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„Nichts schönreden“

Von „maßlos enttäuscht“ bis „Nichts schönreden“ – so lauten die Kommentare der Verantwortlichen nach dem schlechtesten Abschneiden eines österreichischen WM-Teams seit 16 Jahren. Keine einzige Top-7-Platzierung bei zehn WM-Startern, wie zuletzt 2009 in Rotterdam. „Wir müssen in Ruhe die Gründe analysieren und Lehren daraus ziehen“, sagt ÖJV-Präsident Martin Poiger. Und Sportdirektor Markus Moser weiß: „Wir sind unter unserem Wert geschlagen worden.“

Für eine postolympische WM war Budapest außergewöhnlich stark besetzt: Sieben der 14 Olympiasieger*innen von Paris 2024 und elf Weltranglisten-Erste waren am Start. Kurioserweise gab es (inklusive Georgien als sensationellen neuen Mixed-Weltmeister) 13 von 15 erstmalige WM-Titel. 35 der 93 Nationen machten Medaillen oder zumindest einen Top-7-Platz. Österreich war leider nicht unter diesen Nationen. Nach drei Weltmeisterschaften in Serie (2021 bis 2023) jeweils mit einmal Bronze folgten nun zwei ohne Edelmetall. Schwer zu verkraften für ein Team, das auch bei Olympia seit vier Jahren drei Medaillen geholt hatte.

„Wir sind ausnahmslos enttäuscht, sehr enttäuscht! Diese WM hätten wir uns ganz anders vorgestellt – das Ergebnis ist ungenügend, das muss man in dieser Deutlichkeit so sagen. Einzige Ausnahme: Movli Borchashvilli hat sich wirklich teuer verkauft, im Schwergewicht mit Erik Abramov den EM-Dritten geschlagen. Er hat dann gegen die Nummer zwei verloren – nach einem mehr als anständigen Kampf. Für alle anderen gilt: Zwei Wochen Pause machen, den Kopf frei kriegen und dann neu starten. Mit einem klaren Plan, was besser werden muss.“ Deutliche Worte der Cheftrainerin.

Als Yvonne Snir-Bönisch im Jänner 2022 ihr Amt als ÖJV-Headcoach antrat, hatten Michaela Polleres (Silber) und Shamil Borchashvili (Bronze) schon olympische Medaillen, die Wimpassingerin auch schon WM-Bronze. In dieser Tonart ging es weiter. Für beide noch einmal WM-Bronze, dazu für „Michi“ Olympia-Bronze in Paris. Judo etablierte sich weiterhin als eine der erfolgreichsten Sommersportarten in Österreich. Doch schon 2024 in Abu Dhabi, als der eigentlich als Ersatzmann nominierte Wiener Bernd Fasching (bis 81 Kilo) mit Rang 7 die einzige Platzierung holte, und auch heuer bei der EM in Podgorica mit Rang 5 für Lubjana Piovesana (bis 63 Kilo) lief es nicht mehr „rund“. Jetzt in Budapest die Ernüchterung. „Diese WM hätten wir uns ganz anders vorgestellt – das Ergebnis ist ungenügend, das muss man in dieser Deutlichkeit so sagen. Einzige Ausnahme: Movli Borchashvilli hat sich wirklich teuer verkauft. Für alle anderen gilt: Zwei Wochen Pause machen, den Kopf frei kriegen und dann neu starten. Mit einem klaren Plan, was besser werden muss“, sagt Snir-Bönisch.

