer konstanter, er hat bei internationalen Turnieren jetzt zum dritten Mal hintereinander angeschrieben. Dass er im Halbmittelgewicht zur Weltklasse zählt, ist kein Geheimnis mehr. Seine Erfolge sind alles andere als Zufall.“
Die übrigen ÖJV-Athleten schieden, we schon am Samstag Samuel Gaßner (bis 73 Kilo / UJZ Mühlviertel) aus. Michaela Polleres (bis 70 kg / JC Wimpassing) gewann zwar nach einem Freilos gegen Yu-Jung Liao (TPE), musste sich aber im Achtelfinale Studenten-Weltmeisterin Rin Maeda (JPN) im Golden Score mit Yuko geschlagen geben. Noch hat die zweifache Olympia-Medaillengewinnerin (2021 Silber, 2024 Bronze) nicht zu ihrer alten Form gefunden.
Thomas Scharfetter (bis 90 kg / Sanjindo Bischofshofen) verabschiedete sich mit einer Waza-ari-Niederlage gegen Alexander Knauf (USA), Movli Borchashvilli (über 100 kg / Galaxy Tigers) nach einem Sieg über Amadou Meite (FRA / Waza-ari) mit einer Achtelfinal-Niederlage gegen Irakli Demetrashvili (GEO / Waza-ari), Ausgeschieden leider auch der dritte Wiener im Bunde, Stephan Hegyi (über 100 kg / SC Hakoah). Er verlor, wie schon im November in Zagreb, gegen Unter-23-Europameister Kanan Nasibov (AZE) mit Ippon (zuvor schon Waza-ari).
Am Sonntag schlugen die Japaner im Duell mit den Gastgebern zurück. Gleich in zwei Klassen (bis 90 und über 100 Kilo) gibt es zwei interne Duelle der Söhne Nippons um Gold, dazu gewann Faschings Bezwinger Oino die Klasse bis 81 Kilo und Dota Arai (bis 100 kg). Die Franzosen holten nur bei den Frauen über 78 Kilo durch Romane Dicko Gold in einem internen Duell. Daraus ergibt sich im Medaillenstand, dass Japan (5/3/6) die „Grande Nation“ (3/1/5), sozusagen in der „Höhle des Löwen“, überflügelt hat. Hinter den beiden Judo-Großmächten landeten Aserbaidschan (1/1/1), Italien und die Vereinigten Arabischen Emirate (je 1/1/0) sowie Brasilien, Ungarn und Kosovo (je ein Gold). In der Nationenwertung, in der auch fünfte und siebente Plätze gelten, ist Österreich dank Fasching unter den 78 teilnehmenden Ländern auf dem 25. Platz zu finden.
Alle Ergebnisse aus Paris findet ihr hier.
Joe Langer aus Paris
Foto: Bernd FASCHING (blau) im Viertelfinale gegen den Japaner Yuhei OINO - @IJF / Emanuele Di Feliciantonio
