Die Mixed-Sensation

Das ist wohl DIE Sensation dieser Judo-WM schlechthin! Weder Japan, das seit Einführung des Mixed-Bewerbs 2018 IMMER Gold geholt hatte, noch der zweifache Olympiasieger Frankreich, der IMMER Zweiter war, standen im Finale der letzten Entscheidung in Budapest! Georgien holte mit einem 4:1 gegen Südkorea Gold! Österreich verlor in der ersten Runde – wie erwartet – mit einer Frau weniger gegen Japan 0:4. Lubjana Piovesana war aus privaten Gründen schon am Dienstag nach England geflogen.

Der Erstrundenkampf gegen den bisher sechsfachen Mixed-Weltmeister Japan begann mit 0:1 – Mao Arai hatte über 70 Kilo keine Gegnerin, da nur noch zwei ÖJV-Frauen in Budapest waren. Dann stellte Utana Terada in der Klasse bis 70 Kilo gegen Elena Dengg auf 2:0. Unsere Junioren-Weltmeisterin aus Salzburg wehrte sich tapfer, verlor aber zehn Sekunden vor Ablauf der vier Minuten mit Hansokumake (rote Karte – 2:3 Shidos). Dann kamen zwei Wiener Galaxy-Judoka auf die Tatami. Zunächst unterlag Bernd Fasching bis 90 Kilo Goki Tajima nach 3:09 Minuten mit Osaekomi (Festhalter), nachdem der Japaner schon mit Yuko geführt hatte. Und danach wurde Movli Borchashvilli in der Klasse über 90 Kilo von Kanta Nakano nach 1:17 Minuten mit Uchi Mata auf den Rücken geworfen – das war das 0:4. Kurios: Die eigens für den Mixed-Bewerb nominierte Steirerin Verena Hiden (bis 57 Kilo) kam dann ebenso nicht mehr zum Einsatz wie Samuel Gaßner (bis 73 Kilo).

Warum das ÖJV-Team dennoch antrat, obwohl schon lange klar war, dass „Lulu“ frühzeitig weg musste? „Wir haben das intern diskutiert, aber wir wollen im Mixed-Bewerb die Kontinuität fortführen. Das hat uns letztlich auch eine Wild Card für die Olympischen Spiele in Paris gebracht“, argumentiert ÖJV-Präsident Martin Poiger die Entscheidung. Und dass man Piovesana nach deren Schicksalsschlag die frühzeitige Abreise aus Budapest gewährte, war für Poiger eine „menschliche Entscheidung“. Der ÖJV-Präsident weiß, dass nach dem generellen Abschneiden Österreichs bei der WM „jetzt viel zu tun ist, damit wir dann wieder da sind, wenn es darauf ankommt.“

Zurück zum Mixed-Bewerb: Schon vor ihrem Ausscheiden wackelten die beiden Mixed-Großmächte. Japan lag gegen Usbekistan schon 0:2 zurück, gewann aber noch 4:2. Und die Franzosen benötigten gegen das IJF-Team einen Entscheidungskampf, um letztlich 4:3 zu gewinnen. Im Viertelfinale kam das Aus gegen Südkorea mit 3:4, und auch in der Trostrunde setzte es eine Enttäuschung – 1:4 gegen Brasilien. Die Japaner, die im Semifinale Korea 2:4 unterlagen, holten sich wenigstens Bronze mit einem 4:0 gegen die Südanerikaner..

So erreichten Georgien und Korea das Finale, das die Georgier klar dominierten. Bronze ging neben Japan an Deutschland, das Italien 4:1 schlug. Im Finale machte Georgiens Lasha Bekauri gegen Jinghoon Kim den letzten Punkt zum 4:1-Endstand. Die Sensation des Tages! Übrigens: Die Final-Favoriten Japan und Frankreich verzichteten großteils auf ihre Stars. Über jede Kritik erhaben ist nur Frankreichs Joan-Benjamin Gaba – der 73-Kilo-Weltmeister gewann alle seine Kämpfe.

Eine WM der Neuen

DIE NEUEN: Nicht weniger als 12 (von 14 möglichen) Budapester Weltmeister*innen haben ihre erste WM-Goldene geholt. Nur Uta Abe (JPN / fünffacher Weltmeisterin bis 52 Kilo) und der Russe Inal Tasoev (IJF / Weltmeister 2023) standen bei Welttitelkämpfen schon auf dem obersten Podest. Budapest war eine „WM der Neuen“.

DIE JAPANER: Seit 2011, als sie in Paris „nur“ drei Goldene geholt hatten, haben die Töchter und Söhne Nippons bei Weltmeisterschaften immer zwischen vier und acht Gewichtsklassen gewonnen. Mit sechs Einzel-Titeln in Budapest liegen sie sozusagen im „guten Mittelfeld“. Im Vorjahr in Abu Dhabi hatte es, inklusive Mixed, „nur“ viermal Gold für Japan gegeben.

KRIEG-AUSWIRKUNGEN: Leider wurde die WM in Budapest auch vom Konflikt zwischen Israel und dem Iran betroffen. Während die Iraner gar nicht für die WM genannt hatten, konnten die schwereren Judoka aus Israel nicht mehr nach Budapest anreisen, weil es keine Flüge gab. Vor allem betroffen davon waren bei den Frauen die Nummer 2 der Welt bis 78 Kilo, Inbar Lanir, und über 78 Kilo die Nummer 3, Raz Hershko. Das ist ein negativer Touch dieser ansonsten großartigen WM.

DIE SIEGEREHRUNG: Bei den schweren Männern nahm einer der ihren die Siegerehrung vor – Teddy Riner, der französische Superstar. Während es mit Weltmeister Inal Tasoev eine herzliche Umarmung gab und Teddy dem Russen per Händedruck gratulierte, gab es zwischen Riner und dem Zweiten, Guram Tushishvili, nicht einmal ein Shakehands – zu sehr dürfte die zwischenmenschliche Beziehung der beiden nach dem Benehmen des Georgiers bei den Olympischen Spielen in Paris gelitten haben. Tushishvili hatte damals Riner tätlich angegriffen, war vom weiteren Olympia-Turnierverlauf ausgeschlossen und für sechs Monate gesperrt worden.

DIE NÄCHSTE WM: 2026 werden sich die Judostars der Welt in Baku (AZE) treffen, ein Jahr später in Kasachstan (voraussichtlich in Astana) und 2028 in Bahrain. Dort geht es dann um die letzten Punkte für die Olympia-Qualifikation für Los Angeles. Was auffällt: Mit Ausnahme von Budapest (dreimal seit 2017) und Tokio (2019) finden Weltmeisterschaften nur noch in Ländern der ehemaligen Sowjetunion und am Persischen Golf statt …

Foto oben: Zahlenspiel - mit fünf gegen sechs gab´s ein null zu vier! Österreichs Team im Mixed-Bewerb - @Judo Austria / Oliver Sellner. - Foto unten: Kein Shakehands von Superstar Teddy RINER (ganz links) mit dem Mann neben ihm, dem Zweiten Guram TUSHISHVILI, bei der Siegerehrung über 100 Kilo - @IJF / Tamara Kulumbegashvili

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