Einzelkritik wird es intern geben, man wird auch eventuelle Fehler in der Vorbereitung analysieren. „Aber alles sachlich und seriös“, sagt Poiger. Am Trainerteam – mit Snir-Bönisch und Miguel Oganda Lopes – werde nicht gerüttelt. Gleichzeitig aber stellt die Cheftrainerin fest: „Sosehr die Niederlagen schmerzen: Die WM in Budapest spiegelt nicht unseren tatsächlichen Leistungsstand wider. Wir machen gerade einen Generationswechsel durch, die Jungen haben einen Leistungssprung gemacht und schon ihr Potential aufgezeigt – mit zwei Grand-Slam-Medaillen. Aber in der WM-Woche, wenn’s wirklich zählt, hat bis auf Movli niemand seine Normalform ausgespielt. Auch nicht Lulu – egal, ob die Yuko-Wertung gegen sie okay war oder nicht. Sie hätte diesen Kampf nicht verlieren dürfen. Ich bin überzeugt, dass wir nächstes Jahr ganz anders dastehen werden. Niederlagen gehören zum Sport. Man muss nur daraus lernen.“

Die Vorbereitung auf das erste Jahr der Olympia-Qualifikation beginnt schon in wenigen Wochen. Da wird auch wieder Polleres voll ins Training und im Herbst in der IJF World Tour einsteigen. Sie habe sich diese einjährige Pause „verdient, weil durch die Verschiebung der Spiele von Tokio auf 2021 nur drei Jahre bis Paris Zeit blieben und Michi diese Pause einfach gebraucht hat“, sagt Snir-Bönisch. Auch Shamil hat lange, 14 Monate, nicht an Wettkämpfen teilgenommen. Bei der Pressekonferenz vor der WM meinte er, er sei stärker als je zuvor. Doch davon war gegen den belgischen Ex-Weltmeister Matthias Casse nichts zu sehen. Aber er wollte ja einen der Großen, und er hatte sich selbst als größten Gold-Favoriten gesehen. Größenwahn oder nur überhöhtes Selbstvertrauen? Diese Fragen muss sich Shamil jetzt gefallen lassen …

Im Grunde ist in Budapest „nichts passiert“. Es war noch keine WM für die Olympia-Qualifikation. Also „eh Wurscht“, was in der Laszlo-Papp-Arena abgegangen ist? „Egal ist uns dieses Abschneiden keineswegs“, sagt Poiger, der aber auch relativiert: „Wir haben elf Jahre, von Sabrina Filzmoser 2010 bis Polleres 2021, keine WM-Medaille gemacht. Dann drei Jahre in Serie, wir haben bei zwei Olympischen Spielen Medaillen geholt. Also, so schlecht können wir nicht sein. Es war sicher ein sehr schmerzlicher Ausrutscher, vielleicht zur rechten Zeit.“ Das wollen natürlich auch wir vom Landesverband Wien hoffen …

In Innsbruck um Kata-Titel

Am Sonntag (ab 11.30 Uhr) geht es in Innsbruck, im Rahmen der „Sport Austria Finals“, um die österreichischen Judo-Titel in der Kata. Ein Wiener Duo – Vanessa Wenzl und Matthias Heinrich (Judoklub Tantano) – ist Titelverteidiger in der Nage-no-Kata und will natürlich auch heuer Gold. Aber der Kärntner Manuel Müller und Philipp Stark (WAT Stadlau) wollen den beiden Wienern das Leben schwer machen. Die Kärntner Brüder Martin und Philipp Hinteregger sind als Titelverteidiger die klaren Favoriten in der Katame-no-kata.

Nachwuchs in Wien

Zu Ehren der leider längst verstorbenen Wiener Judo-Legenden Johannes Ellinger und Edith Felsinger gibt es am Sonntag in der Sporthalle Lieblgasse das traditionelle Nachwuchsturnier, bei dem weit mehr als 100 junge Judoka um die Medaillen und Pokale kämpfen werden. Am Vormittag (Beginn nach 10 Uhr) sind die Unter 10- und Unter-12-Jährigen an der Reihe, am Nachmittag (nicht vor 13 Uhr) folgen dann die Altersklassen Unter 14 und Unter 16. Judohalle statt Freibad – wir hoffen, dass alle Genannten auch wirklich zum Judo kommen und nicht gleich ins kühle Nass springen.

Foto: ÖJV-Headcoach Yvonne SNIR-BÖNISCH war "maßlos enttäuscht" - @Judo Austria / Oliver Sellner

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