Tsunoda zu stark

Sie ist wieder da! 16 Monate nach Olympia-Bronze in Paris feierte Michaela Polleres (bis 70 Kilo) beim Grand Slam in Tokio ihr internationales Comeback. Nach einem Auftaktsieg verlor die Wimpassingerin aber in Runde zwei gegen Ai Tsunoda-Roustant (ESP) mit Ippon – Tsunoda war noch zu stark, aber „Michi´s“ Auftritt durchaus okay. Japan lieferte eine Machtdemonstration ab! Fünf Goldenen vom Samstag folgten sechs am Sonntag – 11 von 14 Klassensiegen!

Österreichs zweifache Olympia-Medaillengewinnerin startete im Metropolitan Gymnasium mit einem Yuko-Sieg über Aina Laura Radoanaivo Razafy (MAD) und bekam es danach mit der in Spanien geborenen Tochter eines japanischen Judotrainers zu tun. Tsunoda-Roustant gelang die Revanche für die Olympia-Niederlage im Bronze-Kampf von Paris. Nach zwei Minuten geriet Polleres in einen Armhebel und musste abklopfen. Damit war ihr Comeback zu Ende.

„Michi hat sich richtig stark präsentiert, die lange Pause war ihr nicht anzumerken. Natürlich hätten wir uns über eine Platzierung gefreut, aber das wollte diesmal noch nicht sein. Auf dieser Leistung lässt sich aufbauen“, kommentierte ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch. Polleres und die am Samstag ausgeschiedene Lubjana Piovesana (LZ Hohenems / bis 63 Kilo) bleiben noch eine Woche in Tokio, zum Training im ehrwürdigen Kodokan.

Auch der zweite Tag beim traditionellen Jahresabschluss, dem früheren Kano-Cup, stand im Zeichen der Japaner, die zehn von 14 möglichen Judoka in die Goldkämpfe brachten (bei vier rein-japanischen Duellen) und sechs von sieben Goldenen holten. Unter ihnen Superstar Hifumi Abe (bis 66 Kilo) – allerdings hatte der zweifache Olympiasieger und vierfache Weltmeister hart zu kämpfen. Vor allem im Viertelfinale, als der 28-Jährige gegen den Koreaner Channyeong Kim bis acht Sekunden vor dem Ende mit Waza-ari zurücklag, dann aber noch einen Halbpunkt mit anschließendem Osaekomi (Festhalter) machte und – mit etwas Glück und unter dem Jubel seiner Fans – aufstieg. Im Finale setzte sich der Japaner im internen Duell gegen den jungen Kairi Kentoko erst im Golden Score – Ippon für Uchi Mata – durch.

So gab es am Sonntag einen einzigen nicht-japanischen Sieg, durch die Koreanerin Hyeonj Lee in der Klasse über 78 Kilo. Zwei Weltmeister von Budapest wurden „nur“ Dritte – der Japaner Ryuyu Nagayama (bis 60 Kilo) und der Russe Timur Arbuzov (bis 81 Kilo). Mit unglaublichen 11mal Gold, 11mal Silber und 15mal Bronze (37 !!! Medaillen) gewann Japan die Nationenwertung vor Russland (1/1/3), Korea (1/1/1) und Georgien (1/0/2). Nur diese vier Länder stellten unter den 303 Judoka aus 41 Nationen Klassensieger.

Alle Ergebnisse aus Tokyo findet ihr hier.

Foto: Nach 494 Tagen wieder auf der internationalen Tatami: Michaela POLLERES (blau) in ihrem Erstrundenkampf in Tokio - @IJF / Emanuela Di Feliciantonio

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