Sayonara – Teil 17

Mit dem Teil 17 beenden wir heute unsere tägliche Serie „Sayonara“. In Tokio heißt es Abschied nehmen und vorausblicken auf die WM 2021. Die findet in Wien statt, oder sie soll zumindest in der Bundeshaupstadt ausgetragen werden. Es gibt wilde Gerüchte, Theorien und Verschwörungen, nachdem es in Österreich den politischen Crash gegeben hat. Wie steht es wirklich um die dritte Judo-Weltmeisterschaft in Österreich?

AUF ZUR NÄCHSTEN WM – 2021 IN WIEN!?? – Dass hinter diesem Motto zwei Fragezeichen stehen, hat seinen Grund. Vor etwa einem Jahr hatte Wien (bzw. der ÖJV) vom Weltverband IJF als einziger Kandidat den Zuschlag zur Ausrichtung der Judo-Weltmeisterschaften 2021 erhalten. Der Jubel war groß, sogar der damalige Sportminister Heinz Christian Strache war zum Kongress nach Baku mitgereist. Alles eitel Wonne, der Termin stand mit 12. bis 19. September sehr schnell fest, der Veranstaltungsort auch – die Wiener Stadthalle, wo schon 1975 die vielbeachtete Herren-WM mit dem ersten Judo-Gold der Geschichte für Frankreich durch den heutigen IJF-Generalsekretär Jean-Luc Rouge stattfand und Österreich 1984 bei der Damen-WM über Silber für Edith Hrovat und Bronze für Gerda Winklbauer jubeln durfte.

Doch dann kam Ibiza und Straches Rücktritt auf Grund des berühmt gewordenen Videos. Jenes Ministers, der dem ÖJV seitens des Bundes dies und das für die Finanzierung der WM zugesichert hatte, aber nun nicht mehr Minister war. Und die Stadt Wien, die natürlich bei der Finanzierung eines solchen Projekts gefragt ist und mitmachen sollte, blockte ab. Wie man hört, weil man sie seitens des Judoverbandes nicht ins Boot holte. Doch die Gegenseite behauptet, man habe oft versucht, beim zuständigen Stadtrat Peter Hacker einen Termin zu bekommen, sei aber stets abgeblitzt. Es sieht ganz nach einem rot-blauen Machtkampf aus, der aber – bisher und offensichtlich – leider auf dem Rücken des Sports ausgetragen wurde.

ÖJV-Präsident Dr. Hans Paul Kutschera hat, auch das hörte man, die WM zurückgeben wollen. „Die Finanzierung muss stehen. Wir können und dürfen uns gar nicht auf ein Risiko in dieser Frage einlassen“, wird er von den Medien zitiert. Dazu kommt, dass die IJF auf die eine oder andere Million des Veranstalters pocht. So eine Judo-WM ist für den Ausrichter teuer. Aber sie bringt der Stadt und dem Land, in dem sie stattfindet, auf Umwegen auch gute Einnahmen. Nächtigungen von rund 2000 Gästen mehr als eine Woche, und was im Umfeld noch umgesetzt wird, die Werbung für die Stadt Wien und Österreich – all das gehört dazu. Kutschera kam am Wochenende, zum zweiten Mal nach dem IJF-Kongress vor einer Woche nach Tokio. Er hat bei der Schlussfeier die IJF-Fahne von den Japanern übernehmen. Schon kommende Woche gibt es Gespräche seitens des ÖJV mit dem aktuellen Sportminister. Im Verband sagt man, man sei in der WM-Vorbereitung „auf Schiene“. Offenbar liegt jetzt der Ball bei der Politik. Ob die es sich aber leisten kann, bereits zugesagten Verpflichtungen nicht nachzukommen, sei dahingestellt.

Für Judo in Österreich wäre eine WM 37 Jahre nach der letzten ein wichtiger Impuls für eine Sportart, die stets zu den erfolgreichsten im heimischen Sommersport gezählt hat. Aber vielleicht ist die WM in der Stadthalle ja gar nicht in Gefahr – und alles rundherum sind nur Gerüchte, Theorien oder gar Verschwörungen. Das hofft doch sehr …

… euer Joe Langer – zum letzten Mal aus Tokio: SAYONARA

ENDE DER SERIE

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